In goldenen Lettern steht geschrieben ... Leipziger Musiker im Fokus #102: Mayberg

Eine Gitarre, eine raue Stimme und ein Name so edel wie alter Whiskey: Das ist Mayberg. Der 20-jährige Musiker stammt ursprünglich aus Kassel, wo ihm die künstlerische Ader schon in die Wiege gelegt wurde. Seine Mutter ist Pianistin. Sein Vater malt. Vor einem halben Jahr lässt er schließlich Familie, Freunde, Haus und Garten zurück, um von Leipzig aus die Welt mit seiner Musik zu erobern. „Ich möchte davon leben“, sagt er selbstbewusst und setzt ganz auf Plan A.

Nunmehr wohnhaft in der Leipziger Südvorstadt spielt Mayberg regelmäßig zur Open Stage in der Villa und ist oft in nahe gelegenen Hotspots wie dem Clara-Zetkin-Park und auf der Karli unterwegs. Dort gibt es auch viele kleine Gastronomien, die der Musiker schon als potenzielle Konzertlocations ins Auge gefasst hat.

© Presse Mayberg

„Zum Glück macht gerade alles wieder auf“, äußert er sich in Bezug auf die Gastronomie-Schließungen anlässlich der Corona-Krise. „Bisher habe ich kaum etwas mit der Musik verdient. Jetzt hätten die ersten Konzerte stattgefunden. Ich habe in vielen Bars und Cafés gefragt, ob ich da spielen kann, aber da hat sich noch nichts Konkretes ergeben.“

„Ich bin immer Autor, aber nicht immer Protagonist meiner Texte“

 Fünf Singles — größtenteils mit deutschsprachigen Texten — hat Mayberg bisher auf allen gängigen Streaming-Plattformen veröffentlicht. Momentan setzt er eher auf eigenen digitalen Release, hätte jedoch perspektivisch auch gern physische Platten parat, die er seinen Fans auf Konzerten anbieten kann.

Er mag es, wenn Musikproduktionen roh und authentisch klingen, auch, wenn mal ein Ton daneben geht. Einen kleinen Ausflug in neue Gefilde unternimmt er jedoch im Song „Promised Land“ – einer englischsprachigen, luftig-modern instrumentierten Indiepop-Ballade mit Autotune-Vocals. Diesen Kurs möchte er aber gegenwärtig nicht vertiefen. Er fokussiert sich lieber auf das deutschsprachige Singer/Songwriter-Genre.

Mayberg produziert seine Tracks ganz privat im Home Studio. Er lässt sich dabei viel Zeit, um seine Ideen reifen zu lassen, sodass die Songs langsam zum Leben erweckt werden. „Ich feiere den Prozess des Produzierens gar nicht so sehr“, gibt er zu. Er komponiert, textet und spielt lieber live; eigentlich im ganz klassischen Sinn eines Liedermachers, als welchen er sich selbst auch am liebsten bezeichnet. Inspiriert von einem breiten Spektrum, das von altem Schlager über Milky Chance bis zu modernen deutschen Interpreten wie Faber und Annen May Kantereit reicht, sind Zitate wie „Du bist nicht 10/10, du bist eine von hundert!“ oder „Ich find mich gut. Ich würde alles für mich tun. Warum nicht du?“ nur ein kleiner Ausschnitt an die nicht ganz ernst zu nehmenden Botschaften, mit denen Mayberg seine Hörer zum Schmunzeln bringt. Verschleiern will er nichts. Der Rahmen der Kunst verzeiht aber viel. In seinen Songs spricht Mayberg aus, womit er als Luis Raue im echten Leben wahrscheinlich manchmal lieber hinterm Berg hält. „Ich bin immer Autor, aber nicht immer Protagonist meiner Texte“, äußert er sich entsprechend.

Stilistisch sind seine Texte mitunter vom Rap inspiriert. Er freut sich auch, wenn man das raushört. „Man könnte meine Texte auch rappen — wäre dann nur ein anderer Stil.“ Das Gleiche gilt fürs Covern. Mayberg steht zum Beispiel darauf, alte Schlager aufzuarbeiten, um ihnen nach seiner eigenen Liedermacher-Manier einen neuen Anstrich zu verpassen.

Lyrische Ideen kommen ihm übrigens in beliebigen Alltagssituationen. Da sammelt er Zeilen, die in Reime verwandelt schließlich komplette Songtexte ergeben.

„Vor Leuten zu stehen und zu singen. Das ist mein größter Antrieb“

Die Frage, ob er durch Annen May Kantereit auch auf seinen Künstlernamen kam, verneint er. Den Vergleich mit Henning May, der auch stimmlich nicht allzu fern liegt, hört er sicher nicht zum ersten Mal, aber er ehrt ihn.

Mayberg wollte einen Künstlernamen, der edel klingt und stellt sich dabei vor, dass dieser in goldenen Lettern das Etikett einer Whiskey-Flasche zieren könnte. Wer jedoch denkt, Mayberg bedient das alte Klischee, als Musiker zeitweilig den Rauschmitteln zu verfallen, um seinen Geist zu erweitern, irrt. „Ich find’ Kiffen eigentlich ziemlich scheiße. Das hat für mich keinen Effekt“, distanziert er sich. Dagegen ist er aber grundsätzlich nicht und überlässt es jedem, nach eigenem Ermessen zu entscheiden.

© Presse Mayberg

Auch auf der Bühne möchte sich Mayberg am liebsten schlicht und elegant inszenieren: Mit Anzug gekleidet in einem orangenen Lichtkegel seine Songs spielend — so sieht er sich vor seinem inneren Auge in Zukunft auftreten. Für ihn und sein künstlerisches Feuer ist der größte Antrieb das Spielen vor einem Publikum, das auch gar nicht allzu groß ausfallen muss. Er liebt und lebt für die intimen Momente, die er mit seinen Hörern während der Live-Performance austauschen kann. Trotzdem träumt er davon, eines Tages auch eine größere Bühnenshow mit komplettem Band-Line-up zu inszenieren.

Ich habe im Interview das Gefühl, einem sehr offenherzigen Menschen zu begegnen — dem Luis hinter dem Mayberg. Wir sitzen in seinem bescheidenen WG-Zimmer, umgeben von mehreren Gitarren und seinem Home-Studio-Setup. Er fühlt sich wohl, ist offen für neue Perspektiven, Ideen und Anregungen, die seine Persönlichkeit und folglich seine Musik prägen.

Wir dürfen also gespannt dran bleiben, an welchen Episoden seines Lebens er uns durch seine Lieder noch teilhaben lassen wird. Macht euch doch vorab schon ein eigenes Bild: Mit seiner Grußbotschaft, dem Titel „Herzlich Willkommen“, lädt Mayberg jeden dazu ein, Teil seiner musikalischen Welt zu werden! Am 16. August 2020 habt ihr außerdem die Möglichkeit, den Leipziger in Ilses Erika live zu erleben. 

Maybergs Online-Präsenz findet ihr unter den folgenden Links: maybergmusik.de 

Instagram: @maybergmusik | Facebook, YouTube: Mayberg 

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