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Tocotronic im Interview: Hey, jetzt sind sie alt!

Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow

10.04.2013

Pünktlich zum 20-jährigen Bandjubiläum hat Tocotronic das neue Album „Wie wir leben wollen“ herausgebracht. Sänger Dirk von Lowtzow hat mit urbanite über das Altern und die Aufgabe von Rockmusikern gesprochen. Außerdem verriet er, in welchem Leipziger Club es am besten schmeckt.

Tocotronic
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Wie schafft man es als Band 20 Jahre zu bestehen?
Da spielen mit Sicherheit viele Faktoren mit rein. Irgendwie ist uns über die Jahre hinweg doch immer wieder was Neues eingefallen, was man machen kann. Das ist ja auch nicht selbstverständlich. Und für uns war es immer sehr wichtig, dass neben dem reinen Musizieren diese Gruppe auch aus einer freundschaftseitigen Zuneigung besteht. Das war jetzt nie nur eine lose Zweckgemeinschaft. Da ist natürlich auch viel Zufall und viel Glück dabei, dass man sich über Jahre gut versteht und gegenseitig toleriert und Rücksicht nimmt.


Eure Platte beginnt mit dem Satz: „Hey, ich bin jetzt alt“. Spielt das Altern bei Dir eine große Rolle?

Eigentlich nicht. Ich habe es immer als einen recht interessanten Prozess wahrgenommen und nie als Hürde oder als Last. Aber es ist natürlich ein sehr interessantes Thema, weil man sich mit Mitte 20 doch deutlich weniger Gedanken über den eigenen Körper macht als mit 40. Beim Stück „Im Keller“ muss man sagen, dass das ja auch ein bisschen ein Gag bei uns ist. Viele Stücke entstehen sehr schnell, teilweise nebenbei. Wir lachen uns dann schlapp darüber. Umso erstaunlicher finden wir es, wie viel von journalistischer Seite hineininterpretiert wird. Das klingt jetzt ein bisschen entschuldigend, aber: das sind nur Songtexte! Und vieles davon ist schalkhaft und scherzhaft gemeint.

Aber gerade im Musik- oder Showbusiness ist es nicht ganz so einfach zu altern.
Ja, wobei in letzter Zeit hat man das Gefühl, dass das Showbusiness von alten Männern und Frauen geradezu überlaufen ist, wenn man da an Leute wie Leonard Cohen oder Neil Young denkt, die immer noch wahnsinnig cool sind. Und ich glaube, da gibt’s teilweise auch eine große Sehnsucht zu diesen Figuren hin – gerade auch bei jüngeren Leuten, weil die vielleicht ein bisschen weniger angepasst sind. Bei denen ist es ja sehr interessant, dass die viel Zeit auf ihre Kunst verwendet haben und nicht soviel Zeit auf Social Networking wie Facebook.

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"Leipzig hat ein sehr aufmerksames Publikum"
Ihr betont immer Ihr wärt keine Promis.

Es geht ja vor allem um den Wunsch, ob man das sein möchte. Wir sind eine Gruppe , der es wichtig ist so wahrgenommen zu werden. Aber es ist schon merkwürdig in Interviews über sich Auskunft zu geben. Ich finde es wahnsinnig schwierig, allein ob der Tatsache, dass es die Aufgabe von Journalisten ist, Geheimnisse zu lösen – die Aufgabe von Rockmusikern ist es, Geheimnisse zu schaffen. Das ist an sich ja eine ganz unnatürliche Konstellation. Uns ging es nie darum, prominent zu sein. Wir gehen ja in keine Fernsehshows und in kein Dschungelcamp – jedenfalls noch nicht. Insofern sind wir nicht das, was man gemein hin als prominent bezeichnet.

Ihr schwärmt oft von Leipzig und dem Conne Island. Warum tretet ihr am 12. April im Haus Auensee auf?
Leipzig gehört zu den Städten, in denen wir am liebsten spielen. Das Conne Island ist ein sehr spezieller Ort und hat ein gutes und aufmerksames Publikum. Auf Dauer ist es leider ein bisschen klein. Man muss sich früh Karten besorgen und für die Leute ist es dann schon sehr beengt. Aber es ist definitiv der Club, in dem es das allerbeste Essen gibt. Vielleicht kommen wir Ende des Jahres noch einmal ins Conne Island. Außerdem müssen wir uns auch ein bisschen satteln: Wenn man immer in denselben Clubs spielt, ist das schon sehr ‚und täglich grüßt das Murmeltier‘.

 

Tocotronic könnt ihr am 14. April live im Haus Auensee erleben.

 



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