Drummer Mikko Sirén im Interview/Release Party am 14.09. in der Factory/Single Verlosung

Apocalypticas Spagat zwischen Klassik und Metal

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31.08.2007
Entgegen aller Spekulationen, die ihr Bandname vielleicht aufkommen lässt, ist Apocalyptica keine typische Gothic - Rock – Kombo. Eingefleischte Fans wissen es längst: Diese Band ist außergewöhnlich! Nachdem sie 1996 mit ihrem Debüt einer der größten Metal – Bands huldigten, indem sie sämtliche Metallica Klassiker akribisch genau coverten, inklusive aller Instrumental –und Gesangsharmonien, erstaunten sie Musikfans und -Kritiker gleichermaßen. Das Besondere: Die vier Finnen bedienen sich überwiegend der vielseitigen Kraft des Cellos.

Dieser gewagte Spagat zwischen Klassik und Metal mauserte sich mit den Jahren vom heißen Geheimtipp zum etablierten Szeneerfolg. Trotz fehlenden Gesangs, wurde der Erstling über eine Million Mal verkauft. Es folgten nicht minder erfolgreiche Alben und internationale Touren. Ausgefeilte Eigenkompositionen die mit der Zeit zum einen, durch kraftvolle Schlagzeugrhythmen, zum anderen durch stimmliche Kollaborationen diverser Gastvokalisten verstärkt wurden, ergänzten bald Apocalypticas instrumentale Interpretationen von Songs weiter Metal Ikonen wie Sepultura oder Faith No More. Die Liste der „apokalyptischen Sprachrohre“ reichte in der Vergangenheit dabei von Him Säger Ville Valo, über Die Happy’s Martha Jandova und Nina Hagen bis hin zu Ex Guano Apes Frontfrau Sandra Nasic.

Mit „Worlds Collide“ (GUN/Sony BMG) steht ab dem 14. September ihr neustes Werk in den Läden. Auf „I’m not Jesus, der Vorabsingle zur Platte (Ab 31.August erhältlich), gibt kein geringerer als Slipknot und Stone Sour Shouter Corey Taylor mit charismatisch - druckvoller Stimmgewalt den Einstand zur neuen Platte.

Das Album - Release wird am 14. September ab 22 Uhr mit einer schillernden Party in der Faktory gebührend gefeiert, bevor uns das Quartett ab Ende Oktober hierzulande beehrt. Unter anderem werden sie am 22. Oktober in Braunschweig (Jolly Joker) und am 1. November im Leipziger Haus Auensee spielen.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten weit voraus. Zwar wird die Band während der Release Party nicht anwesend sein, dennoch ist dieses Ereignis Grund genug für %__site.name% Schlagzeuger Mikko Sirén: zum Interview zu treffen.

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Warum feiert ihr auch in der Landeshauptstadt die Veröffentlichung von „Worlds Collide“?

Mikko Sirén

Wir sind schon mal in Magdeburg aufgetreten und unsere Musik fand sehr viel Anklang. Deshalb war klar, dass wir auch bei euch das neue Album vorstellen.

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Wie läuft den so eine Veröffentlichungsparty, wenn ihr nicht dabei seid?

Mikko Sirén

Vorab: Wir sind in keiner Stadt dabei! Am Abend wird das neue Album erstmal komplett vorgespielt Danach werden innerhalb des regulären Motto - Musikprogramms an diesem Abend vermehrt alte und eben neue Songs von uns gespielt. Außerdem werden Preise, die sich auf das Album und die Band beziehen, verlost. Wir hoffen, dass es für die Gäste eine tolle Party wird.

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Das Cello dominiert eure Musik – Wie kam es dazu?

Mikko Sirén

Wir haben alle Cello studiert. Die Band zu gründen, ergab sich einfach aus der Musik heraus, die wir machen wollen. Dabei haben wir vier immer dieselben musikalischen Ziele verfolgt. Deshalb spiele ich beispielsweise seit 2005 die Live Drums, weil die Musik die wir heute machen wollen, einfach die aktuelle Besetzung erfordert und sich so für uns genau richtig anfühlt.

