Locationschließungen – ein Nachruf 2018/19

Locationschließungen in Leipzig – ein Nachruf

Jahres(d)rückblick 2018/19

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05.02.2019
Autor: Anne Küste

Adios, Au Revoir, Arrivederci: Abschied ist, egal in welcher Sprache wir es sagen, ein schmerzliches Wort. Erst Recht, wenn sich dahinter das Ende einer (erfolgsversprechenden) Geschichte verbirgt. Da können auch Freddy Quinns Liedzeilen „Jeder Abschied kann ein neuer Anfang sein“ wenig ausrichten. Unseren alljährlichen Nachruf widmen wir daher den Menschen, deren Traum vom Unternehmensglück (d)rückblickend platzte. 

Locationschließungen – ein Nachruf 2018/19

Waldi

Mit einem letzten großen Tänzchen verabschiedeten sich die Waldianer im Oktober 2018 von all ihren treuen Gästen und Mitarbeitern. Neun lange Jahre bot das Kult-Café (bis dato) hungrigen Tanzwütigen ein nächtliches Zuhause. Lange verschlossen werden die ehemaligen Waldi-Türen aber nicht bleiben: Im Frühjahr 2019 möchte Jörg Duschanek, der bereits seit 2014 das Alte Papierlager in der Goldschmidtstraße betreibt, auf der Karli einziehen und dort eine Mischung aus Restaurant, Café und Bar eröffnen.

 

Café Fleischerei

„Grüß Gott, tritt ein, bring Glück herein“ lautet(e) die herzliche Begrüßung, die an der schmuckvollen Decke der ehemaligen Fleischerei und der gleichnamigen Café-Institution in der Jahnallee 23 schwebt(e). Obwohl beide Lokalitäten unterdessen der Vergangenheit angehören, können Coffeinjunkies weiterhin neben Fleischerhaken und unter Art-déco-Himmel Käffchen schlürfen. Viel verändert hat sich seit dem Betreiberwechsel – abgesehen vom Namen – im September 2018 nicht. Etwas minimalistischer ist es geworden. Doch klare Designs und alte geschwungene Holzbänke unterstreichen mehr denn je den nostalgischen Charme der alten Zeiten – und dafür sind wir „Dankbar“.

 

So & So

Traurige Nachrichten erreichten uns auch aus dem Leipziger Norden: Trotz aller Anstrengungen, die 2018 seitens der Inhaber und Unterstützer des So&So unternommen wurden, ist das Schicksal des Clubs – die Schließung – besiegelt. An dem Entschluss konnte weder eine Petition noch eine 2.000 Menschen starke Demo, die sich gegen das von der CG-Gruppe geplante innerstädtische Entwicklungsprojekt „Leipzig 416“ richtete, rütteln. Lobens- und erwähnenswert ist sie trotzdem, die ungebrochene Solidarität, die den Club seit der Kündigung erreicht hat. Ende Januar luden die Betreiber zu einem letzten großen Soli-Blitzgewitter, bevor in baldiger Zukunft die Bagger anrollen und das So&So dem Erdboden gleichgemacht wird.

 

Tiefblau

Von geplatzten Träumen können auch die Inhaber des Tiefblau ein Liedchen singen: Da die Eigentümer des „Via City“-Hotels eigene Ansprüche an den Räumlichkeiten auf der Karli 40 geltend machten, wurde der auslaufende Mietvertrag des Restaurants zum Jahresende nicht verlängert. Ab Ende März könnt ihr die Genüsse des tiefen Blaus dann in den zentralen Gewässern der Gottschedstraße genießen – dann allerdings unter dem Namen Letterman. Viel Spaß beim Eintauchen!

 

Ma Petit Brasserie

Frisch rausgeputzt – in rosa Anstrich und niedlichem Schaufensterdekor – präsentierte sich Ma Petite Brasserie in der Menckestraße. Im Juli 2015 fiel der Startschuss für das kleine Stück Frankreich im Leipziger Norden, das seinen Gästen bevorzugt mediterrane Küche in ländlich-provinzialem Ambiente servierte. Romantische Abende zu zweit können wir künftig im Hause Frieda verbringen. Hinter dem Herd des neuen Lokals steht niemand geringeres als Frohnatur und Pickle-Liebhaberin Lisa Angermann, die hier im Dezember 2018 ihr erstes eigenes Restaurant eröffnete.

 

Foodkurt

Eine aufregende Berg- und Talfahrt liegt hinter den Betreibern des ehemaligen Foodkurt, zwischenzeitlichen Luigi’s und jetzigen Micello’s. Drei Namen in 15 Monaten: Am Ende klingt das allerdings dramatischer als es in Wirklichkeit ist. Nachdem das Selbstbedienungs-Konzept des Foodkurt in der Katharinenstraße nicht aufzugehen schien, fasste man den Entschluss, das Buffet-Prinzip aufzugeben und das Lokal in ein modernes italienisches Restaurant umzuwandeln. Schade nur, dass der neue Arbeitstitel „Luigi’s“ leider schon vergeben und urheberrechtlich geschützt war. 2019 geht es für Luigi unter dem Decknamen Micello weiter.

