Von Grenzen und Austausch Distant Divides – Zwischen Libanon und Deutschland

Was verbindet den Libanon und Deutschland? Dieser Frage widmet sich die neue Ausstellung “Distant Divides – Zwischen Libanon und Deutschland” in der Halle 14. Passend zum Frühjahrsrundgang der Spinnerei-Galerien öffnet die internationale Gruppenausstellung bereits morgen, Samstag, den 30. April um 15 Uhr, ihre Türen für interessierte Besucher:innen. Es geht um Grenzen und Distanz – genauso wie um Nähe und künstlerischen Austausch.

© Nele Rebmann
Beeindruckend: Fotos von Mahmoud Dabdoub

Dialog versus Teilung

Der Libanon und Deutschland teilen die Geschichte einer inneren Teilung. So war nicht nur Berlin mehr als 40 Jahre in zwei ideologisch verschiedene Abschnitte gegliedert, auch in der libanesischen Hauptstadt Beirut trennte die Grüne Linie im Bürgerkrieg muslimische und christliche Gemeinschaften voneinander. Das ist jedoch nicht die einzige Gemeinsamkeit: Beide Länder hatten und haben eine enorme künstlerische Gestaltungskraft inne. Umso besser, wenn daraus ein intensiver künstlerischer Dialog wird und sich über Jahrzehnte weiterentwickelt. 

Ein Ergebnis dieses kulturellen und künstlerischen Austausches lässt sich nun vom 30. April bis zum 28. August in der Ausstellung “Distant Divides – Zwischen Libanon und Deutschland” begutachten. Besucher:innen erwarten fünfzehn Werke von insgesamt siebzehn Künstler:innen wie der Schriftstellerin Etel Adnan, A.R. Penck oder der Fotografin Paola Yacoub. Ob Fotografie, Videoprojekt oder (Sound-)Installation – die Exposition bringt sehenswerte Kunst verschiedenster Generationen in die lichtdurchfluteten Räume der Halle 14. Kuratiert wurde die Ausstellung von Clementine Butler-Gallie.

© Nele Rebmann
Distant Divides: 17 Kunstwerke / 17 Künstler:innen

Highlights in der Halle 14

Herzstück der neuen Ausstellung ist der Raum mit den schwarz-weiß Fotografien von Mahmoud Dabdoub. Der im Libanon geborene Fotograf hat in den 80er Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert und ist seitdem in Leipzig geblieben. Seine Werke zeigen Momente aus dem Libanon, Deutschland und Palästina. Sie fungieren wie ein Spiegel seines Lebens und bestechen durch enorme emotionale Ausdruckskraft. Über 50 Fotografien sind ausgestellt, gemeinsam mit persönlichen Gegenständen Dabdoubs. 

Weitere Highlights der Exposition sind die riesige Metallkonstruktion “Vier Herzkammern” und die multidisziplinäre Arbeit “Flight Mode” (dt.: Flugmodus). In beiden Installationen geht es um Trennungen. Denn während die Geschwister Hiba Alansari und Mahmoud Alansari zwar zusammen, aber räumlich getrennt an der über vier Meter großen Konstruktion “Vier Herzkammern” arbeiteten, beschäftigen sich Elisabeth Liselotte Kraus und Nour Sokhon in “Flight Mode” mit dem sich verändernden Zugehörigbewusstsein, wenn man gezwungen ist zu fliehen. Ihre Erkenntnis: Auch der “Flight Mode” ist ein Privileg. Denn für geflüchtete Personen, getrennt von Familie und Freund:innen, ist das schlichte Umschalten in den Flugmodus unmöglich. 

© Nele Rebmann
“Flight Mode”: Installation von Elisabeth Liselotte Kraus & Nour Sokhon

Zum Eröffnungswochenende finden in der Ausstellung “Distand Divides – Zwischen Libanon und Deutschland” auch einige Performances statt:

➤ 99 AND ONE | Skulptur-Performance von Mohamad Kanaan (Künstler, Beirut) | 30.04.2022 um 15:30 Uhr 

➤ BEIRUT – BERLIN – BIRDS | Klangperformance von Yara Mekawei (Künstlerin, Kairo) und Nour Sokhon (Künstlerin, Beirut/Berlin) | 30.04.2022 um 16 Uhr 

➤ VIER HERZKAMMERN | Performance von Hiba Alansari (Künstlerin, Berlin) | 01.05.2022 um 14 Uhr 

Leipziger Baumwollspinnerei – Spinnereistraße 7 | Di bis So 11 – 18 Uhr
www.halle14.org | Instagram: @halle_14