Abriss-Alarm in Leipzig-Plagwitz: Stirbt hier ein legendärer Lost Place?

Ein breites Bündnis aus Leipziger Vereinen kämpft aktuell gegen den drohenden Abriss eines der bekanntesten verlassenen Industriedenkmäler im Leipziger Westen.

Maschinenfabrik Philipp Swiderski
© Stefanie Schmitz
Noch sieht die Maschinenfabrik Philipp Swiderski unberührt aus

Hinter den Mauern der alten Maschinenfabrik Philipp Swiderski atmet Leipzig pure Industriegeschichte. Doch nun droht dem denkmalgeschützten Backstein-Ensemble im Westen der Stadt der endgültige Abbruch.

Lost Place Leipzig: Die Geschichte der Maschinenfabrik Philipp Swiderski

Die Wurzeln des Standorts reichen tief in das Leipziger Industriezeitalter zurück. Im Jahr 1888 nach Plagwitz verlagert, wurden in den Hallen jahrzehntelang Maschinen für das florierende grafische Gewerbe und den Buchdruck hergestellt. Auch zu DDR-Zeiten blieb der Komplex als VEB Bogenanlegerwerk ein aktiver Produktionsort, bevor die Wiedervereinigung das abrupte Aus brachte. Seit den 1990er Jahren ruht die Arbeit, wodurch das Areal zu einem der fotogensten verlassenen Orte der Stadt wurde.

Industriedenkmal in Gefahr: Verfall an der Zschocherschen Straße

Maschinenfabrik Leipzig
© Stefanie Schmitz
Lost Place oder Spekulationsobjekt?
Was passiert nun mit der historischen Maschinenfabrik Philipp Swiderski

Heute befindet sich das historische Fabrikensemble an der viel befahrenen Kreuzung von Zschocherscher und Markranstädter Straße. Obwohl der gesamte Backsteinkomplex als eingetragenes Kulturdenkmal unter offiziellem Schutz steht, ist die Bausubstanz nach über drei Jahrzehnten Leerstand akut vom Verfall gezeichnet. Da notwendige Sicherungsmaßnahmen über Jahre ausblieben, droht dem geschichtsträchtigen Unikat nun der endgültige Abriss durch die Eigentümergesellschaft.

Kommerz statt Kultur: Warum der alten Fabrik der Abriss droht

Bauarbeiter von hinten vor Gerüst
© Heri Susilo/Unsplash
Wie wird es weitergehen, droht der Abriss?

Weil Pläne der Besitzer für ein großes Einkaufszentrum am geltenden Bebauungsplan scheitern, erwägen diese nun den vollständigen Abbruch, um eine leere, vermeintlich wertvollere Grundstücksfläche zu schaffen. Lokale Aktivisten und die Leipziger Denkmalstiftung halten entschieden dagegen. Es gibt längst tragfähige, alternative Konzepte, die von einer nachhaltigen Mischung aus Wohnen, Kultur, kreativen Büros und kleinteiligem Gewerbe auf dem Areal erzählen.

Urbane Erkundung und Denkmalschutz: Warum Leipzig diese Orte braucht

Der heftige Protest zeigt, dass Orte wie die Swiderski-Fabrik eine enorme Bedeutung als Identitätsstifter für ganze Stadtteile haben. Dass der Leipziger Westen heute so lebendig und attraktiv wirkt, liegt maßgeblich an den erhaltenen Industriebauten, die Raum für Neues bieten, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen. Zudem schont der Erhalt bestehender Gebäude wertvolle Ressourcen – ein Abriss wäre daher auch ein städtebaulicher Rückschritt. Es gibt aber auch schöne Nachrichten rund um Leipzig. Wo ihr im Sommer auf den Straßenfesten der Stadt feiern könnt, erfahrt ihr hier.

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