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Welche Gedanken oder Situationen inspirieren euch, wenn ihr komponiert?

Mikko Sirén

Der musikalische Impuls zum Komponieren kann von überall her kommen. Für „Worlds Collide“ haben wir beispielsweise 40 Songs geschrieben, während wir an die 200 Shows in rund 42 Ländern gespielt haben. Wir haben uns deshalb hauptsächlich durch das viele Proben, von der Musik anderer Bands, Filmen, Theater usw. beeinflussen lassen und einfach herum experimentiert. Alle Songs, die es letztlich nicht auf die CD geschafft haben, haben ihren Sound somit trotzdem erheblich mitgeprägt.

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Werden die Songs die es nicht auf dieses Album geschafft haben, also in Zukunft verwendet werden?

Mikko Sirén

Hauptsächlich nicht. Einige hatten gute Arrangements, die in ähnlicher Form auf diesem Album verwandt wurden oder in Zukunft verwendet werden könnten. Neue Songs, die innerhalb der Sessions zum aktuellen Album entstanden sind, werden auf der Deluxe Edition sein, die genau wie „Worlds Collide“ am 14. September erscheint. Außerdem wurden drei weitere Songs mit Gastsängern aufgenommen, die wir sehr mögen. Die Zeit für diese Songs ist allerdings noch nicht reif. Sie werden in naher Zukunft definitiv noch veröffentlicht.

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Was sollte eure Musik bei Leuten bewegen, die sie zum ersten Mal hören?

Mikko Sirén

Was wir uns wirklich wünschen, ist das unsere Musik die Leute in irgendeiner Weise emotional berührt! Ob man uns vorher gehört hat oder nicht, uns dafür, was wir tun, liebt oder hasst, ist unerheblich. Emotionale Reaktionen jeder Art sind uns lieber, als Gleichgültigkeit. Was wir mit unserer Musik immer zu vermitteln versuchen, sind starke Bilder und Stimmungen. „Worlds Collide“ ist da keine Ausnahme! Auch hier hoffen wir, dass die Leute das Album als etwas Positives ansehen, das sie sich immer wieder gerne anhören, weil sie etwas damit verbinden können.

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Was denkst du - Hat instrumentale Musik, beispielsweise Klassik, nach wie vor allgemein einen schwereren Status, als Pop Songs mit Gesang?

Mikko Sirén

Sicher. Dass kommerzielle Radiosender plötzlich mehr instrumentale Musik spielen, wird nie passieren. Aber Bekanntheit im Sinne von Mainstream war für uns auch nie ein Ziel, sonst würden wir ganz andere Musik machen. Wir möchten einfach Songs umsetzen, die wir mögen und freuen uns über jeden, dem sie auch gefallen.

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Gut, dann jetzt mal zum Album: „Worlds Collide heißt auf Deutsch„Zusammenprallende Welten.“ – Was steckt für euch dahinter?

Mikko Sirén

Ich denke…(überlegt) Es geht darum, Fragen zu stellen. Im normalen Leben prallen immer und überall Welten aufeinander! Sieh dir deine Beziehung an, deine Familie, schau in die Zeitung, die Ereignisse in Nah Ost….die Liste ist endlos. Genauso finden sich in unserer Musik Elemente, die kollidieren Hier soll der Hörer selbst aktiv werden, nachzudenken, was die Absichten hinter unserer Musik sein könnten. Indem man sich beispielsweise fragt: „Was genau meinen diese vier Typen mit dem Albumtitel eigentlich, hat man sich Gedanken gemacht und versucht, die Dinge anders zu sehen und neu zu ergründen.

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Gibt es eine Art übergeordnetes Konzept oder Grundstimmung für das gesamte Album?

