Neues im Kunstkraftwerk

Neues im Kunstkraftwerk: Alice, Weihnachtsvillage, Giganten der Renaissance

Im Herzen Kraftwerk, im Geiste Kunst

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05.12.2018

Der alte Klinkerbau im Leipziger Stadtteil Lindenau, den die meisten heute unter dem Namen Kunstkraftwerk kennen, wurde einst, im Jahre 1863, als Gaswerk erbaut und diente später als Heizwerk, in welchem 28 Jahre lang in riesigen Kohleöfen Feuer für die Warmwassergewinnung brannten. Am 20. Juli 1992 wurde der Betrieb im Kraftwerk eingestellt, die Maschinen abgestellt, die Mitarbeiter entlassen. Was zurückblieb, war dieses riesige Backsteingebäude, jede Menge Staub und alte Erinnerung – Die feurige Energie des ehemaligen Heizwerkes ging jedoch nicht verloren, sie wandelte sich nur um – und zwar in Kreativität. 

Neues im Kunstkraftwerk

So wurde das Gelände 2012 von den Investoren Maldinger und Löffler-Mantovani aufgekauft und damit ganze 2000m2 Fläche, die seit der Stilllegung des Kraftwerks lange Zeit ungenutzt blieb. Die Idee, das Gebäude als Ausstellungsfläche für Kunst zu nutzen, erschien den Investoren in einem von jungen Kreativen geprägten Szeneviertel wie Lindenau sinngebend. So bettet sich das Kunstkraftwerk mit seiner industriellen Vergangenheit ganz ausgezeichnet in seine heutige Umgebung ein, unweit von anderen ehemaligen Industriegiganten wie z.B. dem Tapetenwerk oder auch der alten Baumwollspinnerei. Wer schon einmal eine Ausstellung im Kunstkraftwerk besucht hat, weiß, dass hier Kunst zum Erlebnis wird, da der Besucher nicht nur als stiller Betrachter fungiert, sondern auch als Erschaffer und als mündiger Entdecker seiner ganz eigenen Interpretation der Ausstellungsstücke. In der aktuellen Ausstellung „Die Wunderwelten von Alice – eine Hommage an Lewis Caroll“ werdet ihr beispielsweise in eine Welt voller Absurditäten und surrealer Gestalten entführt. Dazu wurden in der Kesselhalle des Kunstkraftwerks ganze 23 Beamer installiert, die ein audiovisuelles 360°-Erlebnis an die Wände und den Boden der Halle projizieren. Die aufwändigen Videoanimationen zeigen u.a. die berühmte Cheshire-Katze, das weiße Kaninchen oder auch die Teegesellschaft, in die Alice im Märchen so unverhofft hineinplatzte. 

 

Eine Epoche der Giganten

 

Zur Zeit läuft außerdem noch die immersive Ausstellung „Renaissance experience – Florenz und die Uffizien“, in der ihr ein paar hundert Jahre zurück in die Zeit der Renaissance versetzt werdet. In keiner anderen Stadt lässt sich die Kunst dieser Zeit so gut nachspüren wie in der Stadt am Fluss Arno. In einer Epoche, die sich der Entdeckung des Menschen und der Welt verschrieb, wurde Kunst aus einem rationalen Credo heraus, hinein in das Europa der Neuzeit geboren und damit ein wichtiger historischer Schatz hinterlassen, der uns hilft damaliges Leben und Wirken nachzuvollziehen. Die Gemälde namhafter Künstler wie Leonardo da Vinci oder auch Sandro Botticelli werden auch hier mithilfe von Beamern an die acht Meter hohen Wände projiziert, während eigens dafür komponierte Musik im Hintergrund das multimediale Spektakel komplettiert. Im nächsten Jahr, genauer gesagt ab dem 19. Januar 2018, wird dann die neue Ausstellung „Giganten der Renaissance. Leonardo da Vinci – Raffael – Michelangelo“ einen noch intensiveren Einblick in das Schaffen und Wirken der großen drei Universalgenies geben und die aktuelle Renaissance-Ausstellung damit um noch einiges mehr erweitern. So könnt ihr euch dann beispielsweise interaktiv zwischen der Lichtprojektion des Abendmahltisches von Leonardo da Vinci oder auch der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo bewegen.  

Neues im Kunstkraftwerk

Lieber, guter Weihnachtsmann ... 

 

Pünktlich zur Weihnachtszeit eröffnete außerdem am 1. Dezember 2018 das multimediale Weihnachtsvillage im Kunstkraftwerk, bei dem ihr mit Glühwein ausgestattet ein festliches Weihnachtsprogramm erleben könnt. Passend dazu wird euch das Kunstkraftwerk etwa einen Monat lang eine Krippenausstellung sowie innovative Upcycling-Geschenkkreationen präsentieren. Speziell für Kinder wird es dann ein Alice-Kinderprogramm mit Bastelworkshop geben. Ein weiteres Highlight erwartet euch am 20. Dezember, wenn euch das Leipziger Concert mit der Musik des deutsch-britischen Komponisten Georg Friedrich Händel bespielt. Begleitend zum Weihnachtsvillage findet im Kunstkraftwerk eine 90-minütige Spezialführung statt: Um der ursprünglichen Funktion des Kunstkraftwerkes ein bisschen mehr auf den Grund zu gehen, bietet euch der letzte Schichtleiter des ehemaligen Heizwerkes, Wolfgang Knospe, in der „Ich wollte schon immer kokeln“ – Führung einen Einblick in die damalige Zeit und jede Menge Geschichten über die Arbeiter und Funktionsweise der Maschinen. Die Führung findet an ausgewählten Terminen statt, der letzte ist am 21. Dezember 2018 um 18 Uhr und kostet 3 € zuzüglich des normalen Eintrittspreises. 

Ja, das Kunstkraftwerk im Leipziger Westen vollbringt es, eine wohlüberlegte Auswahl von Künstlern und Kunstwerken in einer postindustriellen Umgebung gekonnt in Szene zu setzen und vermag es, wie kein Zweites inmitten des Technologiezeitalters den Spagat zwischen alt und neu, roh und vollendet, elegant und ungeschliffen auf eine ganz unaufdringliche und doch einprägsame Weise zu bewirken. Überzeugt euch selbst und taucht ein in die fantastische Welt des Kunstkraftwerkes.

 

Alle aktuellen Ausstellungen: Relations, Immersive Art: Werk in Progress, Renaissance experience, Die Wunderwelten von Alice 

Kommende Ausstellungen: Wish you were here, Giganten der Renaissance Leonardo da Vinci – Raffael – Michelangelo 

Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 Uhr 

Eintritt: 11 €, ermäßigt 8,50 €, Familienticket 29 € 

Web: kunstkraftwerk-leipzig.com 



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