Patrice im Interview

Patrice im Interview über die Suche nach dem musikalischen Gral

Patrice über sich als Gutmensch, das bewusst Unperfekte und die Kirche als Mittäter

04.12.2013

Mr. Babatunde Bart-Williams – besser bekannt als Patrice – ist weltweit erfolgreich mit seinem selbsternannten Sweggae-Sound. Der gebürtige Kölner mit afrikanischen Wurzeln kommt mit seinem Album „The Rising Of The Son“ nach Leipzig. Vorab verrät uns der Musiker, warum er nicht nur Chartmusik machen will, wie er die Welt verändern möchte und warum sein neues Album reggaelastiger ist als die vorherigen.

Patrice im Interview
"Was von Liebe inspiriert ist, hat Mut und Eier und wird etwas Besonderes!"
Wie entstand dein neues Album?
Dieses Mal war es so, dass ich mir mein Dream-Team zusammengestellt habe. Das bestand aus Leuten, mit denen ich schon immer zusammenarbeiten wollte. Der Anspruch war auch nicht, dass man perfekt singt oder perfekt spielt, sondern eher, dass es irgendwie cool ist und Style hat. Das Album sollte Charakter haben. Ich suche immer das nächste Neue und versuche das bestmögliche Album zu machen. Auch wenn den Leuten mal ein Album nicht so gefällt wie das andere, sie sehen, dass es ehrlich ist und dass da jemand ernsthaft auf der Suche nach dem musikalischen Gral ist (lacht).

Du sagst oft, du möchtest gerne die Welt verändern. Was tust du dafür?
Ich versuche stilistisch eine Art Kultur zu kreieren und meinem Beitrag zur Kultur zu leisten und nicht nur einfach Chartmusik zu machen. Ich möchte auch Leute inspirieren, indem ich einen alternativen Weg gehe. Ich bin auch nicht mehr bei einem Major Label – ich mache jetzt alles selbst. Es geht doch eigentlich nur darum, dass jeder ehrlich ist – zu sich und den anderen. Leider ist es ja oft so, dass Leute z.B. nur etwas produzieren, um damit Erfolg zu haben und nicht, um Erfolg mit etwas Coolem zu haben. Das ist auch die Message meines Albums: Es geht um Lebendigkeit. Alles was von Angst motiviert ist, wird meistens nicht so cool oder trägt halt andere Früchte. Und was von Liebe inspiriert ist, hat natürlich Mut und Eier und wird etwas Besonderes.

Dich bezeichnen viele als Gutmenschen ...
(lacht) Ich bin halt, was ich bin. Gutmensch ist ja erstmal gut. Ich weiß, es gibt Leute, die sagen, das ist nicht cool. Genau wie diese Bio- oder Ökogeschichten – leider wurden die von einer bestimmten Art Mensch vereinnahmt, aber grundsätzlich ist es ja gut. Man kann sowas ja verbinden mit etwas, was ein bisschen cool ist und Style hat. Es muss nicht unbedingt ein Klischee sein. Insofern, Gutmensch ist kein schlechter Begriff – also nichts dagegen.

Wie kommt es, dass das neue Album wesentlich reggaelastiger ist als deine anderen?
Dieser Reggae-Hype ist wieder abgeflaut und da dachte ich mir so: ‚Ok, cool, da kann man das jetzt wieder machen, weil es sonst grad keiner macht‘ (lacht). Aber ich habe schon versucht, dem meinen eigenen Style abzugewinnen und es nicht genau so zu machen, wie es z.B. Jamaikaner tun. Außerdem ist Reggae die Musik, die aus mir heraus kommt und mich am meisten direkt anspricht.

Du hast auch auf Jamaika produziert. Was bedeutet dieses Land für dich?
Jamaika ist am Puls der Welt, weil es so ein extremes Land ist. Es ist ja sehr klein und die Menschen so extrem von sich selbst überzeugt, glaube ich (lacht). Die haben so einen Einfluss in dieser Welt – sowohl im Sport als auch in der Musik – das steht ja in keinem Verhältnis zu der Größe. Auch die Qualität der Musik ist Wahnsinn. Und natürlich war ich schon immer ein großer Bewunderer von Bob Marley und vielen anderen, die da herkommen. Insofern war Jamaika schon immer etwas Besonderes. Ich habe dort mittlerweile sehr gute Freunde und es ist für mich eine zweite, dritte Heimat geworden.

Hat Deutschland eine falsche Wahrnehmung bezüglich jamaikanischer Reggae-Inhalte?
(überlegt) Naja, es stimmt schon irgendwie. Wenn Deutschland wirklich alle Texte verstehen würde, dann wäre die Debatte über homophobe Texte noch heißer am Brennen (lacht). Aber ich finde, dass man dann auch konsequenterweise mit derselben Energie gegen die Kirche und den Papst vorgehen muss, die ja eigentlich der Grund sind für das Ganze. Nicht nur gegen die Jamaikaner. Die Jamaikaner wurden auf hart missioniert und jeder hat dort den Anspruch, ein besonders guter Christ zu sein. Und alles, was den Regeln nicht entspricht, darauf wird dann rumgehackt. Aber ich denke, es gibt diesbezüglich eine gute Entwicklung. Es ticken ja auch nicht alle so. Ich finde es generell wichtig, dass man niemanden, aus welchen Gründen auch immer, diskriminiert. Dass man immer den Menschen zuerst sieht und guckt, was seine Qualitäten sind. Und das sind ja auch Werte, die eigentlich im Reggae verwurzelt sind. Ich denke, dass es eine Debatte ist, die man haben muss, aber das wird mit der Zeit mehr und mehr akzeptiert, glaube ich.

 

Infos

Patrice tritt am 10. Dezember 2013 um 20 Uhr im Werk 2 auf.

Mehr über Patrice erfahrt ihr auf www.patrice.net.

 



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