Man sieht sich

Kultur

Keine kommenden Termine

Location: TdJW

Irgendwo im Netz: fünf Personen, fünf Profile, fünf Leben. Fünf Individuen und irgendwie doch ein bisschen die ganze Welt. Fünf Leben, gefangen in der Hoffnung, dass das bessere Leben irgendwann kommt. Aus endlosen »Gefällt mir«-Listen, Selfies, Fotos, Videos ergibt sich eine Geschichte. Doch kann man mit Gewissheit sagen, wer sich hinter den Masken des Netzwerkes verbirgt?

Wir sind die generation facebook. Wir »posten«, »liken«, »sharen«. Wir erfinden uns, also sind wir. Ob das, was wir von uns zeigen, wertvoll oder wertlos ist, liegt in der Betrachtung und Bewertung der Anderen. Das soziale Netzwerk ist unsere Heimat, unser Umschlagplatz für soziale Beziehungen. Es ermöglicht, dass wir nie mehr allein sind. Irgendeiner schaut immer zu. Also, zeigen wir uns. Also, stellen wir uns aus. Aus Angst zu verschwinden und in Vergessenheit zu geraten.



Der Autor Guillaume Corbeil wird zur Premiere anwesend sein. Er wurde 1980 in Coteau-Station (nahe Montreal) geboren und hat 2011 das Studium »Szenisches Schreiben« an der Ecole nationale de théâtre du Canada abgeschlossen. Bereits 2008 veröffentlichte er die Kurzgeschichtensammlung »L’art de la fugue«. 2009 erschien sein erster Roman »Pleurer comme dans les films«.

»Man sieht sich« gehörte 2012 zu den Siegern des Wettbewerbs »Neue Theaterstücke aus Kanada«, und wurde 2013 mit dem Autorenpreis beim Festival »Primeurs« in Saarbrücken ausgezeichnet.

Guillaume Corbeil betritt in »Man sieht sich« ästhetisches Theater-Neuland: In Sprache und Form des Stückes orientiert er sich an Kommunikationsweisen von Twitter, Flickr & Co. Was zunächst alltäglich bekannt scheint und harmlos beginnt, treibt die Maschinerie »Soziales Netzwerk« letztlich bis zum Äußersten und entwickelt sich so zur makabren Demaskierung und Infragestellung heutiger Gesellschaftsprinzipien.



Intendant und Regisseur Jürgen Zielinski bezeichnet »Man sieht sich« als »eines der wichtigsten Stücke, an das man sich im aktuellen Kinder- und Jugendtheater heranwagen kann, weil es wesentliche Fragen an die Zukunft stellt. Wir müssen gar nicht in der Ferne suchen, sondern können in unseren eigenen, alltäglichen Social Network-Erfahrungen wühlen. Im Rahmen der Selbstinszenierung der heutigen Gesellschaft, werden wir alle gläsern.«



»Man sieht sich«, das bedeutet knapp anderthalb Stunden atemloses Spiel im Staccato-Stil und Beschuss mit Worten und Bildern. Im von Fabian Gold entworfene Bühnenbild in App-Ästhetik verwebt der Videokünstler Eric Frymark (nach den TdJW-Produktionen »Kiwi« und »Aus der Traum!«) diese Bilder zu einem verstörend-betörenden visuellen Teppich. »Das Stück ist in weiten Teilen eher eine auf Affekte abzielende Installation als intellektuelle Inszenierung. Es funktioniert größtenteils über Emotionen – weniger über Logik. «, so Dramaturgin Winnie Karnofka.



Mit dem Leipziger Dub-Tech-DJ Marko Fürstenberg hat sich das TdJW für diese außerordentliche Produktion einen weiteren Gastkünstler ins Boot geholt, der die visuelle und sprachliche Gewalt des Stücks durch ein für »Man sieht sich« programmiertes Elektro-Set ergänzt.



Eine Premiere ist auch das digitale Programmheft, welches das TdJW in Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Internetforum und Medienstadt Leipzig e.V. auf den Weg brachte. Unter www.mansiehtsich.club geht die Informationsplattform zum Stück ab 19. September 2014 online.

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