Mikko Sirén

Nein. Der Titel „Worlds Collide“ fast alles sehr gut zusammen, was wir mit dem Album ausdrücken möchten. Es geht in unserer Musik grundsätzlich immer darum, gewisse Stimmungen und Emotionen zu transportieren. Ob mit Gesang oder instrumental, spielt eigentlich eine Nebenrolle. Jedes Mal, wenn wir es geschafft haben, Leute mit unserer Musik zu emotionalisieren, haben wir unser Ziel erreicht.

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Legt ihr vorher eine tendenzielle Klangrichtung für ein Album fest?

Mikko Sirén

Nein. Das Spannungslevel mit jedem Album zu steigern und so einen neuen Metal Stil zu schaffen, ist unser Hauptziel
Fotos: Ralf Strathmann

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Was ist das Aufregendste daran, die eigene Vision einer Platte in fremde Hände zu geben?

Mikko Sirén

Das Beste und auch Beängstigende ist, dass man sein Kunstwerk los lassen und jemand anderem einfach vertrauen muss. Aber Jacobs Einfluss und seine Art mit uns zusammen zu arbeiten, fordert immer 150 Prozent und puscht uns bis an das Äußerste aller Grenzen, was letztlich äußerst effektive Ergebnisse bringt! [Anmerkung. d. Redakteurs: Beim neuen Album saß Rammstein Produzent Jakob Hellner hinter den Reglern.]

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Seit Apocalypticas Debüt ist klar, Musik braucht nicht unbedingt Worte, um Leute zu ergreifen. Ihr habt keinen festen Sänger, arbeitet aber immer wieder mit welchen zusammen. Warum?

Mikko Sirén

Da haben wir einfach tierisches Glück, keine feste Stimme d.h., keinen Sänger wie in einer „normalen“ Band: zu haben. Deshalb können wir immer auswählen und beispielsweise Till Lindemann von Rammstein und Christina Scabbia von Lacuna Coil mit ihren unterschiedlichen musikalischen Charakteren problemlos auf einem Album vereinen. Musikalische Eigenständigkeit und Kreativität müssen dabei alle Partner mitbringen! Wir würden nie jemandem ein fertiges Lied vorsetzen wollen, wie einer Puppe an Bindfäden und sagen: „Sing das jetzt so und so!“ Darum geht es nicht.

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Also arbeitet ihr die Songs gemeinsam aus?

Mikko Sirén

Das ist ganz unterschiedlich. „SOS“ vom neuen Album war schon ein Instrumental, für das wir eine ausdrucksvolle, weibliche Stimme suchten. Nach einiger Zeit konnte es für dieses Lied nur Christina sein. Dasselbe galt für Till, der für uns „Helden“ eingesungen hat. Was alle diese Künstler gemein haben, ist, dass sie uns während dieser musikalischen Konversation etwas geben, das uns als Instrumentalisten ebenfalls etwas zurückgibt.

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Einer von elf Songs ist eben die deutsche Coverversion von David Bowies „Heroes.“ Warum gerade dieser Titel?

Mikko Sirén

In der Vergangenheit haben wir viel Metal gecovert Jetzt wollten wir weitergehen und haben die Herausforderung gesucht, Musik aus einem fremden Genre nach unseren Vorstellungen neu zu interpretieren. David Bowies Original ist für uns ein leichter, fröhlicher Popsong, deshalb waren wir zuerst abgeneigt. Bis Eicca eines Tages diese Idee für ein Arrangement einfiel, das diesen unglaublichen Twist zwischen Pop und Metal hatte, und wir den Song plötzlich aus einer völlig neuen Perspektive präsentieren konnten, die sich total vom Original unterscheidet. Das ist es, was wir immer erreichen wollen. Statt etwas einfach nur nachzuspielen, weil es gefällt, sollte man stattdessen versuchen, dem Original jedes Mal etwas Neues hinzuzufügen.

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Nach dem „Seemann“ - Cover war das schon die zweite Kollaboration mit Rammstein. Was gefällt euch so sehr an den Berlinern und ihrer Musik?

