Mit Pop-Punk gegen den Montagsblues Leipziger Bands im Fokus #107: Me on Monday

Mit Songs wie „So Easy“ und „Living To Get More“ feierten sie in den vergangenen beiden Jahren beachtliche Erfolge: Die Pop-Punker von Me On Monday. Die beiden Songs liefen bereits mehrfach im Radio und die Leute verlangen nach mehr! Auf der Mission, dem Montagsblues mit guter Laune entgegenzuwirken, veröffentlichte die Band am 22. November 2020 ihre aktuelle EP „Lonely Satellite“ in digitalem und physischem Format. Sänger Marius Henschel verrät urbanite, was die Band den Rest der Woche über so treibt, damit montags so viele stressgeplagte Seelen wie nur möglich erfolgreich mit guter Musik geheilt werden können.

© Michael Bomke

Aufgrund von akuter Verschnupftheit des Sängers musste Anfang Dezember zum allerersten Mal ein geplantes Konzertstream-Event für einen guten Zweck abgesagt werden, das ursprünglich in Dessau stattfinden sollte. Doch das ist noch lange kein Grund, die Zeit nicht sinnvoll in andere Bereiche der Bandarbeit zu investieren: Demnach geht die Veröffentlichung der EP laut Marius Henschel mit großem Workload in Sachen Marketing einher, für das die Band sich eigens verantwortlich zeigt. „Wir freuen uns über das gute Feedback von Magazinen und Podcasts“, so der Musiker erwartungsvoll. Aktuell muss die EP auch ohne Konzerte unter die Leute gebracht werden. Dafür schaut die Band, in welchen Medien Genrekolleg:innen bereits rezensiert wurden und welche Anlaufstellen dahingehend gut zum eigenen Sound passen. Die Liste an Kontakten wird dabei stetig und fleißig erweitert. Dabei hilft natürlich auch Henschels Arbeit in der Marketingabteilung bei Impericon, einem großen Leipziger Merchandising-Unternehmen, das seinen Fokus besonders auf Punk, Metal- und Hardcore richtet.

Die aufwendigste Arbeit auf der aktuellen Agenda ist laut Henschel genau dieser Aspekt: Das Marketing, das mit Social-Media,- Presse- und Booking-Management einhergeht. „Das ist ein riesiger Apparat. Man braucht die fertigen Songs und gute Videos für die Promo. Dieses gesamte Konvolut ist letztendlich sehr aufwendig“, gesteht der Sänger ein.

„Wir sind von dem Anspruch weggekommen zu sagen, dass wir die Songs bis zur Perfektion ausfeilen“

Für ihre Musikvideos arbeiten Me On Monday mit verschiedenen Videographen wie Daniel Prieß aus Hamburg zusammen, der sich ferner für Videoproduktionen von Deez Nuts oder Milonair verantwortlich zeigt. Das Drehbuch schreiben die kreativen Musiker im Vorhinein selbst: „Beim letzten Video zu ,Lonely Satellite’, das ja eher ein Performance-Video ist, braucht man jetzt kein großartiges Drehbuch, aber bei ,So Easy’ und ,Living To Get More’ haben wir alles selbst geschrieben und uns dann mit dem Videographen abgesprochen, was vielleicht unrealistisch ist oder was wir noch an besonderer Technik brauchen. Story, Requisiten und die Auswahl der Location stammen von uns selbst“, erklärt Henschel.

© Michael Bomke
In Sachen Songwriting steht im Falle der aktuellen EP das neueste Bandmitglied im Mittelpunkt. Und so schließt sich der Kreis, denn er ist gleichzeitig der Star im „So Easy“-Video: Gitarrist Steffen Witte. „Oft kam Steffen mit der Grundidee und wir schraubten dann zusammen noch am Ablauf und anderen Kleinigkeiten. Mal mehr, mal weniger.“ Vieles aus der Feder der anderen Bandmitglieder stehe noch als Material fürs kommende Album in den Startlöchern. Somit würden wieder mehr bandinterne Songwriter das kompositorische Ruder übernehmen. Noch sei jedoch nicht alles beisammen, sagt der Sänger. Bis April wolle die Band noch weiter neues Songmaterial sammeln, damit es am Ende die besten zehn bis zwölf Songs in die finale Tracklist schaffen. Marius Henschel gibt hierzu Einblick in den Songwriting-Prozess: „Wir sind von dem Anspruch weggekommen zu sagen, dass wir die Songs bis zur Perfektion ausfeilen, sondern schauen uns das Grundgerüst bzw. kleinere Ideen an, auch wenn es mal nur ein Riff ist. Dann entscheiden wir schnell, ob es gut genug ist, um weiter daran zu arbeiten. Sonst kommen Prozesse zustande, wo Songs ausgearbeitet werden könnten, die vier Fünfteln nicht gefallen. Das macht dann wenig Sinn.“

