Do you wanna jam? Leipziger Bands im Fokus: Electric Turtles

Electric Turtles – zwei Musiker, die voran preschen. In nicht einmal zwei Jahren nach ihrer Gründung haben sie bereits ganze vier EPs veröffentlicht. Wir haben die beiden Leipziger getroffen und sie zu ihrer Geschichte sowie aktuellen Plänen für die Zukunft befragt. 

 

© Ronny Wenzel

Wir treffen die beiden jungen Musiker Arik (links) und Chris (rechts) in einer kleinen Bar nahe der Karl-Heine-Straße. Das sympathisch-dynamische Rockduo kommt ursprünglich aus San Francisco und Dresden, nun aber haben sie in Leipzig eine neue Heimat gefunden. Nach dem der Amerikaner Arik eine Weile als Straßenmusiker durch Europa reiste und couchsurfte, landete er schließlich in Leipzig. Hier lernte er seinen Bandkollegen Chris und auch seine Frau kennen. „Also, ich komme ja aus San Francisco und jeder glaubt immer, das Leben dort ist wirklich toll, aber für mich war es das nicht. Hier ist es einfach viel besser. Es ist viel schöner für mich, hier zu leben.“ entgegnet uns Arik auf die Frage, ob er es in Amerika nicht mehr ausgehalten habe. Den ersten Kontakt hatten die beiden aber tatsächlich über Facebook. Der Gitarrist Arik suchte damals online nach einem Drummer und einem Bassisten, um ein Trio auf die Beine zu stellen. Darauf meldete sich Chris unter einem Pseudonym „Albrecht Winter“ und schickte Arik ein wenig Material seiner anderen Band. Leider verzögerte sich das erstmalige Zusammentreffen dann doch noch um ein paar Monate, da Chris noch mitten in den Prüfungen steckte.

Bandgründungsritual in der Ostsee mit Glühwein

Nach einiger Zeit sendete Chris dann erneut eine Nachricht: „Hey! Do you wanna jam?“. Anfangs wusste Arik nicht so recht was er mit dieser Nachricht anfangen sollte, denn Chris sendete die Mail nicht unter seinem Pseudonym, sondern unter seinem bürgerlichen Namen. Dann aber klickte es bei Arik und man traf sich zum Essen und anschließender Jam-Session. Im Winter 2016 folgte eine gemeinsame Reise an die Ostsee. Hier wurde beiden klar, dass sie von nun an einen gemeinsamen Weg gehen wollen. Chris sagt hierzu: „Ich glaube, das Bandgründungsritual war, als wir bei 4 Grad in die Ostsee gegangen sind. Wir haben uns einen Glühwein geschnappt und sind einfach ins Wasser. In der Ostsee haben wir auch die Bandregeln geschrieben. Da stehen so Sachen drin wie: We must play in Outerspace. All money goes to the band. No Drugs.

Nun sind gut eineinhalb Jahre vergangen und die beiden Musiker können schon auf vier veröffentlichte EPs, eine Israel-Tour, erste Festivalshows und die Teilnahme am Emergenza Wettbewerb zurückblicken. Bei letzterem haben sie es bis in das Sachsen-Thüringen-Finale geschafft. Und schon einen Monat nach der Teilnahme am Emergenza nahm das Dresdner Indie-Label „Undressed Records“ die noch junge Band unter Vertrag. Auf der anschließenden Israel-Tour, bei der Chris zeitweise versuchte, hebräisch zu imitieren, wurde dann auch so etwas wie ein Motto der Band geboren – Jalla Boktan. Es heißt so viel wie: Etwas jetzt anpacken/durchziehen.

Garage Rock meets Funk – Die Geburt des Sex Rocks

Musikalisch bezieht das Duo seine Inspiration aus Strömungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Chris brennt für Garage Rock à la Black Keys und Arik ist ein Enthusiast des Funk und Hip Hop. Zusammen verschmelzen ihre gesammelten Einflüsse zu einem neuen Genre – sie nennen es: Sex Rock. Arik beschreibt die Musik der Electric Turtles wie folgt: „Das ist das Gefühl was ich habe, wenn ich Rockmusik spiele. Es ist nicht unbedingt dasselbe Gefühl, aber es ist eine wirkliche ähnliche Emotion.“ Des Weiteren führt er aus: „Wenn Leute zu unserer Show kommen, dann möchte ich einfach, dass sie eine verdammt gute Party erleben. Vielleicht ziehen sie dabei ihre Hosen aus, vielleicht ziehe auch ich meine Hose aus. Die Leute sollen zur Show kommen und machen, was auch immer sie machen möchten – dabei aber niemandem wehtun.“  Für das Jahr 2018 steht für die Newcomer so einiges auf der Agenda. Neben kleineren Auftritten in Deutschland spielen sie auch auf dem Menashe Forest Festival in Israel. Sie werden aber auch den August und September hindurch an der Westküste Amerikas touren und im Herbst erscheint dann ihr erstes Debütalbum bei „Undressed Records“.