Monsters of Liedermaching

Monsters of Liedermaching: Totte im Interview

10 Jahre monstermäßige Unterhaltung

01.04.2014

Zur Feier ihres 10jährigen Bestehens begeben sich die 6 Monsters nochmals gemeinsam auf große Deutschland-Tour und beehren am 6. April auch die Leipziger Moritzbastei mit einem Konzert. Bandmitglied Totte sprach mit uns über kreative Pausen, Partys ohne Gastgeberpflichten und Sexismus-Vorwürfe.

Monsters of Liedermaching
Gitarren- und textorientierte Live-Musik mit einer gehörigen Portion Humor

Euer aktuelles Album heißt „10 Jahre – das Jubiläumsalbum“. Kann man es als eine Art „Best Of“ betrachten?
Ja, kann man. Ich weiß nicht, ob es wirklich unsere besten Stücke sind, aber es sind natürlich viele Songs dabei, die wir regelmäßig spielen, weil die auch am besten ankommen. Wir haben nie Singles rausgebracht, sondern immer Live-Alben und immer versucht, innerhalb dieser Live-Alben ein Konzert-Ambiente zu erzeugen. Und das haben wir jetzt mit diesem 10-Jahres-Album auch gemacht. Das klingt wie ein Konzert von den Monsters im 10. Jahre ihres Bestehens. Da sind ein paar ganz obskure Sachen dabei, es sind aber auch viele – ich nenne sie mal Evergreens – von uns im neuen Live-Gewandt drauf. Und auch ein paar ganz neue Stücke. 

Ab April startet eure Tour „Die große Sause vor der Pause“. Warum diese Pause? 
Am ehesten vielleicht deswegen, weil jeder mal so ein bisschen Zeit für sich selber braucht. Wir sind jetzt 10 Jahre lang ohne Pause getourt und haben immer CDs aufgenommen und DVDs gemacht und es ging immer um das nächste Produkt. Ich glaub schon, dass irgendwann so eine leichte Ermüdung stattfinden kann. Und wir wollten lieber eine Pause einschlagen, bevor es so weit ist. Also sagen wir mal so, es ist ein frühzeitiges Selbsttherapieren, um nach der Pause wieder mit frisch getankten Energien und kreativen Auswüchsen zusammenzufinden. 

Du hast ein Buch geschrieben. Startest du jetzt als Autor durch?
Naja, durchstarten im Literaturbusiness ist sicher nicht ganz so einfach. Aber ich habe immer schon gerne geschrieben und früher vor den Monsters schon eine Literaturseite mit einem Freund gemacht. Ich finde auch Poetry Slams sehr interessant. Und ich werde auf der Tour auch häufiger mal ein Stück von mir weglassen und dafür mal was lesen. 

Ihr seid am 6. April hier in Leipzig in der Moritzbastei. Was erwartet die Leipziger auf diesem Konzert?
Ja, im besten Fall unsere Lieder. 

Davon gehe ich aus ...
Wir sind ja schon häufig in Leipzig gewesen – immer in der Moritzbastei. Wir sind neben den Monsters auch häufiger mal im Stoned. Das ist unsere Stammkneipe in Leipzig. Da sind wir immer sehr gerne, auch meistens nach unseren Konzerten noch. Da spielen wir auch in Solo- oder in anderen Formationen. Wir freuen uns da immer sehr drauf. Das sind einfach immer rauschende Nächte. Wie eine Party ohne Gastgeberpflichten. 

In euren Liedern geht es um Zahnarztbesuche, die Lust auf Döner oder ein gewisses Faible für Türen. Entstehen eure Texte meist aus autobiographischen Elementen? 
Klar, 1:1. Das ist alles wirklich erlebt. 

