Vom Kotzen, Populismus und Insel der Glückseligkeit RB Leipzig gegen VfL Bochum: Ergebniskrise, Populismus und unliebsame Fans

Von einer Ergebniskrise, die überwunden werden müsse, ist die Rede, wenn RBL-Trainer Alexander Zorniger über die letzten Partien von RB Leipzig sinniert. Aus den letzten fünf Spielen konnten die Roten Bullen gerade mal 5 Punkte holen. Gegen Nürnberg, letzte Woche, sahen die Jungs um Zorniger nicht gut aus.

© GEPApictures / RB Leipzig

Auf die Frage, ob die Gegner sich nun einfach auf das Spiel von RB Leipzig eingestellt und damit entzaubert haben, antwortet Zorniger: „Die Gegner sind ja nicht blind! Wir sind in der 2. Bundesliga – und nicht mehr in der 3. -oder Regionalliga!“ Soll heißen: Was erwartet ihr? Auch einen Durchmarsch durch Liga 2? Man muss keine hellseherischen Fähigkeiten haben, um genau das zu bejahen: alle erwarten und viele befürchten exakt das. Derzeit belegt RB Leipzig in der Zweitligatabelle den 5. Platz mit 16 Punkten. Um den Anschluss an die Tabellenspitze nicht zu verlieren muss am Freitag, den 24. Oktober 2014, in der Red Bull Arena gegen VfL Bochum ein Dreier her. Das wissen auch die Roten Bullen. Laut Zorniger zeigen die Jungs beim Training ein feines Gespür, „was nun von ihnen gefordert wird“. Und Georg Teigl bringt es auf den Punkt: „Jeder Gegner weiß, dass wir Qualität haben, aber darüber reden bringt nichts. Wir müssen es auf dem Platz zeigen – und das werden wir!“

Kommerz versus Populismus

Dass der Profifußball nicht nur Platz im Sportteil findet, sondern auch im Boulevard eine gute Figur macht, beweisen die kleinen Sticheleien gestandener Männer wie Bochum-Trainer Peter Neururer. Erst kürzlich sagte er, dass RB Leipzig ihn „zum Kotzen“ bringe. Ob Peter Neururer einen Kübel für das morgige Spiel gegen RBL benötigt, ist noch unklar. Warum der Kulttrainer so einen Brass auf den Brauseverein hat? Der Leipziger Club hat das 18-jährige Toptalent Lukas Klostermann vom VfL gekauft. Laut Neururer sei das nicht fair gewesen, weil: „Mit RB gibt es keine fairen Deals. Die können kaufen, wen sie wollen, das hat mit dem Sport, den wir so lieben, nichts zu tun.“ Für Zorniger ist das kein Problem. In Sachen Kommerzfrage konterte der RBL-Trainer nur trocken: „Der hat mehr Aufkleber dran, als ich in meinem Leben Autos hatte.“ Doch Neururer ist laut Zorniger ein absoluter Typ, den der 47-Jährige irgendeinen Glattgebügelten immer vorziehe. Wenn Fans den Leipziger Verein schmähen, verstehe er das – da gehe es schließlich um viel Emotion. Aber bei Profis aus der Branche erwarte er „eine Spur weniger Populismus“. Kommerz hin, Populismus her. Zorniger könne sich durchaus vorstellen, dass „wir beide schmunzeln, wenn wir uns treffen“. Zudem ist er sich sicher, dass Neururer nicht zu körperlicher Gewalt neige.

Ralf Rangnick: „Der Verein muss rigoros durchgreifen!“

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Apropos Gewalt. Sollte sich RB Leipzig vielleicht doch nicht so von anderen Bundesligavereinen unterscheiden, auch wenn alle anderen das vehement bestreiten? Jedenfalls sind am vergangenen Wochenende RBL-Fans unangenehm aufgefallen. Bei der Zweitligapartie in Nürnberg sollen in der RBL-Kurve diskriminierende Slogans skandiert und ein gegnerischer Schal verbrannt worden sein. Nur zwei Tage später, bei der Partie 1. FC Lok Leipzig gegen RB Leipzig II, wurden homophobe Sprechchöre aus dem RBL-Fanblock vernommen. Es scheint so, dass die Roten Bullen nicht nur sportlich in der 2. Bundesliga angekommen sind, sondern auch, was die Probleme der eigenen Fans angeht. Dass RB Leipzig eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber solchen Vorfällen an den Tag legt, hat der Verein bereits im April beim Drittliga-Kracher gegen den FC Heidenheim gezeigt. Damals wurden Gegenstände bei einer Ecke auf Heidenheims Marc Schnatterer geworfen. Eine Person konnte identifiziert werden. RB Leipzig verhängte erstmals ein bundesweites Stadionverbot gegen einen eigenen Anhänger. Und auch dieses Mal, versichert der RBL-Pressesprecher Sharif Shoukry, warten harte Konsequenzen auf die Täter, die ausfindig gemacht werden. Allerdings benötige das noch Zeit. Schon damals sagte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick im großen Interview mit urbanite: „Wir dürfen nicht glauben, dass wir auf einer Insel der Glückseligen leben, nur weil wir momentan noch einen hohen Familienanteil haben.“ Es sei auch kein generelles Problem des Fußballs, sondern „wenn Menschen ein hohes Aggressionspotenzial haben und merken, dort ist eine Bühne, wo sie es ausleben können und zwar häufig ohne, dass ihnen sofort negative Konsequenzen drohen“. Daher sollten die Strafen so hart sein, dass das abschreckt. „Der Verein muss rigoros durchgreifen!“

Spiel(er)infos:

Joshua Kimmich zog sich im Training nach einem Zweikampf (laut LVZ mit Sebastian Heidinger) einen Außenband-Anriss im Knöchel sowie eine Verletzung an der Kapsel des Innenbandes zu. Ein Einsatz am Freitag ist unwahrscheinlich. Marvin Compper konnte nach seiner Adduktorenzerrung aus dem Nürnberg-Spiel bisher nur Lauftraining absolvieren. Auch sein Einsatz entscheidet sich kurzfristig.
Ausfälle: Fabian Franke, Henrik Ernst, Ante Rebić

Was: 11. Spieltag 2. Bundesliga – RB Leipzig (5.) gegen VfL Bochum (8.)
Wann: Freitag, 24. Oktober 2014 um 18:30 Uhr
Wo: Red Bull Arena

Bisher verkaufte Tickets: 26.000
Das Spiel wird live auf Sky übertragen