Vom Kotzen, Boulevard und Business RB Leipzig in Bochum: Kampf um Stammplätze und Auswärtspunkte

„Ja, Auswärtsspiel …“ Es folgt eine lange Pause. So beginnt Achim Beierlorzers Antwort, als er einen Ausblick auf das Sonntagsspiel in Bochum geben soll. Es ist nicht zu überhören, dass die Auswärtsausbeute bei RB Leipzig ein leidiges Thema ist – neben der Absage des Wunschkandidaten auf den Trainerposten Thomas Tuchel und den extrem theoretisch möglichen Aufstieg.

© Marcel Lenk

Der außerhalb Leipzigs geächtete Verein konnte in dieser Saison gerade mal an zwei Spieltagen auswärts als Sieger vom Platz gehen. Demgegenüber stehen sechs Unentschieden und fünf Niederlagen. Mit diesen Werten stehen die Leipziger in der Auswärtstabelle auf dem 14. Platz – vor den Abstiegskandidaten Aue, St. Pauli und Aalen. 

Miniserie starten und Kampf um Stammplatz nutzen

Für RBL-Interimscoach Beierlorzer ist bei dem Spiel gegen Bochum vor allem wichtig: „Wir wollen unbedingt mal zwei Siege in Serie einfahren.“ Diese Miniserie hat am Ostersonntag gegen den 1. FC Nürnberg begonnen. Nach einer katastrophalen 1. Halbzeit, in der die Nürnberger dank RBL-Keeper Fabio Coltorti – neuerdings Krake genannt – lediglich mit einem Tor führten, zeigten die Leipziger große Moral. Direkt nach der Pause schoss Yordy Reyna sein erstes Tor für die Roten Bullen. Mit dem 2:1-Tor durch Dominik Kaiser aus 25 Metern konnten sich die RB-Kicker mit 40 Punkten Tabellenplatz 6 sichern.
Für Beierlorzer ist entscheidend: „Wir hatten für unser Spiel Alternativen. Es kann also durchaus sein, dass ich auch in Bochum mitten im Spiel umstelle. Es hat ja gut funktioniert.“ Zudem sei die Möglichkeit vieler Alternativen wichtig für den Kampf um einen Stammplatz der Spieler.

Und den gibt es. So hat es ein Niklas Hoheneder beispielsweise im Moment sehr schwer, zu spielen. „Das liegt an der Qualität der anderen. Alle unsere Innenverteidiger sind top fit.“ Dabei hat der 47-Jährige besonders Tim Sebastian und Lukas Klostermann herausgehoben. 

Vom Kotzen, Boulevard und Business

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Eben jenen, der in der Hinrunde, als Bochum in Leipzig ran musste, als Zündschnur der beiden nun ehemaligen Trainer Peter Neururer und Alexander Zorniger dienen musste. Neururer hatte damals – medial geschickt – beklagt, dass RB Leipzig das 18-jährige Toptalent Klostermann vom VfL gekauft hat. Laut Neururer sei das nicht fair gewesen, weil: „Mit RB gibt es keine fairen Deals. Die können kaufen, wen sie wollen, das hat mit dem Sport, den wir so lieben, nichts zu tun.“ Des Weiteren bringe RB Leipzig ihn sowieso „zum Kotzen“. Der damalige RBL-Trainer stieg humorvoll auf diese Vorlage ein und entgegnete: „Der hat mehr Aufkleber dran, als ich in meinem Leben Autos hatte.“ Die beiden hatten das Geschäft zweifelsohne verstanden. Willkommen im Sport-Boulevard. Dem Ganzen wurde die Krone aufgesetzt, als kurz vor Spielschluss (2:0) der gesamte Leipziger B-Block Bochum-Trainer Neururer besang mit: „Siehst du Peter, so wird das gemacht!“ Neururer bedankte sich für dieses kleine „Ständchen“, indem er zur Fan-Kurve winkte und anschließend schmunzelnd sagte: „Das habe ich mir hart erarbeitet.“
Das ist nun allerdings Geschichte. Beide Trainer sind für Bochum und Leipzig nicht mehr im Amt. Am Sonntag werden sich der Holländer Gertjan Verbeek, der auch schon seinen Ärger mit Gegner-Trainern hatte (es sei an Freiburgs Coach Christian Streich erinnert), und Achim Beierlorzer gegenüberstehen.

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Letzterer ist ein ausgesprochen geduldiger Mensch, der für jeden nette Worte findet. Bis auf einen: Ante Rebić. Schon Zorniger hatte so seine Probleme mit dem kroatischen Stürmer, der jede Menge Lorbeeren bei der Weltmeisterschaft in Brasilien einheimste und als DAS Toptalent gehandelt wurde. Der 21-jährige Kroate hatte seine Chance in Heidenheim. Doch Beierlorzer zeigte sich nicht nur direkt nach der 0:1-Pleite enttäuscht, sondern auch noch heute: „Ich erwarte von ihm – von allen Spielern – 100% Engagement für den Verein und die Fans. Von Ante war ich in Heidenheim sehr enttäuscht.“

Um noch einmal den boulevardesken Sportteil zu bedienen: Thomas Tuchel – ein Name, der aus dem Leipziger Sport, trotz Abwesenheit (beachtliche Leistung!), nicht mehr wegzudenken ist. Diese Woche kam die Absage des 41-Jährigen mit der nachvollziehbaren Begründung, er wolle nicht in der 2. Bundesliga trainieren. Vor wenigen Stunden hieß es, Tuchel und der buhlende und für den Boulevard so wichtige Hamburger SV seien sich einig – selbst wenn der Club in Liga 2 absteige. Wenige Minuten später dementierte Tuchel …

Spiel(er)Infos:

Sebastian Heidinger ist seit Donnerstag wieder im Training. Omer Damari hat weiter Probleme im Adduktorenbereich und konnte bisher nicht mit dem Team trainieren. Der Stürmer wird am Sonntag fehlen. Rani Khedira wird erst nächste Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Stefan Hierländer (Bänderdehnung im Knöchel) ist noch nicht zu 100% fit. Fabian Franke ist nach seiner langwierigen Achillessehnenverletzung wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und kann ohne Schmerzen voll trainieren. Terrence Boyd hat nach seinem Kreuzbandriss wieder mit dem leichten Lauftraining begonnen.
Ausfälle: Omer Damari, Terrence Boyd, Rani Khedira
Einsatz fraglich: Stefan Hierländer, Sebastian Heidinger
Gelbsperre droht: Yussuf Poulsen, Anthony Jung, Joshua Kimmich, Tim Sebastian (alle jeweils 4 Gelbe Karten)

Was: 28. Spieltag 2. Bundesliga – VfL Bochum (8.) gegen RB Leipzig (6.)
Wann: Sonntag, 12. April 2015 um 13:30 Uhr
Wo: rewirpowerSTADION | Bochum
Schiedsrichter: Michael Weiner (Ottenstein)

Das Spiel wird live von Sky übertragen