Tatsächlich ... Mal im Ernst: Entspringen eure Texte der Fantasie oder fallen euch diese Themen mal in so einer Laune ein? 
Das ist immer unterschiedlich. Jeder von uns schreibt ja Songs, das heißt, jeder hat auch eine andere Herangehensweise. Der eine ist da vielleicht autobiographischer und der andere denkt dann eher in fiktiven Maßstäben oder bizarrer. Und dann hängt es natürlich auch vom Thema ab. Ich denke mal, das eine oder andere traurige Liebeslied wird auch aus einem selbst erlebten Kontext gekommen sein. Ich hab auch schon mal Songs geschrieben, die auf eigenen Erfahrungen basieren. Aber das ist nicht zwangsweise so. Bei dem „Lied über Türen“ zum Beispiel war meine einzige Vorgabe: Ich schreibe jetzt ein Lied über etwas, was kein Schwein interessiert. Sowas passiert auch. 

Von eurem Song „Blasenschwäche“ könnten sich Feministinnen vielleicht auf den Schlips getreten fühlen. Gab es schon Beschwerden?
Da überlege ich gerade ... Aber wir beide haben uns noch nicht im Stoned über den Song unterhalten, oder?

 

 


Nein, da bin ich mir relativ sicher!
Weil ich mich mal mit einer Dame über den Song unterhalten habe, die nämlich genau das Problem gesehen hat. Das gab es tatsächlich ab und an mal. Wenn man genau sein will, haben wir natürlich mehrere Themen, die man missverstehen könnte, aber es ging bis jetzt immer nur um Sexismus. Auch bei „Tod in der Nordsee“ wurde das zum Beispiel schon mal bemängelt. Klar, bei „Blasenschwäche“ geht es um Oralsex, aber es geht ja jetzt nicht darum, dass irgendjemandem der freie Willen genommen wird, irgendwas zu tun. Ich finde da jeden zweiten Hip-Hop-Song schlimmer. Oder eindeutiger. Der Song ist eigentlich nur so eine – ich sag mal – bizarre Empfehlung. Wir sind beileibe keine Sexisten, aber wir sind vielleicht manchmal auch ein bisschen pubertär.


Ihr wollt euch also das innere Kind erhalten?!
Ja, das fällt uns leicht (lacht)! Manchmal lässt es natürlich an Reife zu wünschen übrig. Aber wir stellen uns ja nicht aufs Podium und treten für irgendwas ein, sondern betrachten das eher als Unterhaltung. Ich glaube, dass jedes Kabarett mehr auf die Kacke haut als wir bei solchen Songs wie „Blasenschwäche“ oder „Tod in der Nordsee“. 

Gehen die Menschen vielleicht ein wenig zu prüde mit dem Thema um?
Ich kann das selber gar nicht so genau abschätzen. Was mir auffällt ist, dass es halt Bands gibt, denen automatisch eine Form von Ironie attestiert wird, was ich auch gut finde. Zum Beispiel bei Bands wie K.I.Z. – das ist zwar ironisch, aber es wird automatisch eine Menschenfreundlichkeit angenommen, deswegen dürfen die halt auch machen und schreiben, was sie wollen. Was ich sehr begrüße, denn ich bin ein großer Fan von K.I.Z. Es gibt aber andere Bands, die werden aufgrund leichter Spitzen gleich ganz kritisch beäugt. Ich weiß nicht, ob das in der Natur der Sache liegt oder ob man erstmal ein Feuilleton-Liebling sein muss, damit man dann alles machen darf. Die Ärzte hatten ja damals auch das Problem, dass ihnen Frauenfeindlichkeit unterstellt wurde. Ich bin jetzt aber auch dummerweise ein Mann, das heißt ich kann mich nicht in die Seele einer Frau hineinversetzen, ob die sich irgendwie minderwertig behandelt fühlt. Aber die können ja zurückschreiben. Ich bin auch ein großer Fan von Lady Bitch Ray gewesen. Das halte ich eigentlich für die mächtigste Kritik – einfach eine Entwertung von Bildern. Sollte man eigentlich in viel mehr Bereichen zulassen. Aber da regt sich dann das Feuilleton auch wieder auf, ob das eine Frau machen darf ... Also wo ist da jetzt der Sexismus? 

 

Infos:

Was: Monsters of Liedermaching
Wann: 6. April ab 20 Uhr
Wo: Moritzbastei

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Kommentare
› Schreibe einen Kommentar
    • bananarama geschrieben am

      Zu Blasenschwäche: "Der Song ist eigentlich nur so eine – ich sag mal – bizarre Empfehlung." 
      :D

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