Exklusiv bei urbanite: MINE im Interview – exklusiv bei urbanite!

Mit tiefgehenden, persönlichen Texten und einem einzigartigen Sound hat sich Mine als feste Größe in der deutschsprachigen Musikszene etabliert. Neben Soloprojekten arbeitet sie regelmäßig als Produzentin und Arrangeurin, prägt Kollaborationen und bringt gesellschaftliche wie emotionale Themen authentisch zum Ausdruck.

© Bastian Bochinski

Aktuell ist Mine auf der „MINE & ORCHESTER Tour 2025“ in Deutschland unterwegs und präsentiert dabei Songs aus ihrem aktuellen Album „Baum“ sowie Highlights aus ihrem bisherigen Musikrepertoire. Am Donnerstag, den 27. November ist sie mit über 20 Musiker:innen im Haus Auensee zu Gast. Ihre Fans dürfen sich auf eine besondere Live-Erfahrung freuen, bei der auch neue Songs vorab zu hören sind. Vor dem Tourstart hatten wir Mine im Interview – exklusiv bei urbanite zu Gast!

Hallo Mine. Schön, dass du dir die Zeit nimmst! Wie geht’s dir? Immerhin steht deine nächste Tour schon in den Startlöchern.

Voll. Ich bin auf jeden Fall sehr angespannt, das merk ich richtig krass. Ich habe jetzt 1 ½ Jahre darauf hingearbeitet mit allem Drum und Dran und habe jetzt auch gerade noch wirklich sehr viele Meetings und Vorbereitungen und übe natürlich sehr viel. Ich bin einfach schon so lange schon so sehr aufgeregt, dass ich mich wirklich sehr darüber freue, die Aufregung langsam gehen zu lassen. Ich glaube, das muss sich jetzt auch wirklich langsam entladen, sonst platze ich. Also ich bin schon sehr unter Strom, ich merke, dass ich immer so hektisch bin, ich vergesse viel mehr Sachen, lass ständig überall alles liegen. (lacht) Aber mir geht’s gut, ich habe einfach nur ein bisschen Schiss vor Krankheit oder so, deswegen versuche ich mich schon ein bisschen zurückzuhalten. Gerade weil jetzt auch die Zeit ist, wo alle um mich herum krank sind. Aber mir geht’s zum Glück noch sehr sehr gut und so darf’s auch bleiben! (lacht)

Was hat dich motiviert, dein Album “Baum” erneut auf Tour zu bringen, und das als Version “MINE & Orchester”?

Also das Orchester an sich ist eigentlich die Motivation gewesen. Ich liebe es einfach, mit größeren Besetzungen zu arbeiten. Zum einen kenne ich die Leute, mit denen ich auf der Bühne stehe, schon super lange, zum anderen hatte ich bei vielen Songs auch noch eine Idee für ein Arrangement und wie man das so bisschen aufblasen kann. Ich mache die Orchesterprojekte ja auch schon seit einer ganzen Zeit. Ich habe das erste Projekt 2013 gemacht und seitdem mache ich eigentlich im 3-4 Jahres-Rhythmus so ein Konzert und kann die Songs, auf die ich Bock habe, neu arrangieren. Das ist fast schon eine Tradition geworden. (lacht) 

Du schreibst die Arrangements dafür selbst, richtig? Wie gestaltet sich der kreative Prozess, wenn du mit über 20 Musiker:innen auf der Bühne stehst und solch ein großes Ensemble koordinierst?

