Made in Leipzig: RadRobe

Made in Leipzig: RadRobe

Hübsch radeln

15.09.2020
Autor: Anne Küste

Es ist ein echtes Frauenproblem und noch dazu ein nerviges: das Rad-Rock-Dilemma. Ein ungünstiger Windstoß reicht aus und die feine Dame sitzt halbnackt auf dem Sattel – es sei denn, sie ist unent(fahrrad)wegt am Justieren, um die Farbe der Unterwäsche für sich zu behalten. Szenarien, die jede kennt, die jemals in zu engem oder weitem Rock in die Pedale trat. Umradeln lassen sich solche unangenehmen Rad-Rock-Momente eigentlich nur, wenn Frau den Drahtesel im Stall stehen lässt, oder?


Fahrraduntaugliche Outfits: auf dem Radweg in das Atelier von Schneiderin Maxi Lasheras erinnern wir uns an viele peinliche Fahrten, die mit unfreiwilligen Höschenblitzern einhergingen. Manchmal ist die Modefreiheit plötzlich etwas zu frei. Morgens aufstehen, ins Kleid steigen und losradeln: so einfach ist es im Alltag nicht. Diesen Eindruck teilt auch Maxi. In mehr als einem Fall litt ihr Stilbewusstsein unter der Wahl des Fortbewegungsmittels. Und das geht vielen Frauen so. Häufig entscheidet der morgendliche Blick in den Terminkalender über Rock oder Hose, über Fahrrad oder Auto. Maxis praktischer Fahrradgriff ging dann häufig zur Hose. Mit Rock radeln: das funktioniert eben nicht so gut. Und wenn beim Ankleiden dann doch hin und wieder die mutige, weil frauliche, Business-Variante siegte, dann zwang der hübsche Look die umweltbewusste Radlerin auch schon mal dazu, längere Strecken in der Senkrechten zurückzulegen.

Made in Leipzig: RadRobe

Es hat Zipp gemacht

 

Rock oder Fahrrad? Eine Frage, die sich Maxi nicht länger stellen wollte. Zumal sie sich als Maßschneiderin auf die Konzipierung von Bühnenoutfits spezialisiert hat, die schick und funktional sein sollen. An ihrer Nähmaschine entstehen Bühnenoutfits für Solisten, Kleidungsstücke für ganze Chöre oder Orchestermusiker, die in jedem Fall auf das Instrument und die Ansprüche des Musikers zugeschnitten sind. Die Idee kam der studierten Schulmusikerin vor 5 Jahren, als sie beschloss, die Schul- gegen die Schneiderkreide einzutauschen. Das war die Geburtsstunde ihres Maßateliers Marillon (marillon.de). Und jetzt, wo wir unseren
Blick an der Nähmaschine vorbeischweifen lassen, dämmert uns auch, wie Maxi auf die textile Lösung für das Fahrrad-Rock-Problem kam. Der Spagat zwischen schick und funktional muss Frau eben auch auf dem Radweg gelingen.

Hauptmerkmal einer jeder RadRobe ist übrigens ein Reißverschluss, durch den sich der Rock, je nach Einsatzgebiet weiter oder enger zippen lässt. Im Grunde gibt es zwei Varianten: Während der Zipper beim ersten Modell ganz offensichtlich im vorderen Rockbereich als Stilelement vernäht ist, verschmilzt er in der zweiten Ausführung so sehr mit der Naht, dass er fast unsichtbar ist.  Maxi ist froh, dass sie sich endlich keine Gedanken mehr darüber machen muss, was sie anzieht.

Made in Leipzig: RadRobe

Mut zur Lücke

 

Ein Blick durch das virtuelle Schaufenster, auf die Homepage ihrer RadRobe, verrät, dass der Kauf eines Radrockes mindestens genauso speziell
ist wie die Erfindung selbst: Einfach klicken und fertig ist nicht! Jeder Rock wird individuell und erst nach der Bestellung in Maxis Atelier angefertigt. So können einzelne Wünsche berücksichtigt werden und es landet nichts in der Tonne. Bestellt wird online: Messen, Größe und Rocklänge ermitteln, Modell aussuchen und schon wird losgenäht. Für die Röcke werden dann ausschließlich Materialien verwendet, die den strampelnden Anforderungen gerecht werden – also Stoffe, die bequem und gleichzeitig robust sind. Velours zum Beispiel. „Unser Velours ist elastisch, scheuert nicht und wird deshalb auch für Sitzbezüge in der Autoindustrie verwendet.“ Auf Stoffmessen fühlt Maxi fleißig Probe und legt dabei nicht nur auf sogenannte „Oeko-Tex“-Siegel Wert. „Wenn irgend möglich, sollen die Materialien fair und am besten lokal herge-stellt sein.“ Wie und wo jeder einzelne Rohstoff, der im Rock verarbeitet ist, das Licht der Welt erblickte, könnt ihr en detail im Online-Shop nachvollziehen. Maxi ist nicht nur eine Freundin funktionaler Mode, sondern schätzt auch Transparenz.

 

Made in Leipzig: RadRobe
Am Ende gibt es kaum einen Kundenwunsch, den sie nicht gewillt ist, in die Tat umzusetzen: Wer eigene Design- und Stoffideen hat, kann diese einsenden; alle, die mit Konfektionstabellen auf Kriegsfuß stehen, können Schnitte individuell anpassen lassen und, ach ja, wer prinzipiell beim Anlegen des Maßbandes scheitert, kann gerne einen persönlichen Termin ausmachen oder via Videocall SOS funken. Maxi hilft dann gerne im virtuellen Atelier beim Messen und berät hinsichtlich Stoff und Stil. Verrückt, oder? „Corona macht’s möglich!“, lacht die Quer-Einschneiderin, die für das richtige Messergebnis sogar ein Maßband zum Herunterladen, Ausdrucken und Zusammenkleben zur Verfügung stellt – allein, damit die Frage nach den passenden Klamotten nicht mehr über das Wohl des Alltagsradelns entscheidet.

  

Fans dieser Unbekümmertheit können Maxis RadRobe seit Mai 2020 in fünf verschiedenen Farb- und zwei verschiedenen Reißverschluss-Modellen ab 169€ pro Stück online erwerben.

 

radrobe.de



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