Drei Fragen an drei Leipziger Sportler:innen Leipzig goes Olympia

Vom 23. Juli bis 8. August wird das Land der aufgehenden Sonne Gastgeber der 32. Olympischen Sommerspiele sein. Etwa 400 Athlet:innen werden aus Deutschland erwartet – darunter auch einige Leipziger:innen. Im Gespräch mit urbanite sprechen David Thomasberger, Marie Branser und Robert Farken über ihren persönlichen Weg nach Tokio.

© thesportpicturepage/Marcel Friedrich
David Thomasberger | Schwimmen, SSG Leipzig

Mit fünf Jahren fiel David Thomasberger durch seine Seepferdchenprüfung. Das vorzeitige Ende einer großen Schwimmkarriere? Zum Glück nicht, denn 20 Jahre später reist der Leipziger Sportsoldat als amtierender deutscher Rekordhalter in der Disziplin 200-Meter-Schmetterling zu seinen ersten Olympischen Spielen. Das macht den Fauxpas von damals wohl vergessen oder eher umso drolliger.

Was war dein erster Gedanke, als du offiziell von deiner Olympiaqualifikation erfahren hast?

Als ich Anfang April gleich beim ersten Qualifikationswettkampf in Heidelberg den neuen deutschen Rekord sowie die Olympianorm schwamm, habe ich mich natürlich sehr gefreut. Bis zum Ende des Qualifikationszeitraums Mitte April stand ich dennoch unter Dauerspannung, bis dann die erlösende Nachricht kam, dass mein Ticket sicher ist. Für mich ist damit ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.

Mit welchem Ziel vor Augen wirst du in Tokio an den Startblock treten? 

Ich bin eigentlich kein Fan davon, sich hohe Erwartungen zu setzen und möchte einfach nur meine Bestzeit schwimmen und an meine guten Trainingsergebnisse anknüpfen. Danach schaue ich, wofür es reicht (lacht). In Tokio möchte ich das gesamte Feeling aufsaugen und bin gespannt, wie voll die Schwimmhalle mit den einheimischen Zuschauern sein wird. Ich hoffe, dass Stimmung aufkommt (lacht). 

Apropos Training. Wie gut fühlst du dich denn vorbereitet und wie sieht es mit der Aufregung aus? 

Das Höhentrainingslager in der Sierra Nevada im Juni lief super und gab mir nochmal mehr Optimismus. Ich habe ein sehr gutes Gefühl und das bisherige Training stärkt das Vertrauen in mich selbst. Je näher der Wettkampf jetzt rückt, desto fokussierter werde ich und spätestens, wenn ich im Startzelt sitze, geht dann die Aufregung los. Aber ich bleibe einfach gelassen. Es kommt, wie es kommt. 

© International Judo Federation
Marie Branser | Judo, SC DHfK Leipzig

Marie Branser entschied sich in ihrer Kindheit, lieber zum Judo als zum Turnen zu gehen. Diese Entscheidung hat sie nie bereut – ebenso wenig wie ihren Nationenwechsel aus sportpolitischen Gründen im Jahr 2019, um sich ihren Traum von Olympia zu erfüllen. Ihr Mut wird nun belohnt: Nach erfolgreicher afrikanischer Ranglistenqualifikation wird die 27-jährige Leipzigerin in Tokio für die Demokratische Republik Kongo auf der Matte stehen.

Wie gestaltest du deine Olympia-Vorbereitung?

Wir legen im Krafttraining momentan den Fokus auf die Zunahme von Muskelmasse, aber achten gleichzeitig auch auf meine Kondition. Weiterhin arbeite ich an meinen technischen Feinheiten und spiele alle Wettkampfsituationen durch. Anfang Juli fahre ich nochmal nach Spanien und Frankreich, um auch international mit anderen Trainingspartnern zu trainieren. 

 Ziele hast du dir selbst gesetzt?

Ich habe mir keine Ziele gesetzt, weil im Judo alles passieren kann. Mir ist bewusst, dass viel möglich ist, wenn es mir gelingt, mein Potenzial richtig abzurufen. Ich bin supermotiviert und gehe in der Rolle als Underdog in den Wettbewerb – ich denke, dass das vorteilhaft sein kann (lacht). Mein Anspruch ist es aber, am Ende des Tages von der Matte zu gehen, alles gegeben zu haben und absolut zufrieden mit mir zu sein. Für meine ersten Olympischen Spiele ist das wohl die richtige Zielstellung für mich (lacht).

Wie stehst du zur Zuschauerfrage? 

Von der Atmosphäre her werden es definitiv nicht die Spiele sein, die wir kennen. Auch wäre es natürlich schön, wenn meine Freunde und Familie dabei wären – vor allem meine Mutter, die so viel Zeit, Nerven und Geld investiert hat, um mich auf meinem Weg zu unterstützen. Aber in Bezug auf die Wettkämpfe sind weniger Zuschauer für mich jetzt kein Weltuntergang, weil ich währenddessen sowieso so fokussiert bin, dass ich das Drumherum gar nicht mitbekomme (lacht). 

© top4running/Florian Kurrasch
Robert Farken | Leichtathletik, SC DHfK Leipzig

Anfang Juni löste Robert Farken in Braunschweig mit seinem deutschen Meisterschaftsrekord von 3:34,64 Minuten in der Disziplin 1500-Meter-Lauf (Mittelstrecke) sein Ticket nach Tokio. Für den 23-jährigen Sportmanagementstudenten wird es die erste Reise nach Asien sein, die er mit besonders viel Vorfreude und Ehrgeiz, aber auch mit realistischen Ambitionen antreten wird.

Wie bereitest du dich auf Olympia vor?

Ich habe den Juni im Höhentrainingslager in St. Moritz in der Schweiz verbracht und mich dort allgemein auf die zweite Saisonhälfte, aber auch speziell auf Olympia vorbereitet. Ich werde Anfang Juli noch ein paar Wettkämpfe laufen, bevor ich ins Vorbereitungscamp nach Japan fliege. Dort werde ich noch mal gezielt zwei Wochen trainieren und dann gehts auch schon los.

Mit welchen Erwartungen wirst du nach Tokio reisen? 

Zunächst möchte ich das Bestmögliche aus mir herausholen und alles geben. Im Optimalfall führt mich das dann bis ins Halbfinale – das wäre mein persönliches Ziel. Das Finale wäre natürlich mein absoluter Traum, aber bis dahin zu kommen, ist auch ein bisschen mit Glück verbunden, da die Rennen sehr unterschiedlich sind. 

Mit deiner aktuellen Bestzeit hättest du 2016 in Rio locker die Goldmedaille geholt.

Wie schätzt du deine Chancen in Tokio ein? 

Ich mache mir da ehrlich gesagt keine Gedanken darüber, weil die internationale Konkurrenz aktuell ein anderes Niveau hat. Auf diesem Niveau bin ich momentan noch nicht und es wäre wohl vermessen, davon zu sprechen, dass ich sicher um eine Medaille mitlaufen könne. Aber 2024 sind ja wieder Olympische Spiele, vielleicht ja dann (lacht). 

Mehr zu Leipzigs Team für Tokio gibt es unter www.sportstadt-leipzig.de/topteam/topteamtokio