Weekend live in Leipzig

Weekend: "OK, mein Name ist nicht unbedingt der individuellste"

Interview mit Weekend

07.11.2013

Weekend ist im wahren Leben Christoph Wiegand und arbeitet als Sozialarbeiter. Mittlerweile aber nur noch halbtags, denn derzeit tourt der 27-Jährige durch Deutschland mit seinem Album "Am Wochenende Rapper". Und ja, Parallelen ziehen, ist erlaubt... Im Interview erzählt er uns von "Schatz, Du Arschloch", warum er keine Maske trägt und über seine Erfahrungen mit dem sächsischen Dialekt.

Weekend am 9. November 2013 im Alten Landratsamt
Weekend ist am 9. November live im Alten Landratsamt

War dir bei deiner Namensgebung eigentlich klar, dass etliche andere Bands und Künstler auch so heißen?
Nee, überhaupt nicht. Aber mittlerweile schon. Letztens in Stuttgart hat eine amerikanische Band, die Weekend hieß, in einem Club gespielt, der eigentlich sehr mit meinem Label Chimperator verbandelt ist, die machen dort immer sehr viele Partys. Und viele Leute haben sich dafür dann Karten gekauft, weil sie dachten, ich würde da spielen. Es ist halt ein englischer Begriff. Klar, da muss man davon ausgehen, dass auch andere Musiker und Bands so heißen. Es gab auch mal einen deutscher Rapper, der so hieß. Wir hatten zu Myspace-Zeiten auch so ein kleines Rennen am Laufen, wer die meisten Aufrufe hat (lacht). Auch da habe ich gemerkt: Ok, Weekend ist jetzt nicht unbedingt der individuellste Name. Bei mir passt es aber so schön: einmal ist es vom Nachnamen abgeleitet – ich heiße Wiegand und wenn den englisch ausspricht, kommt irgendwann Weekend raus. Und dieses Am-Wochenende-Rapper-Ding stimmt halt einfach total. Ich pendle hin und her zwischen meinem Job als Sozialarbeiter und diesem Rap-Ding, darum ist der Name schon eine ziemlich gute Bezeichnung für das, was ich mache: nämlich Rapper am Wochenende.


Ist der Song „Schatz, Du Arschloch“ autobiografisch?
Nee, gar nicht. Aber ich habe die Beobachtung schon in meinem Umfeld gemacht. Dieser Moment, wo man Freunde fragt: Hey, machen wir heute was? Und die sagen: Ich spreche noch mal mit meiner Freundin drüber. Wo man sich so fragt: Was genau besprichst du denn jetzt mit deiner Freundin? Du kannst ja wohl jetzt für dich eine Entscheidung treffen. Du kannst ja auch sagen, du machst heute was mit deiner Freundin. Aber das entscheidest doch DU. Und nicht sie (lacht). Natürlich rappe ich das aus meiner Perspektive, aber die witzige Anekdote daran ist, dass das der einzige Song in meinem Leben ist, bei dem mir jemand anderer noch großen Input beim Schreiben gegeben hat. Und das war meine Freundin. Die hat wirklich viele Ideen mitgeliefert. Sie ist das komplette Gegenteil von dem, was ich da rappe. Die ist da wirklich locker.

Du bist beim selben Label wie Cro. Auch mal überlegt, eine Maske zu tragen?
(lacht) Nö. Ich glaube Cro hat durch die Maske schon einen krassen Vorteil gehabt, weil er einfach inzwischen so groß ist, der könnte überhaupt nicht einfach irgendwo rumlaufen. Wenn es diese Maske nicht gebe, hätte er überhaupt kein Privatleben mehr. Bei mir ist es alles ein bisschen entspannter. Ich brauche keine Maske. Und ich glaube, der Zeitpunkt, wo es cool war, jemand zu sein, wo andere nicht wissen , wie man aussieht, ist vorbei. Ich glaube jetzt ist eher der Tenor: Oh nö, noch einer mit ’ner Maske! (lacht). Ich glaube, meine Musik lebt auch ein bisschen vom Motto: Hey, ich bin der Christoph und mache auch so ein bisschen Rap.

In einem Interview hast du mal gesagt, dass du deine Sachen irgendwann nicht mehr hören kannst und die meisten auch nicht mehr magst. Denkst du, das passiert dir bei deinem Album jetzt auch?
Ja, automatisch. Ich bin jetzt schon total kritisch. Im Grundsatz bin ich schon zufrieden mit dem Album, und ich bin schwer zufrieden zu stellen. Es ist aber einfach so: Du schreibst es, du nimmst es auf, du produzierst es aus, du hörst dir das Master an, du lernst es auswendig, um damit auf Tour zu gehen und du singst es ewig oft auf der Bühne. Es ist keine Musik, die ich privat höre, weil ich’s einfach so tot gehört habe. Aber live ist dann auch noch mal was anderes, dann denke ich mir auch nicht: Boa, der Song kotzt mich total an. Ich will’s halt nur nicht privat hören. Wenn ich jemanden sehen würde, der mit dem Auto durch die Innenstadt fährt und seine eigene Musik hört, würde ich denken: Alter, bist du ein selbstverliebtes Arschloch!!! (lacht)

Gibt es etwas, was du in der aktuellen Hip-Hop-Szene gerne ändern würdest?
Tatsächlich sogar eher nicht. Ich bin immer sehr kritisch gewesen, und war auch immer eher Anti-Business und Anti-Szene. Aber ich finde, gerade geht es der Szene recht gut. Man kann in gewisser Weise vom Stil her machen, was man möchte. Es gibt Hörer für verschiedene Subgenres, sowohl Straßenrap als auch poppigere oder melancholische Sachen. Es gibt da einfach verschiedene Stilrichtungen, die sich alle gegenseitig akzeptieren. Es gibt so viele krasse Talente, die in der letzten Zeit hochgespült wurden und es steht schon die nächste Generation von diesen ganzen Marterias, Caspers und Cros in den Startlöchern. Der Szene geht’s mega gut und jeder profitiert auch davon.

Du trittst am 9.11. in Leipzig auf. Schon mal hier gewesen?
Ja, ich hatte da auch ein relativ interessantes Erlebnis am Bahnhof. Ich habe Zigaretten bei einem alteingesessenen Urleipziger gekauft und 3 Minuten lang versucht, mit ihm über Wechselgeld zu sprechen und ihn einfach gar nicht verstanden. Ich bin aber nur umgestiegen. Also so richtig viel von Leipzig habe ich noch nicht gesehen. Ich hatte mal eine ostdeutsche Arbeitskollegin und sie hat mir Ostdeutsch-Unterricht gegeben. Und ich bin mir sicher: Ich verstehe inzwischen alles! (lacht)

Weekend tritt am 9. November 2013 19 Uhr im Alten Landratsamt auf.

 

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