Der Leipziger Westen macht auf sich aufmerksam

Das richtige Pflaster für Kreativschaffende

13.01.2012
Autor: anna bahr
In den letzten zehn Jahren hat sich einiges getan im Leipziger Westen. Dachte man früher an Arbeitslosigkeit und Wohnungsleerstand, wenn von Plagwitz oder Lindenau die Rede war, hat der Westen mittlerweile den Ruf des Kultur- und Kreativraums. Auf der Karl-Heine-Straße ist der Wandel offensichtlich. Noch vor zehn Jahren gab die Straße ein eher trostloses Bild ab. Die Schaubühne Lindenfels war so gut wie das alleinige kulturelle Highlight. Mittlerweile finden sich hier Galerien und Ateliers, man kann Bioprodukte, Mode, Musik und Bücher erstehen. Zahlreiche Kunsträume wie etwa die Galerie WestPol und das Delikatessenhaus sind dazugekommen, um zeitgenössische Kunst zu vermitteln und auch das Fotografiefestival F/Stop hat hier sein Büro. Beim regelmäßigen Kultur- und Stadtteilfest Westbesuch ist man jedes Mal auf Neue beeindruckt von den Angeboten an Kunst und Kultur. Und das Georg-Schwarz-Straßenfestival in Lindenau belebt auch Ecken, die abseits der gängigen Wege liegen.

Die Kulturszene hat sich etabliert und wird weit über die Grenze Leipzigs hinaus wahrgenommen. Indizien hierfür sind auch die braunen Fernwegweiser, die schon in der westlichen Innenstadt Ortsunkundige in den Westen lotsen. Die Beschilderung ist die Reaktion auf den Wunsch von ansässigen Kultureinrichtungen, auch Nicht-Leipziger ins Zentrum der Kreativität zu locken. Finanziert wird das Beschilderungssystem von den Kulturschaffenden selbst. Mit dabei sind vor allem die „großen“ Kultureinrichtungen: Alte Damenhandschuhfabrik, Lofft, Museum für Druckkunst, Musikalische Komödie, Stadtteilbibliothek Plagwitz, Spinnerei, Theater der Jungen Welt und Tapetenwerk.
Foto: Kirsten Nijhof
Im Tapetenwerk hat auch die Fotografin Kirsten Nijhof ihr Atelier. Das ehemalige Industriegebäude beherbergt neben Werkstätten, Galerien, Ateliers und Ausstellungsräumen Büros, Wohneinheiten und Gastronomie. Nijhof ist seit 2009 hier. Das Arbeiten „in einer Gemeinschaft von Freiberuflern und Künstlern“ war ausschlaggebend für die gebürtige Hamburgerin. „Man tauscht sich aus, geht gemeinsam in die Plattenküche, das Miteinander mit anderen Selbständigen und Künstlern ist mir sehr wichtig.“ Dabei sei der Leipziger Westen der ideale Standpunkt: „Das Potenzial, dass sich hier noch viel verändern kann und nicht alles so perfekt und schick aussieht, das Unfertige an der Gegend ist für mich sehr ansprechend.“ Die Fotografin Annett Poppe, deren Schwerpunkt auf People-Fotografie liegt, hat ihr Atelier im Westwerk. Poppe schätzt die besondere Atmosphäre in den Stadtteilen: „Der Leipziger Westen ist bunt und voll von Ateliers, kleinen Galerien und Kneipen. Hier findet jeder noch seinen Freiraum.“

Foto: Schaubühne Lindenfels
Die „Attraktivität der Räume und die günstigen Mieten“ überzeugten auch die Gründer des D21, die 2006 hierher kamen, erklärt der Künstlerische Leiter Michael Arzt. Der Kunstraum in der Nähe vom Lindenauer Markt befindet sich in einem ehemaligen Ladenlokal eines Gründerzeithauses. Das D21-Team hat den Anspruch, seinem Publikum ein internationales Ausstellungsprogramm zeitgenössischer Kunst zu bieten.

Der Begriff Westkultur steht gerade auch für die vielen kleinen Galerien, Ateliers, Werkstätten und freiberuflich Kreativschaffenden, die hier ansässig sind und das besondere Flair des Leipziger Westens mitprägen. Günstige Mieten locken junge Kulturschaffende und kreative Start-ups an, Kunststudenten und etablierte Künstler leben Tür an Tür mit alteingesessenen Ur-Lindenauern und Plagwitzern – die bunte Mischung der hier lebenden und arbeitenden Personen macht den besonderen Reiz der Viertel aus.


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