Die eingefrorene Stadt Foto-Kunstkalender „Fantastisches Leipzig“

 Leipzig ist aktuell eine der gefragtesten deutschen Großstädte, überall schießen Neubauten wie Pilze aus dem Boden.Dabei besteht die Gefahr, dass der eigentliche Charakter des Stadtbilds immer mehr verloren geht. Genau aus diesem Grund hat die Fotografin Angela Liebich das Fotokunst-Projekt „Fantastisches Leipzig” ins Leben gerufen. Am Telefon erzählt sie uns mehr über das Projekt und die damit verbundene Spurensuche.

 

© Edition Liebich

„Ich stelle immer wieder fest, dass wir in dieser schnelllebigen Zeit gar nicht mehr wahrnehmen, was uns in Leipzig umgibt an architektonischer Schönheit und an Details”, meint die selbstständige Fotografin. „Mit meinen Aufnahmen erreiche ich einen emotionalen Zugang, den man sonst vielleicht nicht bekommen würde.”

Liebich hält seit mittlerweile fünf Jahren die besonderen Orte von Leipzig mit ihrer Kamera fest. Ihre Bilder sind surreale Inszenierungen, die durch Gründerzeit, Jugendstil-Epoche und Industrie-Architektur führen. Detailverliebte Deckenmalerei ist hier zu sehen, aber auch die pragmatischen Fabrikanlagen der vergangenen Jahrzehnte. Bevölkert werden Liebichs Bilder von Personen in zum Ort passenden Kostümen, fast so, als hätte man die Zeit eingefroren.

„Bis jetzt haben alle Leute sofort zugesagt“

„Ich brauche immer einen ganz bestimmten Typus Mensch für meine Bilder. Häufig sind das Menschen, die mir auf der Straße begegnen und die ich dann anspreche und frage, ob sie Teil des Projekts sein wollen. Bis jetzt haben auch alle Leute sofort zugesagt”, verrät uns Liebich. Manchmal kooperiert die Künstlerin zusätzlich mit professionellen Tänzer*innen und Schauspieler*innen.  

© Edition Liebich

Jedes Jahr werden die Bilder im Fotokunst-Kalender „Fantastisches Leipzig” gesammelt und in Eigenregie vertrieben. Liebich arbeitet dafür mit einem Team aus Freund*innen, Maskenbildner*innen, Grafiker*innen und Textautor*innen zusammen, denn „es steckt unglaublich viel Arbeit in dem Projekt, das könnte ich alleine gar nicht stemmen.”

Neben den aufwändig inszenierten Bildern informiert ein Text auf der Rückseite jedes Kalenderblatts über die Geschichte des abgebildeten Ortes. Zusammen mit dem Stadtgeschichtlichen Museum trägt Liebichs Kollegin Hanne Bahra dieses Wissen zusammen und übersetzt die Texte außerdem noch ins Englische.

Durch den Kalenderverkauf ist ein Fortführen des Foto-Projekts überhaupt erst möglich, denn Liebich bekommt keine finanzielle Unterstützung und muss sämtliche Kosten, von der Produktion bis zum Kalenderdruck, alleine stemmen. „Ich versuche jedes Jahr aufs Neue, Leipzig in seiner Vielfalt in dem Kalender widerzuspiegeln. Und die Resonanz zu dem Projekt ist immer wieder überwältigend”, meint Angela Liebich.

 Ihr könntet die Nächsten sein

Den Kalender für 2021 gibt es seit Ende September zu kaufen. Vermutlich ist die Fotografin also bereits wieder auf Spurensuche, nach neuen Motiven, versteckten Orten und Leuten, die ihre Bilder bewohnen werden.

Der aktuelle Fotokalender kann für 34,90 unter www.edition-liebich.com bestellt oder noch bis zum 23.12. im Specks Hof gekauft werden.