Ist auf jeden Fall super spannend, weil ich auch jedes Mal, wenn ich so ein Projekt mache, was dazulerne. Ich habe zwar studiert, aber ich habe tatsächlich nie im Studium gelernt, wie man für Orchester arrangiert. Ich habe das meiste mit Try-and-Error gemacht und habe den Eindruck, dass ich dadurch, dass ich das immer wieder gemacht habe, obwohl ich es gar nicht konnte, am meisten gelernt habe. Und das überträgt sich dann natürlich auch auf das Songwriting. Ich würde nicht mit so vielen Instrumenten und Streicher:innen und so arbeiten, wenn ich nicht immer wieder Orchesterprojekte machen würde, bei denen ich mich automatisch mit klassischer Musik auseinandersetze. Das spielt dann schon mit rein. Ich habe ganz am Anfang auch ohne Booking und ohne Management gearbeitet, organisatorische Sachen fallen mir nicht so schwer. Ich brauche zwar für alles Tabellen, weil ich sonst doch verpeilt bin, aber ich koordiniere die Dinge auch gerne selbst. 

Eine gewisse Unabhängigkeit, die da mit reinspielt, ist ja vielleicht auch gar nicht so schlecht als Künstlerin, oder?

Ja, und ich bin auch einfach ein Kontrollfreak. Ich habe mich am Anfang so schwergetan, Arbeit abzugeben oder überhaupt, wenn ich’s abgegeben habe, ohne dann nachher nochmal zu gucken, ob das so ist, wie ich es mir vorstelle. Ich habe da echt ein paar Jahre gebraucht, um Vertrauen zu haben. Dadurch habe ich das meiste auch selbst gemacht, weil ich mir dann sicher sein konnte, dass es genau so wird, wie ich es mir vorgestellt habe. Das ist echt nicht so gesund, da musste ich auf jeden Fall doll dran arbeiten. Es ist auch voll uncool den Leuten, die mit am Projekt arbeiten, gegenüber, wenn jemand das Gefühl hat, dass ich ihnen nicht vertraue. 

Gibt es einen Song, der im Orchester-Arrangement plötzlich eine ganz neue Bedeutung für dich bekommen hat oder besonders für dich ist?

Auf jeden Fall! Voll besonders sind für mich 2 Songs, die wir bisher noch nie gespielt haben. Das ist sehr spannend, weil ich ja noch gar nicht weiß, wie die live klingen und da quasi bei null starte. Einer der beiden Songs eignet sich wirklich so gut für Orchester, da ist es glaube ich ganz easy. Bei dem anderen Song bin ich richtig gespannt. Was wir nämlich jetzt auch machen, was wir auch bisher noch nie gemacht haben: ich habe ein paar Nummern, die sind sehr elektronisch und haben fast schon einen technoiden Einfluss, obwohl ich jetzt selbst gar keine Techno-Maus bin. (lacht) Und diese Songs machen wir jetzt mit einem klassischen Männerchor zusammen, sodass das quasi ein Hybrid aus Klassik, Elektronik und Techno ist. Das finde ich super spannend, weil ich das noch nie gemacht habe.

Wie fühlt es sich an, neue Musik noch vor dem Release live zu spielen? Bist du generell noch aufgeregt vor deinen Konzerten?

Ich bin maximal nervös. Ich habe so krasses Lampenfieber, dass ich jedes Mal vorm Auftritt denke, warum machst du das eigentlich. (lacht) Ich dachte immer, das geht irgendwann weg. Es ist schon ein bisschen besser geworden, früher habe ich mich auch übergeben vor Aufregung, das habe ich jetzt nicht mehr so sehr. 

Und natürlich ist es mir dann bei neuen Songs extrem wichtig, weil es ja auch der erste Höreindruck ist, den man dann so hat. Aber im Grunde genommen ist die Herangehensweise für mich nicht viel anders, weil ich die Songs ja kenne, wie ich die anderen auch. Natürlich denke ich aber, dass ich da nicht so super experimentell mit den Arrangements umgehen, sondern so nah wie möglich am Original bleiben möchte, weil ich auch will, dass das so gehört wird, wie ich es mir gedacht habe, als ich es geschrieben habe. Wenn man den Song in seiner Originalversion schon released hat, kann man auch experimentieren und eine ganz andere Version draus machen. Das würde ich aber bei einem ganz neuen Song nicht machen.

