Buch zum Podcast "Beste Freundinnen"

Buchrezension: Max & Jakob „Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen“

Was kommt nach dem Kommen?

14.05.2019

Mit ihrem Podcast „Beste Freundinnen“ treffen Max und Jakob voll ins Schwarze. Im Dunkel des Aufnahmestudios lassen sie regelmäßig die Hosen herunter – (wahrscheinlich) wörtlich wie emotional. Sie packen alles aus zum Thema Sex und Beziehungen: vom schnellen „Bimsen“ über Seelenficker und Seelenverwandte bis hin zum großen Mysterium „Liebe“.

Podcast "Beste Freundinnen"
Das im Februar 2019 veröffentlichte Buch enthält kompakte Auszüge des Podcasts für alle, die sich ihre Dosis schonungslose Wahrheit lieber selbst einteilen. Im Miteinander aus Geschichten, Diskussionen, Fragen, Facts und Hörerbriefen lesen wir Gedanken, die teilweise bis ins Mark treffen. Da finden wir es nur fair, auch unsere Rezension direkt an die Jungs zu richten.

 

 

Lieber Max, lieber Jakob,

zugegeben, ich halte die meisten erwachsenen Männer derzeit für mehr oder weniger behaarte 16-Jährige, die wenig reflektiert durchs Leben gehen, sich aber alles so zurecht legen, dass es schon passt – für sie selbst, zumindest. Ich habe es euch also nicht zugetraut, mich zu „knacken“. Im emotionalen Sinne!!! Für sexuelle Anspielungen ist es eindeutig noch zu früh. Euren Podcast gehört hatte ich vorher noch nicht, so konnte ich also „so objektiv wie möglich“ an die Sache herangehen.

 

Sahne

Euer Buch besteht aus drei Teilen. Der erste Teil rund um den ersten Eindruck, das Kennenlernen und, naja, das Bimsen, schien mich in meinem Denken zu bestätigen: „Na klar, das ist ein Buch wo zwei Typen diskutieren, was jetzt alles geil ist an so einer Frau und wie man sie am schnellsten rumkriegt!“ Och nee, danke. Eure gegenseitigen Diss (und dass ich das Buch rezensieren sollte) ließen mich jedoch weiter von Seite zu Seite schweifen. Zumindest waren es immer recht kurze Kapitel. Meine Aufmerksamkeit war geweckt, als ich bei Jakobs erstem Mal angelangt war. Das war so schön metaphorisch, lebendig und ehrlich beschrieben, dass der Sprachnerd in mir auch gleich ein bisschen feuchte Augen bekam.

Als Max dann beim Pionier der Oberflächlichkeit, nämlich dem Thema One-Night-Stands, aber plötzlich das Wort ergriff, als es um Augenkontakt währenddessen ging, verstand ich allmählich, warum euer Podcast einer der erfolgreichsten Deutschlands sein könnte: „Wenn ich mich dann doch mal getraut habe, einer Frau länger in die Augen zu sehen, habe ich mich immer ,erwischt’ gefühlt. In ihren Augen spiegelte sich dann die emotionale Leere, die ich selbst empfand. [...] sorgte dafür, dass ich aus dem Moment der Geilheit gerissen wurde und mich fragen musste, was ich hier tat. Das Blut wanderte von meinem Schwanz in mein Herz.“ Okay. Das kam unerwartet.

 

Seele

Durch das ganze Buch ziehen sich Fragen und Fakten zu verschiedenen Themen als Auflockerung. Die braucht man vor allem Richtung Ende, wo die Hörerbriefe doch das eine oder andere Mal kurz stocken lassen. Im zweiten Teil rund um die Seele –und was man mit ihr so alles anstellen kann – finden wir z.B. „Elf Fragen eines Seelenfickers“ oder „Fünf Unterschiede zwischen Seelenverwandten und Seelenfickern“. Ich konnte euch ehrlich gesagt zwei Drittel des Buches nicht auseinanderhalten – wer war jetzt der mit dem Spießerleben und wer war der Ex-Casanova –, aber das war auch nicht schlimm, weil ihr euch beide gleichermaßen hin und wieder äußerst arschig gegeben und dann wieder die tollsten Gedanken ausgepackt habt. Männer sind nicht minder kompliziert!

 

Suche

Nach dem für mich zähen ersten Teil habe ich euer Buch dann doch an einem Nachmittag aufgesogen. Spätestens der dritte Teil über das schwarze Loch namens „Beziehungen“ lässt sich jetzt hier mitnichten in ein paar Sätzen abhandeln. Am Ende bleiben Fragen nach dem Kern einer Seelenverwandtschaft, nach den Formen der Liebe, nach einem wo-auch-immer-Ankommen. Und sie bleiben, weil die Antworten nur jeder für sich selbst finden kann.

