Kunstmarkt mit Fynn Kliemann „Die Tage der elitären Gatekeeper sind gezählt“

Fynn Kliemann ist YouTuber, Musiker, Modelabel-Gründer und Betreiber vom „Kliemannsland“, einer Kreativschmiede irgendwo in der nieder­sächsischen Provinz. Seit Neuestem malt Kliemann auch. Im Interview verrät der 33-Jährige, was ihn dabei antreibt und warum es ihn bald nach Leipzig verschlagen wird.

Fynn Kliemann stellt auf dem Studenten-Kunstmarkt in Leipzig aus.

Vor etwa einem Jahr kommt Kliemann auf die Idee zu malen. Auf Instagram verkündet er, dass er 200 Bilder malen wolle, um seinen eigenen Stil zu finden. Acht Monate später platzt seine Garage, Lager- und Schaffensort, aus allen Nähten: „Mittlerweile wird es sehr, sehr knapp. Ich bin auch schon wieder in zwei Gemälde reingetreten“, meint Kliemann bei unserem Zoom-Interview. So langsam habe er aber das Gefühl, dass sich etwas entwickeln würde, ein eigener Stil oder Ausdruck.

Blick in die Garage

„Bei mir ist das immer komplett Amok, mit Dosenbier und lautem Rap, dazu rauche ich wie ein Schlot“, beschreibt er seine Arbeitsweise. Auf Instagram kann man diesen Schaffensprozess nachverfolgen, Kliemann geht beherzt mit seinem Arbeitsmaterial um, mitunter kommt sogar der Laubbläser zum Einsatz, um die Farbe zu verwischen. Während der Arbeitsprozess häufig ja eher ohne Öffentlichkeit im Atelier stattfindet, nimmt Kliemann die Leute mit in seine Garage. Das sei manchmal aber auch merkwürdig, denn „man zeigt halt die ganze Zeit unfertiges Zeug. Bei manchen Bildern gehe ich dann noch 20-mal ran und verändere Sachen.“

Es scheint genau diese Freiheit zu sein, die Kliemann beim Malen genießt. „Die meisten Sachen sind immer so ein krasser Krampf und ich habe voll Angst vor dem Ergebnis“, gesteht er. „Beim Malen ist das anders, da ist das ein tolles Gefühl, wenn etwas fertig wird.“ Seinen Zugang zur Kunstwelt hat Kliemann unter anderem über den US-amerikanischen Künstler Jean-Michel Basquiat gefunden. Es habe ihn sehr fasziniert zu sehen, dass Kunst nicht immer perfektionistisch und geradlinig sein müsse: „Ich mag das Wilde, wenn das Gemälde danach so aussieht, als wenn jemand seine Emotionen eingefroren hat.“

Kunstwelt im Wandel

Kliemann hat das Gefühl, dass sich das Kunstbusiness gerade in einem großen Wandel befindet. Um die eigene Kunst zu zeigen, müssen Künstler:innen nicht länger eine ellenlange Liste an Connections oder Ausstellungsorten vorweisen können. Die eigene Kunst kann dank Internet und Social Media trotzdem eine breite Öffentlichkeit erreichen. „Die Tage dieser elitären Gatekeeper sind gezählt“, findet er. „Meine Aufgabe kann es sein, das den Leuten auch zu zeigen.“

Über Instagram ist Kliemann auf den Studierenden-Kunstmarkt in Leipzig gestoßen. Auf der Homepage des Kunstmarkts können sich Kunststudierende anmelden und ihre Werke zum Verkauf anbieten. „Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man sich nicht Plakate und Poster von IKEA kauft, sondern in echte Unikate investiert“, erzählt der Gründer Erich Reich im Gespräch. Reich hat den Kunstmarkt vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Mittlerweile laden auch Galerien die vertretenen Künstler:innen ein. Ähnlich wie Kliemann geht es Reich darum, etablierte Strukturen zu hinterfragen. Der Kunstmarkt soll außerdem einen Zugang schaffen für Leute, die bisher keine Berührung mit der Kunstwelt hatten.

© Studenten-Kunstmarkt

Erste Schritte

Vom 16. bis 19. September 2021 veranstaltet der Studenten-Kunstmarkt eine erste Ausstellung in den Pittlerwerken im Leipziger Stadtteil Wahren. Es werden die Werke von zehn verschiedenen Künstler:innen gezeigt, außerdem können diese exklusiv während der Ausstellung erworben werden. Fynn Kliemann ist bei der Vernissage am Donnerstag, den 16. September, ab 18:30 Uhr dabei und wird ebenfalls ausstellen. „Man braucht auf jeden Fall Mut“, meint er. „Mut, Leute anzuschreiben, eine Arbeit anzufangen und fertigzustellen. Und vor allem auch den Mut, sich in diesen Kreis hereinzubewegen.“ Die Ausstellung des Studierenden-Kunstmarkts ist dafür sicher eine geeignete erste Anlaufstelle.

Weitere Informationen zum Kunstmarkt und zur anstehen­den Ausstellung findet ihr unter: www.studenten-kunstmarkt.de | Instagram: @studenten_kunstmarkt