  

„Große Magazine schreiben eigentlich nur über dich, wenn du ein Album hast“

Die Band setzt seit längerer Zeit auf Single-Releases. Henschel gefällt dieses Konzept, da er sich so gut auf einen einzelnen Song fokussieren kann. Oft könne der Release einer gesamten LP stressig sein, zumal die Fans am Ende ohnehin nur die Singles hören wollen, so der Lead-Sänger. „Wenn man eine gewisse Fan-Zahl bespielt hat, ist der Bedarf für ein ganzes Album dann geschaffen.“ Der Zeitpunkt scheint nun gekommen, denn die Band ist offenbar auf den Geschmack einer Albumveröffentlichung gekommen. „Dahingehend ist die Musikszene noch etwas konservativ“, resümiert Henschel. „Große Magazine schreiben eigentlich nur über dich, wenn du ein Album hast. Labels und Promoagenturen sind auch meist nur an Album-Veröffentlichungen interessiert.“ Nicht zuletzt braucht man ja auch genug Material, um eine Live-Setlist zu füllen, denn das nächste Konzert nach dem hoffentlich nicht mehr in allzu ferner Zukunft liegenden Ende der Corona-Pandemie kommt bestimmt.

Stilistisch wird es nach Aussage auf dem Album ganz bunt zugehen: Hier ein bisschen mehr Emo, da etwas mehr mehr Hip Hop, dort ein bisschen Synthesizer. Alle Facetten von Me On Monday sollen zum Vorschein kommen und brillieren. Die Konzeption soll weniger inhaltlich geschlossen werden, als mehr durch eine kohärente Produktion entstehen.

„Bis jetzt greifen wir keine politischen Fragen oder irgendwelche Themen auf, mit denen wir uns gar nicht identifizieren können, sondern teilen Geschichten, die wir selbst zu erzählen haben“, schildert Henschel in Bezug auf den lyrischen Aspekt der Songs.

„Ich hab’ aber auch einfach Bock auf Pop-Punk und kann wahrscheinlich auch nie wieder anders singen“

Inhaltlich werden Themen rund ums Leben und Musikmachen angesprochen: Von den Gefühlen eines Großvaters, der seine Frau verloren hat, über zwischenmenschliche Beziehungen wie Lieben und Streiten und der Flucht aus dem Alltags bis hin zum aufregenden Gefühl, das man hat, wenn man auf der Bühne steht. Typische Pop-Punk-Themen quasi. Aber wenn es nach Me On Monday geht, ist der Pop-Punk längst noch nicht am Ende. Da positioniert sich die Band deutlich — unter anderem anhand ihrer Instagram-Hashtags. „Wir versuchen, das was um die Jahrtausendwende an Pop-Punk da war, noch etwas aufzupolieren. So machen es andere Künstler auch, die versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen. Es gibt Musiker, die einfach richtig Bock auf dieses Genre haben. Wir wollen gern Teil dieser Bewegung sein und dabei unser eigenes Ding machen. ,So Easy’ ist ja jetzt beispielsweise nicht so typischer Pop-Punk. Eher Synth und Rock. Meine Stimme wird aber immer an den Pop-Punk gebunden sein. Sie ist einfach eine classy Stimme dafür. Ich hab’ da aber auch einfach Bock drauf und kann wahrscheinlich auch nie wieder anders singen“, gibt der Sänger schmunzelnd zu. Trotz des typischen Gesangsstils möchten sich Me On Monday gern von großen Genre-Vorbildern wie Blink 182, Sum 41, Good Charlotte oder Yellowcard abheben.

„Gerade haben wir noch einen gemeinsamen Weihnachts-Call zum Jahresabschluss gemacht. Leute, die lange nicht geschrieben haben, schreiben einen mittlerweile an und geben das Feedback, dass sie von unserer Arbeit, von unserer Musik berührt sind oder sogar Tränen in den Augen haben. Wir haben in dem Weihnachtstreffen festgestellt, dass gefühlt jeder von uns viel mehr Nachrichten bekommen hat, als beispielsweise noch vor einem Jahr“, fasst Marius Henschel abschließend zusammen.

Und was kann es für eine schönere Jahresbilanz geben, als dass man seine Liebsten und noch viel mehr Leute draußen erreichen und mitreißen konnte? Es gilt also gespannt abzuwarten, was die Band im nächsten Jahr nach Album-Release und hoffentlich der ein oder anderen wieder erfolgreich gespielten Show resümieren darf!

Web: meonmonday.de