Porträt: Stefan Ilsanker

Porträt: Stefan Ilsanker

Aus dem Salzburger Schnürlregen ins Leipziger Allerlei

28.11.2018
Autor: Anne Küste

Ein Bewohner dieser Stadt ist oder wird man aus verschiedenen Gründen. Wer nicht hier geboren wurde, den zieht ein Studium, der Job oder Lebenspartner nach Leipzig. In Stefan Ilsankers Fall war es des deutschen liebster Sport: der Fußball. Seit drei Jahren schwitzt der gebürtige Österreicher fast täglich im Trainingszentrum neben der Red Bull Arena – höchste Eisenbahn nachzuhaken, wie er sich im Land der Sachsen eingelebt habt.

 

Es ist der Sonntag des sechsten Spieltags, an dem wir Stefan „Ilse“ Ilsanker auf dem Trainingsgelände der Rasenballer antreffen. Mit einer Größe von 1,89 Metern könnte er auch locker als Basketballer durchgehen – doch der Österreicher hatte andere Pläne. Dabei hätte sich der athletische Fußballer, der gerne engagiert verteidigt, auch als Power Forward, Tight End oder Running Back gut geschlagen. Aber wie gesagt, dass Schicksal hatte andere Pläne mit dem sportbegeisterten Allround-Talent, das keine Gelegenheit auslässt, um sich unterm Korb, auf dem Golfplatz oder Football-Feld zu behaupten. Stattdessen begann der junge Stefan Ilsanker im Alter von sechs Jahren seinem Vater, Freund und Vorbild Herbert Ilsanker (ehemaliger österreichischer Fußballtorhüter und aktuell Fußballtrainer) nachzueifern und in seinem Geburtsort beim 1. Halleiner SK Fußball zu spielen – zunächst in der Rolle des Schlussmanns. Erst im Alter von 15 Jahren wechselte der Österreicher vom Tor aufs Feld, nachdem sein Jugendtrainer das in ihm schlummernde Talent entdeckt hatte. Als defensiver Mittelfeldspieler kickte er sich bis in das Team des 1. Red Bull Salzburg und 2015 in die Mannschaft des damaligen Zweitligisten Leipzig.

Porträt: Stefan Ilsanker

„Gegen einen Gegner wie Dortmund darf man auch mal verlieren“

 

Seither hat er von Bundesliga-Aufstieg über Vizemeistertitel bis hin zum frühzeitigen Aus in der Champions League schon einiges mit den Rasenballern durchgemacht. „Es war ein überwältigendes Gefühl, gleich in meinem ersten Vereinsjahr 2016 mit Leipzig in die erste Bundesliga aufzusteigen. Dass wir uns in der darauffolgenden Saison direkt für die Champions League qualifizierten, war schon etwas sehr Besonderes – auch wenn wir frühzeitig aus dem Wettbewerb ausgestiegen sind. Wir konnten diese Zeit nutzen, um wichtige internationale Erfahrungen zu sammeln.“ Aus diesem Blickwinkel betrachtet, kann der Mittelfeldspieler auch das vorzeitige Ende der anschließenden Europa-League-Reise von RB Leipzig im Hexenkessel von Marseille verkraften. „Wir waren trotz des verspielten 1:0-Vorsprungs aus dem Hinspiel sehr zufrieden mit dem Erreichen des Viertelfinales!“ Dennoch erinnert sich Stefan Ilsanker natürlich auch an die phasenweise erschreckend schwache Leistung im brisanten Duell gegen Bruderverein RB Salzburg zum Auftakt der Gruppenphase der Fußball-Europa League 2018/19 zurück. „Uns wurde daraufhin von vielen Seiten ein holpriger Saisonstart und eine Art Krise nachgesagt – das sehe ich nicht so! Wir haben uns nach der Pleite gegen Salzburg und nach der Niederlage in der Bundesliga schnell wieder gefangen – und Dortmund-Duelle darf man meiner Meinung nach auch mal verlieren.“ 

 

Profifußballer zu sein, bedeutet neben einer Menge Arbeit auch Verzicht

 

Ilsanker weiß: Profifußballer zu sein, bedeutet neben einer Menge Arbeit eben auch Niederlagen hinzunehmen – und manchmal bedeutet es auch Verzicht. Denn trainiert wird fast täglich von 9 bis 15 Uhr. Was auf den ersten Blick nach lockeren sechs Stunden Kicken klingt, erklärt uns Ilsanker, „ist alles andere als spielerisch“. Nach dem Training geht es häufig mit dem Flieger von Stadion zu Stadion oder in den Bundesliga-Spielpausen zu den Auswärtsspielen mit der österreichischen Nationalmannschaft. „Der Terminkalender ist echt voll und zwei Tage frei am Stück“, lacht er, „hatte ich lange nicht mehr“. Und obwohl der gebürtige Österreicher meistens fern der Heimat in Hotelbetten aufwacht, liebt er sein Fußballer-Dasein und natürlich Leipzig. Nicht nur, weil hier immer mal wieder so spannende Basketball-Duelle wie Deutschland gegen Israel stattfinden, sondern auch, weil Stefan Ilsanker ein großer Fan von den Grün-Weißen Handballern, insbesondere Nationalspieler Philipp Weber ist.

