Leipzigs Geschichte: Galopprennbahn Scheibenholz Auf die Plätze, fertig, los!

Frauen, die in flatternden Kleidern, mit großen Hüten auf dem Kopf und in hohen Schuhen über die Wiese flanieren – das klingt nach längst vergangenen Zeiten, lässt sich aber genauso während der Pferderennsaison auf der Galopprennbahn Scheibenholz beobachten. Und damit, herzlich willkommen zu Episode 3 unserer Reihe zu Leipzigs Geschichte.

Heutzutage zieht die Rennbahn jährlich Zehntausende Besucher:innen an, meist werden im Jahr vier Renntage veranstaltet, darunter auch der regel­mäßig am 1. Mai stattfindende traditionelle Aufgalopp. Bis in die 1990er-Jahre hinein fanden jährlich bis zu 30 Renntage statt. Die Atmosphäre auf der Galopprenn­bahn während eines Renntages ist voller Spannung, Staunen und Staub – Leute wetten auf ihre Favoriten, bewundern im Bahninneren die Pferde oder schauen gebannt von der Tribüne aus zu. Im Hintergrund hört man das Donnern der Hufe. Aufgrund der Architektur wird die Galopprennbahn Scheibenholz oft mit der Pariser Derbybahn in Chantilly verglichen.

Der Leipziger Rennklub wurde im Jahr 1863 gegründet und ist nach Berlin, Düsseldorf und Hamburg der viertälteste in Deutschland. Noch im selben Jahr fand das erste Pferderennen in Leipzig statt. Doch noch nicht auf der heutigen Rennbahn, sondern auf einem Grundstück zwischen Lindenau und Schönau, genannt das Postgut, welches Karl Heine gehörte.

Von damals …

Da sich das Gelände aber etwas zu weit vom Stadtkern entfernt befand, wurde der Ort vier Jahre später auf Schimmels Wiese verlegt und innerhalb kürzester Zeit vom Rennklub umgebaut. Die Bahn war damals 1.550 Meter lang, also noch 200 Meterkürzer als heute. Da sich die Galopprennbahn größter Beliebtheit erfreute, musste mehr Platz für die Zuschauer:innen her. In den Jahren 1906/07 kam endlich die neue Tribüne hinzu, erbaut vom Leipziger Architekt Otto Paul Burghardt. Sie bietet Platz für 850 Besucher:innen und wartet mit vier Logen auf. Die Tribüne ist heute denkmalgeschützt und prägt mit den zwei Türmen das Leipziger Stadtbild. Außerdem wurde ein Restaurant mit 250 Plätzen eröffnet. 

Über die Jahre veränderte sich auch die Galopp­rennbahn selbst immer weiter – ebenfalls im Jahr 1907 wurde eine Jagdbahn errichtet, mit 16 festen Sprüngen. Von 1921 bis 1931 wurde der Innenraum weiter ausgebaut und es entstand ein Jagdkurs. Im Jahr 1932 wurde die Bahn auf die heutige Länge ausgebaut. Während des 2. Weltkrieges wurde auch die Rennbahn nicht verschont und im Jahr 1944 stark zerbombt. Die Lust der Leipziger:innen nach Unterhaltung war allerdings so groß, dass bereits im August 1945 das erste Nachkriegsrennen stattfand.

 … bis heute

2004 meldete der Leipziger Rennklub den Bank­rott und kündigte damit das Ende der Pferderennenin Leipzig an. Nur ein Jahr später nahm der neu gegründete Leipziger Renn- und Reitverein Scheibenholz e. V. den Betrieb wieder auf, sodass auch heute weiterhin jährlich Pferderennen stattfinden. Teilweise reichen hier die Plätze auf der Tribüne nicht mehr aus, sodass viele Stehplätze angeboten werden. Vom Originalbau der Galopprennbahn Scheibenholz sind heute neben der Tribüne auch noch der Sommerstall mit seinen Fachwerkgiebeln und seinen Außentreppen zu den Gemächern der Stallburschen sowie der Totalisator (Wettbüro) am Elsterflutbett erhalten.

Neben den Pferderennen kann man auf der Galopprennbahn Scheibenholz auch weitere Events genießen – im Sommer gibt es Kino unter freiem Himmel, Konzerte und andere sportliche Events. Beim Moderenntag werden die extravagantesten Outfits ausgezeichnet und monatlich finden Flohmärkte statt, auf denen man großartige Antikschätze finden kann.

Mehr zur Galopprennbahn erfahrt ihr unter www.scheibenholz.com

Ihr wollt mehr über den Clara-Zetkin-Park erfahren? Hier geht’s zu unserem Artikel über die Geschichte des Claraparks.

© Scheibenholz