Besuch auf der Erotikmesse Vergöttert: RoxxyX auf der Venus Berlin 2016

Im Interview mit Erotikmodel RoxxyX wird klar, wie viel Ehrgeiz und Opfer ein Job im sinnlichen Milieu fordert.

© Vincent Grundke
Im Interview mit Erotikmodel RoxxyX wird klar, wie viel Ehrgeiz und Opfer ein Job im sinnlichen Milieu fordert.

Es geht alles ganz fix: Wer die riesigen Hallen der Messe Berlin zum 20. Jubiläum der Venus betritt, wird von einem massiven Besucherandrang erfasst und förmlich mitgerissen. Tausend Eindrücke bunter Erotikspielzeuge prasseln in Sekundenschnelle auf weite Augenpaare. Es geht vorbei an schrillen Intim-Toupets, Live-Enthaarungen an Männern, Fetisch-Pärchen in Ganzkörper-Latexanzügen und dem neuesten Coup: Virtual Reality Porn. VR-Brillen helfen dabei, alle optischen Einflüsse neben der „eigentlichen Sache“ auszublenden. Per Kopfbewegungen steuert man, ist mittendrin im Geschehen.

An unzähligen Ständen geben Pornodarstellerinnen Autogramme.

Weiter geht’s: Äußerst knappe Lack- und Lederteilchen werden von übertrieben euphorischen Models mitten auf den Gängen vorgeführt, an unzähligen Ständen geben Pornodarstellerinnen Autogramme. Im Hintergrund pumpen aus allen Ecken laute Technobeats, nirgends herrscht Ruhe. Grelle Smartphone-Blitze schmettern auf barbusige Busen, besonders in der Show Area. Dort geht es mit interaktiven Dildo-Shows richtig zur Sache. Und das auch mal fantasievoll als „Game of Thrones“-Performance. Seifenschaum fällt als Schnee von der Decke zu dramatischer Orchestermusik.

Irrer Wahnsinn alles. urbanite hat sich deshalb mit Erotikmodel RoxxyX getroffen, um diese ganz besondere Welt zu ergründen. Durch ihre Freundin und heute Kollegin Jolyne Joy ist die Zahnarzthelferin RoxxyX vor fünf Jahren zur Webcam gekommen. „Ich habe mich irgendwann gefragt: Ist das jetzt alles?“ Alltagsrhythmus ohne Abwechslung, der Sinn stand nach was Neuem. Jetzt liebt sie das Leben vor der Webcam, bei Shootings und auf Messen wie der Venus. „Irgendwann möchte man auch was zurückgeben, ich mache gerne die Fotos mit den Fans. Sie sind superlieb, keiner drängelt vor“, freut sich RoxxyX. Ihr Alltag ist sonst distanzierter: „Ich bin den ganzen Tag über online, mit Pausen dazwischen. Abends läuft es meist besser. Ich sehe meinen Job – das liegt auch an meinem eigenen Ehrgeiz – als 24-Stunden-Job. Ich bin so sechs, acht Stunden pro Tag vor der Webcam.“ Hartes Pensum, wofür starke Nerven gefragt sind.

Roxxy erklärt, welche Charaktereigenschaften wichtig sind für ein Erotikmodel

RoxxyX  erklärt, welche Charaktereigenschaften wichtig sind für ein Erotikmodel: „Man sollte ehrlich sein, an sich selber sehr anspruchsvoll und wie gesagt den Ehrgeiz haben. Man muss fleißig sein, sich neue Sachen einfallen lassen, nicht in einen Rhythmus geraten.“ Außerdem nimmt Körperpflege einen großen Teil des Tages ein: „Ich muss auf mein Äußeres achten, regelmäßig zum Friseur – all der Mädchenkram. Gerade Fingernägel, Wimpern, Haare.“

Hier auf der Venus wird sie vergöttert, aber abseits des Erotik-Geschäfts schätzen nicht alle die Entwicklung des heutigen H-Körbchens RoxxyX. „Ich hatte leider das Pech, dass ich es damals nicht meinen Eltern sagen konnte. Da war meine Cousine schneller. Natürlich waren sie erstmal geschockt. Wir haben uns dann ausgesprochen, sie akzeptieren das. Ein Elternteil findet das nicht unbedingt toll, aber sie unterstützen mich.“ Beim Freundeskreis verhält es sich ähnlich. „An dem Punkt merkt man, wer wirklich Freunde sind.“ Ihre Freunde, die nicht aus dem Erotikbereich kommen, kann sie an einer Hand abzählen. Die anderen wollten nichts damit zu tun haben. „Eine Freundschaft macht es gerade aus, dass man so sein kann, wie man so sein möchte.“ So oder so: RoxxyX weiß, dass sie ihrer Leidenschaft nicht ewig nachgehen kann. Sie plant schon fleißig ihre Zukunft: „Mir ist klar, dass man nicht sein Leben lang Webcam machen kann. Man wird älter, irgendwann will man einen auch nicht mehr sehen – nackt zumindest. Ich mache gerade eine Weiterbildung zur Moderation und Beratung. Vielleicht auch mehr fürs Fernsehen.“