Konzert am 26.3.2017 im Admiralspalast Interview mit Yvonne Catterfeld zu ihrem neuen Album „Guten Morgen Freiheit“

„Guten Morgen Freiheit“ ist bereits das siebte Album von Yvonne Catterfeld. Wir waren dabei, als die Berliner Sängerin und Schauspielerin einige Songs daraus im kleinen Rahmen auf der Hamburger Schanze vorstellte, und haben ihr danach ein paar Fragen gestellt...
 
Hört man bei deinen Texten genauer hin, ist „Guten Morgen Freiheit“ ein sehr persönliches Album geworden, vielleicht dein Intimstes. Gerade in einem Song wie „Was Bleibt“ zeigst du dich sehr verwundbar. Was bedeutet es dir, mit deinem Innersten nach außen zu treten?
 
Es freut mich, dass es auch so ankommt. Ich finde, alles andere – von außen zu beginnen – macht keinen Sinn. Es wäre oberflächlich – außer man beobachtet, was ich ja auch tue. Dennoch frage ich mich inzwischen bei jedem Song: Ist der wichtig? Bedeutet er mir was? Denn wenn er mir nichts bedeutet, warum soll ich ihn dann machen? Ich finde, in uns steckt so Vieles, was uns den Weg weist. Es hat viele, viele Jahre gedauert, bis ich darauf immer mehr vertraut habe. Es müssen mich Dinge bewegen, alles andere macht für mich keinen Sinn mehr. Und da sind wir dann auch bei meinem Song „Was bleibt“, in dem ich mich dem Thema Vergänglichkeit widme und der Frage, was wirklich wichtig ist und im Rückblick denn tatsächlich wichtig war. Das verändert Entscheidungen.
 
Diese Frage hat sich auch gestellt, weil du bei dem kleinen Showcase in Hamburg positiv aufgekratzt und aufgeregt gewirkt hast. Du hast erwähnt, dass du nur selten auftrittst. Warum?
 
Es gibt nicht viele Menschen, die zwei Berufe gleichzeitig ausführen. Das erfordert jeweils 100%igen Fokus, wenn man es nicht nur gut machen will, sondern so gut wie möglich. Viel Zeit habe ich mit der Schauspielerei verbracht und immer wieder langjährige musikalische Pausen eingelegt. Wenn jemand „ausschließlich“ Musiker ist, hat er gar keine andere Wahl, als viel zu spielen. Bei mir hat es sich eben ins Drehen verlagert.
 
Auch im Licht dieser zwei Fragen: Was bedeutet Freiheit für dich?
 
Freiheit bedeutet auch immer Abenteuer, Risiko, aber auch Konsequenz. Wenn man frei sein will, in welcher Hinsicht auch immer, muss man Sicherheit aufgeben. Die meisten Menschen sehnen sich nach Sicherheit wie auch nach Freiheit. Das macht uns Entscheidungen schwer. Vor allem wenn ich mir Freiheit als politischen Begriff nehme, empfinde ich Dankbarkeit, wirklich frei zu sein. Ich kann mich jeden Morgen freuen, frei zu sein in dem was ich tue, entscheide, wem oder was ich Aufmerksamkeit schenke, und genieße am Ende vielleicht auch eine gewisse finanzielle Freiheit, die mir ermöglicht, nicht machen zu müssen, was ich nicht will.
 
Man nimmt das Album zunächst doch stark über seine Textlichkeit auf. Was war dir auf der anderen Seite diesmal musikalisch besonders wichtig?
 
Dass jeder Text sein passendes Outfit bekommt (lacht) Mir ist Haltung sehr wichtig. Und da haben der Text und die Aussage einen großen Einfluss auf die musikalischen Gewürze. Außerdem habe ich diesmal meinem eigenen Geschmack mehr Platz eingeräumt als sonst: Da gibt es hier und da Soul, aber auch Reggae wie auch ein paar Hip-Hop-Sounds.
 
In der letzten Frage möchten wir dir gerne Raum geben, ein Thema anzusprechen, das dir in Zusammenhang mit unserer Stadt Berlin – oder auch deinem Kiez – am Herzen liegt. Gibt es da etwas, dass dich besonders umtreibt, bewegt?
 
Beruflich gibt es keine bessere Stadt für mich. Ich mag die Menschen, ob Berliner oder Zugezogene, das Multikulti, die Offenheit. Berlin hat viele Gesichter zu bieten. Oft ist es mir aber zu grau, zu trist, manchmal zu bunt, und vielleicht ist Berlin auch nicht die Stadt mit der höchsten Sicherheit, und hier und da ist mir die Aggression zu vordergründig. Aber eigentlich liebe ich Berlin, denn keine Stadt bietet so viel Abwechslung!


Infos: Konzert am 26.3.2017 im Admiralspalast, Homepage von Yvonne Catterfeld