Porträt: Stefan Ilsanker

„Welcome to the Jungle“

 

Deutlich regelmäßiger bietet sich dem Carolina-Panthers-Fan und Leipzig-Lions-Supporter Sonntagabends die Gelegenheit zum Football gucken. Im Gegensatz zu uns muss er zwar auf die klassische Chickenwings-Beilage verzichten, findet aber „die gesunden Mahlzeiten des RB-Kochs Philipp Fricke glücklicherweise mindestens genauso lecker“. Und wo wir gerade beim Thema Essen sind, dinieren geht Stefan Ilsanker am liebsten im B10, auch wenn er hier, vorbildlich wie er ist, alkoholfrei bleibt. Zumal dieser Verzicht aus seiner Sicht kein Hindernis ist, auszugehen. Erst kürzlich feierte er mit weiteren 40.000 Guns N’ Roses-Fans seine alten Helden auf der Festwiese. „Ich gehe echt gerne auf Konzerte. Der Live-Auftritt von Paul Kalkbrenner im Werk 2 hat mir auch gefallen. Es kostet mich zwar manchmal Überwindung, mich nach einem anstrengenden Tag von der Couch aufzurappeln, aber es lohnt sich immer. Ich finde man sollte – solange man noch keine familiären Verpflichtungen hat – jede freie Sekunde für solche Abenteuer nutzen.“

Bei so viel Begeisterung für die Musik sei noch erwähnt, dass der sympathische Österreicher auch ein großer Bewunderer seines Landsmanns „Arnie“ ist: „Vom Bodybuilder zum Gouverneur bis hin zum Filmstar. Ich staune über den Willen, mit dem es Arnold Schwarzenegger geschafft hat, alle seine Träume zu verwirklichen und sich seiner Vorbildfunktion dabei stetig bewusst zu sein. Er gründete zum Beispiel die Stiftung Inner-City-Games Foundation, eine soziale und gemeinnützige Einrichtung, die Jugendlichen aus den Problemzonen der Metropole Möglichkeiten bietet, an Sport-, Bildungs- und Kulturprogrammen teilzunehmen.“ Ob Stefan Ilsanker vom „Gouvernator“ persönlich gelernt hat, wie man mit kleinen sportlichen Rückschlägen am besten umgeht?

 

Fall seven times, stand up eight

 

Bleibt nur eine Sache, mit welcher der Fußballer, trotz seiner professionellen Einstellung, manchmal nicht ganz so gut leben kann: Schiedsrichterentscheidungen. Denn für den Pfiff in der 90. Minute im Spiel gegen Hoffenheim, den Ilsanker für ein Foul an seinen Gegenspieler Belfodil kurz vor Schluss im Strafraum kassierte, hat der ehrgeizige Wahl-Leipziger wenig Verständnis. „Meiner Meinung nach war der Elfmeter nicht berechtigt und wäre das Ergebnis knapper gewesen, hätten sich die Offiziellen die Situation bestimmt noch einmal genauer angesehen. Der Sieg in Hoffenheim war ein wichtiger Schritt für uns und obwohl ich sehr zufrieden mit meinem Spiel war, habe ich mich noch Stunden später über diese Entscheidung geärgert. So ein unnötiges Gegentor kann am Ende der Saison entscheidend sein.“

Ein bisschen erleichtert sind wir nach unserem Interview mit Stefan Ilsanker schon, dass es nur die Schiedsrichter sind, die ihm ab und zu einen Strich durch die Fußball-Rechnung machen. Es ist schließlich nicht selbstverständlich, dass man sich so schnell im Leipziger Allerlei zurechtfindet. So können wir beim Verlassen des Trainingsgeländes schon gut und sicher behaupten, dass der 29-Jährige – mal abgesehen von einigen Rückschlägen – auf drei spannende Jahre zurückblickt. Darüber hinaus ist er mit seinen Einsatzzeiten in der aktuellen Bundesliga-Saison bei RB mehr als zufrieden. „So darf es gerne weitergehen“, schmunzelt er.

 

Kommende Heimspiele in deRed Bull Arena

 

2. Dezember 2018:   RB Leipzig - Borrussia Mönchengladbach 

13. Dezember 2018:  RB Leipzig - Rosenborg Trondheim 

16. Dezember 2018:  RB leipzig - 1. FCV Mainz 05 

22. Dezember 2018: RB Leipzig - SV Werder Bremen 



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