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Der Widerspenstigen Zähmung

Kultur

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Location: Schauspielhaus

Von der Wirtin auf die Straße gesetzt, hatte Christopher Schlau nur seinen Rausch ausschlafen wollen. Doch dieser Schlummer wird ihm zum Fiebertraum gemacht. Beim Aufwachen gaukelt man ihm vor, er sei ein Edelmann, der jahrelang in der wirren Vorstellung gelebt habe, ein armer Teufel zu sein. Und dann klopft eine umherziehende Schauspieltruppe an die Tür, um dem vermeintlichen Lord ihre neueste Komödie aufzuführen: eine Geschichte über Widerspenstige und deren Zähmung, über das Heiraten und die Liebe. Doch in Padua, wo die Geschichte spielt, scheinen auf dem Marktplatz der Liebe besondere Gesetze zu herrschen. Wer hält dort um wessen Hand an? Und wer verhandelt wessen Mitgift? Männer und Frauen spielen ganz andere Rollen als die, die Schlau von ihnen erwartet hätte. Sonst würde die Geschichte sich nämlich so zutragen:
Baptista Minola hat zwei schöne Töchter und eine klare Vorstellung davon, wie sie an den Mann zu bringen sind. Die liebreizende jüngere Tochter scheint ein Juwel unter all den Frauen im heiratsfähigen Alter zu sein, denn zahlreiche Bewerber freien um die sanfte Bianca. Die ältere Tochter Katharina hingegen will sich überhaupt nicht in die Ehe verfrachten lassen. Sie wählt den Angriff. Aufgrund ihrer Schlagfertigkeit, ihrer verbalen wie körperlichen Frontalattacken ist Käthchen in Padua gefürchtet.
Minola beschließt, dass Bianca erst dann heiraten soll, wenn sich auch für Katharina ein Mann gefunden hat. Um Bianca weiterhin nur irgendwie nahe zu kommen, entwickelt die Männerwelt ein komplexes Rollenspiel und setzt bezüglich Katharina alle Hoffnung in einen Mann, der gerade aus Verona eingetroffen ist: Petrucchio. Er hat das widerspenstige Käthchen zwar noch nie gesehen, doch die Schilderungen ihres ungestümen Temperaments und ihrer Mitgift begeistern ihn so sehr, dass er beschließt, sie zu heiraten.
Und so trifft Käthchen zum ersten Mal auf einen Mann, der ihr gewachsen ist. Ebenbürtig sind sich diese beiden Partner in ihrem herausfordernden Humor, in ihrer Lust an der Grenzüberschreitung, doch vor allem in ihrem Widerstand gegen den Rest der Welt, der ihre Liebe schließlich bedingungslos und wirklichkeitsverändernd macht.

Shakespeares frühe Komödie beschreibt die Liebe als ein sadistisches Spiel, das die Geschlechter miteinander treiben, als einen Wert, der mit kapitalistischen Marktmechanismen in Verbindung gebracht wird, aber auch als fieberhaften Traum von einer bedingungslosen Zusammengehörigkeit jenseits gesellschaftlicher Konventionen, der keine Auflösung erfährt. Moritz Sostmann, der in der Spielzeit 2017 / 2018 mit „Sechs Personen suchen einen Autor“ seinen erfolgreichen Einstand als Regisseur am Schauspiel Leipzig feierte, inszeniert jenen Traum unter geänderten Vorzeichen der geschlechtlichen Machtverhältnisse. (Source: Schauspielhaus)
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