Mikko Sirén

Als Band haben sie absolut ihren individuellen Charakter und eine unverkennbare musikalische Identität. Nachdem wir Rammstein auf ihrer letzten Tour begleitet haben, haben wir die Jungs noch besser kennen gelernt und unser B- Seite - Remix von „Benzin“ war dann ein weiteres Ergebnis dieser Freundschaft. Nach einigem Hin und Her haben wir jetzt endlich die Chance nutzen können, etwas zusammen mit Till zu machen.

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Ihr habt generell viele deutsche Duettpartner gefeatured. Ist also eine besondere Verbundenheit zu Deutschland der Grund?

Mikko Sirén

Wir sind hier sehr viel getourt und hatten darum die Möglichkeit, mit all diesen großartigen Künstlern zu arbeiten. Solche Kollaborationen wird es natürlich auch zukünftig geben. Aus welchem Teil der Welt ein Gastmusiker kommt, ist für uns dabei allerdings nebensächlich. Was zählt ist die Abwechslung und eine starke, musikalische Identität.

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Kommen wir zum Schluss noch aufs Live spielen zu sprechen. In einem früheren Interview habt ihr mal gesagt: „ Wir sehen unsere Cellos als unsere Waffen, unsere Freundinnen, unsere Feinde.“ Was bedeutet das für eure Instrumente, Musik und Live – Performances?

Mikko Sirén

(lacht): Keine Ahnung, wer von uns das gesagt hat, aber es stimmt irgendwie! Unsere Instrumente sind unsere „Waffen“, um im positiven Sinne zu kämpfen. Fühlt sich jemand miserabel, weil gerade etwas in seinem Leben schief läuft, braucht er vielleicht gerade unsere Musik, um sich besser zu fühlen. Als Freundin musst du das Cello immer nett und aufmerksam behandeln…

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Und als Feind?

Mikko Sirén

An dem Punkt hat man bspw. ein Jahr zusammen im Studio verbracht, kann das Cello nicht mehr sehen, die Musik nicht mehr hören und die Band nur noch verfluchen. Das kommt vor. Lernt man, auch diese negativen Empfindungen ehrlich zu akzeptieren, kann man daraus ganz neue Dinge erschaffen. Unsere Musik ist ein Beispiel dafür.

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Weiter heißt es in demselben Interview: „Was auf der Bühne passiert; muss aus dem Ursprung der Musik heraus passieren und nicht wegen eines bestimmten Images. Alles sollte aus der Kraft der Performance heraus geschehen und nie aufgesetzt wirken.“ Im Oktober und November seid ihr wieder in Deutschland unterwegs. Worauf können sich Konzertbesucher, neben viel neuem Material, freuen?

Mikko Sirén

Was wir bei jedem Konzert versuchen, ist etwas Kraftvolles zu kreieren, das hundertprozentig von Herzen kommt. Da gibt es nichts Aufgesetztes oder Konstruiertes. Es wird eine neue Bühne, neues Equipment und Licht geben, um eine Welt irgendwo zwischen Rock und Theater zu erschaffen. Auf der Setlist werden acht bis zehn Songs stehen, die man so noch nie live gehört hat und vielleicht einer, den es bisher weder auf einem Album noch auf der Bühne gab.

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Also, können sich die Fans auf viele Neuerungen freuen?

Mikko Sirén

Genau. Bis Jahresende sind wir überwiegend weltweit unterwegs und sehr gespannt, auch wieder in Deutschland zu spielen, um zu sehen, wie den Fans die neuen Songs gefallen! Es wird Apocalyptica pur sein! Zwischendurch werden wir bestimmt Videos für neue Singles drehen oder die eine oder andere Anfrage für weitere Duette bekommen. Abwarten, man weiß nie, was passiert!


Wir danken Mikko für das Interview! Mit Mikko Sirén sprach Bernd Biermann für %__site.name%.

Lest außerdem die CD Kritik zum neuen Album „Worlds Collide" und gewinnt die erste Single „I’m not Jesus“ mit Corey Taylor (Slipknot/Stone Sour) 3 x im Gewinnspiel – Forum.


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