Ich wurde von Männern und Frauen gleichermaßen gebeten, ihnen doch zu sagen, was am Ende „rausgekommen“ sei. Als wäre euer Buch ein Ratgeber mit DEM Ergebnis für ein glückliches Leben und Lieben. Nein. Aber was kann ich sagen? Suche dich nicht in jemand anderem. Finde dich selbst, dann finde jemand anderen. Sei dein eigener Anker, aber sei bereit, ihn in Bewegung zu setzen, wenn ein Mensch in dein Leben tritt, der es wert sein könnte. Klingt banal, aber damit haben wir alle noch genug zu tun. Auch wenn sicher viele Frauen das Buch wollen oder beginnen den Podcast hören, um Männer zu verstehen, lege ich es sogar mehr dem „starken“ Geschlecht ans Herz und in die Hände.

 

Zum Ende kommen

Lieber Max, lieber Jakob, ich bin froh, euer Buch gelesen zu haben. Manchmal machen Männer ja doch etwas richtig. Zufällig. Ihr habt mir, vorerst jedenfalls, ein Stück meiner Männerwut genommen. Den Psychologen für eure Hörer ersetzt ihr sicher nicht, aber es geht ja auch nicht um eine korrekte Diagnose, sondern darum, in Dialog zu treten, sich ein wenig unter die Oberflächenkruste zu graben und unsere Bedürfnisse und Ängste zu teilen.

Enden lassen möchte ich euch selbst mit einem Zitat von Jakob aus dem Buch, bei dem spätestens alle Männer- sowie Frauenherzen zu flattern beginnen – und wenn nicht, dann schreibt mal besser einen Brief an Max und Jakob.

„ Auf mir schläft meine kleine Tochter. Sie ist jetzt eine Woche alt. Ihr Atem geht doppelt so schnell wie meiner. Sie ist die Hi-Hat und ich die Snare. Zusammen schlagen wir den Takt des Lebens. Ein Gefühl, dem keine Beschreibung gerecht wird. Alles ist perfekt. Ich döse ein.“

 

Max & Jakob „Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen | Was Männer über Beziehung, Sex und Liebe denken“

PENGUIN Verlag Taschenbuch & Paperback

ISBN: 978-3-328-10387-5 | Taschenbuch, 352 Seiten | 10€

 

Noch ein paar Lieblingszitate

 

„Die erste Stellung: Doggystyle. Auch hier entschied die Hausherrin. Mein kleiner Reichstag näherte sich nun der Wunderhöhle, die in vielen Filmen meines Kopfkinos die Hauptrolle gespielt hatte. Doch nun war es eher, als ob der Weiße Hai auf ein kleines, im Ozean treibendes Schlauchboot zuschwimmt. Sex erschien mir auf einmal so brutal. Eine kleine Höhle, die sonst gerade mal ein o.b. Mini in sich aufnimmt, soll nun den Hai schlucken?

Das Köpfchen dockte an der Flussmündung an, zum Glück hatte das Vorspiel keine Dürreperiode verursacht. Der Lachs beugte noch einmal missmutig den Kopf nach links, dann nach rechts, bevor er sich flussaufwärts kämpfte. Ich hatte mich wohl überschätzt in meinem Größenwahn.“ (Jakob zum Thema: Mein erstes Mal, S. 36)

 

„Ein Mann, der es aushält, einer Frau beim Bimsen direkt in die Seele zu leuchten, bimst beides: Körper und Seele.“ (Jakob zum Thema: ONS, S. 64)

 

„Die Liebe folgt ihrem eigenen Tempo. ,Ich liebe dich’ sollte man frühestens nach dem ersten Date sagen. Spätestens am Grab.“ (zum Thema: Wann sollte man Ich liebe dich sagen?, S. 87)

 

„Ich glaubte und glaube ein Stück weit noch immer, dass in meinem Leben etwas kommen wird, das mir hilft anzukommen und mein Glück zu finden, nämlich die eine Frau. Vielleicht gibt es sie ebenso wenig wie Gott, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.“ (Jakob zum Thema: Der Kompass zum Ankommen, S. 119)

 

„Wenn ich mich hier so reden höre, kommt mir ein bisschen Kotze hoch. Ich erinnere mich selbst an einen Rosamunde-Pilcher-Roman.“ (Max zum Thema: Seelenverwandt, S. 130)

 

„Als ich noch keine langjährige Beziehung hatte, habe ich auch immer gedacht, dass ich ein total verkuschelter Typ sein. Ich war, so dachte ich, eine Tropenpflanze in der Wüste der körperlichen Distanz. Heute weiß ich, dass ich ein Kaktus bin.“ (Max zum Thema Nähe, S. 233)

 

„Wenn du dein inneres und äußeres Bild mehr zusammenbringst, lernst, deine Schattenseiten anzuerkennen, wird sich die Abhängigkeit von der äußeren Bestätigung immer mehr auflösen.“ (Max zum Thema: Wenn der Schein trügt, S. 251)



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Kommentare
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    • Styla geschrieben am

      Must have! {#emotions_dlg.kuss.gif}

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