Filmrezension: “Contra”

Nach langer Zeit wollten wir uns endlich mal wieder in die Sessel fallen lassen, beherzt in den Popcorn-Eimer greifen und genüßlich Kinoluft schnuppern. Deshalb waren wir bei der Preview des Kinofilms „Contra“ dabei und erzählen euch, wie es war ...

© 2021 Constantin Film Verleih GmbH

Angekommen in den Leipziger Passage Kinos schlägt uns direkt der typische Kinoduft in die Nase und ein fast vergessenes Gefühl macht sich in uns breit – die Vorfreude auf das Genießen eines frisch abgedrehten Films bei Cola und Popcorn vor der großen Leinwand. Wobei es sich hierbei um eine nicht ganz so neue Produktion handelt. Denn die deutsche Filmkomödie „Contra“ von Sönke Wortmann war bereits im letzten Jahr auf der Filmkunstmesse in Leipzig zu sehen. Die Dreharbeiten endeten sogar schon im Sommer 2019. Doch, wie in so vielen Dingen, machte auch hier die Pandemie einen Strich durch die Rechnung.

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Schafft Naima (Nilam Farooq, 2.v.l.) den Spagat zwischen den Welten?

Der Film handelt von Naima (Nilam Farooq), einer jungen Muslima aus Frankfurt, die sich entschließt, endlich ihren Traum des Jurastudiums zu erfüllen. Als sie jedoch direkt zur ersten Vorlesung verspätet in den Hörsaal platzt, bekommt sie von ihrem Professor Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) mehrere rassistische Bemerkungen an den Kopf geworfen. Um wegen dieses Verhaltens nicht in ein Disziplinarverfahren zu geraten, trägt ihm der Präsident (Ernst Stölzner) der Universität Frankfurt auf, die junge Studentin auf den bevorstehenden Debattierwettbewerb vorzubereiten und damit angebliches Engagement vorzugeben. Doch von Einsicht keine Spur!

Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq schaffen es in “Contra”, das gesellschaftliche Problem Rassismus aufzugreifen und in einen aktuellen Kontext zu setzen. Besonders auffällig sind der Humor, die Wortwahl und die Musik, die dem ernstzunehmendem Thema viel Lockerheit verleihen und damit besonders das junge Publikum ansprechen. 

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Herbst, welcher, wie auch schon in vergangenen Produktionen, auf sympathische Art den unfreundlichen Bürger spielt, verkörpert die zynische und unsympathische Figur des Professors Richard Pohl. Der Professor ist ein herzloser, egoistischer und fremdenfeindlicher deutscher Mann in seinen 50ern. Mit seiner herablassenden, hasserfüllten Art und dem ständigen Äußern pseudosarkastischer Bemerkungen macht er sich nicht nur bei der Leitung der Uni und den Studierenden unbeliebt, sondern auch beim Publikum. Dass nicht nur die kluge, selbstbewusste Studentin Probleme in der Familie hat, sondern auch Professor Pohl, wird bald klar. Denn Naima erfährt, dass sowohl die Tochter als auch die Frau des Juristen bei einem Unfall verstarben. Mit zunehmendem Verständnis für den anderen wird auch das Verhältnis der beiden Hauptfiguren besser. Auch das Thema Liebe kommt im Film nicht zu kurz, als Naima einem alten Kindergartenfreund ihre Liebe gesteht. Als auch die Debattierwettbewerbe, bei denen sich Naima anfangs sehr schwer tut, immer besser laufen, scheint ein Happy End in Sicht. Als sie jedoch kurz vor dem Finale erfährt, dass Professor Pol sie nur benutzt hat, um seinen Job zu behalten, ist sie extrem enttäuscht und reagiert verletzt. 

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Mo (Hassan Akkouch, l.) unterstützt seine Freundin Naima (Nilam Farooq, r.).

Die humorvoll umgesetzte und bewegende Story hat, wie einige andere deutsche Komödien, ihren Ursprung in der französischen Filmindustrie. Denn „Contra“ basiert auf dem französischen Spielfilm „Die brillante Mademoiselle Neïla“ („Le brio“). Auf der Leipziger Filmkunstmesse 2020 konnte “Contra” überzeugen und räumte den Filmkunstpreis ab. Nilam Farooq ergatterte außerdem den Bayrischen Filmpreis in der Kategorie „beste Darstellerin“.

Wer Lust auf etwas Gesellschaftskritik, gemischt mit Humor, typisch deutscher Komödie und einer Brise Lovestory hat, sitzt im Kinosaal des Films „Contra“, welcher am 28. Oktober 2021 in die deutschen Kinos kommt, also genau richtig.