 

Zum Arabischen Coffe Baum

Wie wohl Robert Schumann auf die LVZ-Nachricht reagiert hätte, dass sein geliebter Kaffeetreff aus Personalnot aufgegeben werden muss? Schließlich ist das Haus „Zum Arabischen Coffe Baum“ die älteste Café-Schenke im Leipziger Zentrum. Berühmte Dichter, Komponisten und Professoren der Leipziger Universität hielten hier ihre Stammtische ab. Ob sich Schumann notgedrungen selbst ans Milchschäumen gemacht hätte? Fakt ist: Die Wirtsleute Bettina und Peter Steffen verlängern ihren Mietvertrag nicht und verabschieden sich in den wohlverdienten Ruhestand. Der Eigentümer der Immobilie, das Kulturamt der Stadt Leipzig, hofft bis dato auf einen neuen Pächter. Doch wegen nötiger Umbauten dürfte das fast 300 Jahre alte Gasthaus in der Kleinen Fleischergasse zunächst eine Weile leer stehen.

 

El Matador & Varadero

24 lange Jahre und viele heiße Sommerabende verwöhnten euch die Köche des El Matador im Leipziger Bachviertel mit Tapas und anderen spanischen Köstlichkeiten. Im Juni 2018 fand das muntere Sangriatrinken in der Friedrich-Ebert-Straße allerdings ein jähes Ende. Ein ähnliches Schicksal ereilt aktuell (Ende Februar) den großen Bruder des El Matador, das Varadero, welches euch immerhin seit 1977 erlesenen Rum sowie eine Palette karibischer Speisen auf der Gottschedstraße servierte. Künftig wird es das Zuhause des Lettermans sein.

 

Gotham Burgers

Von kurzer Dauer waren die durchaus köstlichen Gaumenfreuden im Gotham Burgers – vor allem zur „Angry Hour“, zu welcher die Inhaber Mark Heinisch und Alexander Mames regelmäßig mit satten Schnäppchen läuteten. Seit mehreren Monaten sind es aber vor allem die hungrigen Besucher, die „angry“ vor verschlossenen Ladentüren stehen. Das Restaurant in der Katharinenstraße 17 verweilte gerade mal ein knappes halbes Jahr zwischen Markt und Brühl. Wo ist Batman, wenn wir seine Superkräfte wirklich brauchen?

 

Sol y Mar

Einige Jahre mehr hatte das Sol y Mar in der Gottschedstraße auf dem Buckel. Noch vor dem 15. Betriebsjubiläum schloss das Restaurant, welches u.a. für sein angenehmes Lounge-Flair, mediterrane Küche und eine große Auswahl an leckeren Cocktails bekannt war. Dass ihr euer erstes Date oder eure Hochzeitsfeier künftig an anderer Stelle abhalten müsst, hat am Ende verschiedene Ursachen. „Hauptgrund war, dass wir trotz langer Suche keine Betriebsleitung finden konnten, die das Konzept weiterführt“, verrät uns Anja Herzog, Geschäftsführerin der TNC-Produktion GmbH (Betreiber des Sol y Mar). „Hinzu kam der extrem heiße Sommer 2018, dessen Hitze die Menschen eher an den Strand als in die Innenstadt gelockt hat.“ Das Fass zum Überlaufen brachte letztendlich die Baustelle auf der Gottschedstraße: „Teilweise konnte man auf dem Freisitz sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Es war nur noch laut und schmutzig.“ Zugegeben, das klingt nicht nach einem Ort, an dem wir unsere Cocktailschirmchen aufspannen möchten. Sowieso findet Anja, dass die Gottschedstraße – mal abgesehen von der Baustelle – wesentlich ruhiger geworden ist. „Es ist nicht mehr die klassische Weggehmeile, die es früher einmal war, wenn auch nach wie vor eine gute Adresse, um essen zu gehen.“

Locationschließungen – ein Nachruf 2018/19
 

Und auch in diesen Locations bleibt der Herd kalt & die Schiebetüren geschlossen:

 

• Toldi | Könneritzstraße 14, Plagwitz

• Karstadt | Neumarkt 30, Zentrum

• Freche Elster | Industriestraße 37, Plagwitz

• Taparazzi | Reichsstraße 16-18, Zentrum

Beefers | Martin-Luther-Ring 2, Zentrum

 

An dieser Stelle könnt ihr einen Blick auf die Schließungen der letzten sechs Jahre werfen: 

-->  Sorry, we're closed! Location-Schließungen in Leipzig 2013 bis 2019



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