Dein Album ist voll mit persönlich und biografisch wirkenden Songs. Wie viel Mine steckt in deinen Texten?

Ich kann gar nicht anders schreiben, glaube ich. Ich habe ja ganz lange schon geschrieben, bevor ich was veröffentlicht habe, und habe das auch nie veröffentlicht, weil ich dachte, das fühlt sich crazy an, wie Tagebuch vorlesen. Das war mir dann auch irgendwie peinlich. Ich bin auch keine Person, die easy locker über solche Sachen reden kann wie Probleme und Verletzlichkeit. Das liegt mir nicht. Ich mach das meistens lieber mit mir aus (lacht) und in Musik geht das aber irgendwie. Da bin ich schon sehr transparent auch, vielleicht ist es auch gerade deswegen so, dass ich Musik als Ventil nutze. Aber das ist halt die Art, wie ich schreibe. Ich war auch paar Mal auf Songwriting-Sessions, das ist ja eigentlich recht gängig, dass man sich mit Leuten trifft, die schon krasse Hits für die Charts oder so geschrieben haben. Aber ich kann das gar nicht. Wenn andere Leute im Raum sind und ich schreibe, bin ich schon so eingeschüchtert. Zum anderen kann ich es aber auch nicht, wenn man mir ein Thema vorgibt. So komme ich einfach nicht zum Songwriting. Das geht nur, wenn das aus einem intrinsischen Impuls herauskommt.

Das macht am Ende deine Musik auch einfach aus, was toll ist und sehr nahbar wirkt. Wie wählst du denn aus, welche Songs bei den Orchesterkonzerten gespielt werden?

Das ist einfach, ich mache das, worauf ich Bock habe. (lacht) Meistens ist es schon so, dass es Songs gibt, für die ich direkt eine Idee habe. Bei dem Song Baum zum Beispiel war mir klar, dass ich den unbedingt spielen will. Den endlich mal live mit Bläsern zu spielen, das macht auch einfach unfassbar viel Spaß.

Noch eine letzte Frage: Gibt es etwas, worauf sich deine Leipziger Fans besonders freuen dürfen? 

Ich mache diesmal auf der Bühne etwas, was ich noch nie gemacht habe, und zwar Luftakrobatik. Ich habe das letztes Jahr im August angefangen, weil ich so Bock hatte, beim Orchesterprojekt mal was Neues zu machen.

Und Leipzig liebe ich sowieso so sehr, dass ich am liebsten einfach hinziehen würde. Ich glaube, wäre ich örtlich nicht so gebunden durch das Mama-Sein, würde ich wahrscheinlich schon in Leipzig wohnen. Ich hatte auch noch nie ein schlechtes Konzert in Leipzig. Von Anfang an, als ich noch kleine Auftritte gespielt habe, war das immer schon so toll und herzlich. Ich habe mich immer sehr willkommen gefühlt in der Stadt. 

Ich habe auch richtig hart gekämpft für das Orchesterkonzert in Leipzig. Vor ein paar Wochen habe ich plötzlich die Nachricht bekommen, dass wir keine Luftakrobatik auf der Bühne machen können. Da haben wir jetzt nochmal alles auf links gedreht und eine extra Konstruktion für die Bühne gebaut. Ich werde beim Konzert auch nichts verdienen, weil das alles so teuer war (lacht), aber wir haben es hinbekommen und ich kann Luftakrobatik machen! Das ist die Hauptsache.

Vielen Dank für deine Zeit und das schöne, inspirierende Gespräch! Habt einen guten Tourstart und ich freue mich auf das Konzert in Leipzig.

Alle wichtigen Infos im Überblick:

📍 Haus Auensee, Gustav-Esche-Str. 4, 04159 Leipzig
🗓️ 27. November 2025
🕗 20 Uhr
🎟️ Tickets im Vorverkauf erhältlich