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Street Art Workshops von Alternative Berlin

Eine Tour durch die Spayerszene Berlins

Streetart Workshop
Sprühen muss gelernt sein
Grafitti sind ein bedeutender Teil der urbanen Kultur. Bei alternativen Stadttouren, die von Künstlern selbst organisiert und geleitet werden, kann man viel über ihre Bedeutung erfahren. 

Alternative Berlin Tours suchen Abenteuer und Faszinationen jenseits der Touri-Hotspots. Auch Einheimische können bei den liebevoll zusammengestellten Touren noch viel entdecken. Zur Auswahl stehen die „Craft Beer Tour“, Verborgenes in der nächtlichen „Twilight Tour“, die „Green Tour“ durch das grüne Herz Berlins oder der „666 Anti Pubcrawl“ durch kuriose Bars. Seit 2006 gibt es die Ausflüge. Mittlerweile arbeiten 35 Guides, meist selbst schaffende Künstler – daran, „verantwortlichen, respektvollen und offenen Geistern die rohe und künstlerische Seite dieser großartigen Stadt“ zu zeigen.


Rob
Rob führt durch das Berlin der Sprayer
urbanite hat sich für den Street Art Workshop samt Tour durch Kreuzberg entschieden. Unser Guide heißt Rob und sprüht seit seiner Kindheit Street Art, hatte sogar sieben Jahre lang eine Galerie in Berlin. Schon an der ersten Station am Kottbusser Tor beschreibt er das Wesen seiner Kunstform. An einer Wand hängen Fetzen eines abgerissenen Drucks von Shepard Fairey, der für die weltberühmten „Obey“-Kunstwerke verantwortlich ist.


Grund für die Beschädigung: „Seine Kunst kann, wenn sie gut von der Wand gelöst wird, im Internet für 6.000 Euro verkauft werden“, lässt Rob wissen. „Der stetige Wandel ist das Wundervolle, aber auch das Traurige an Street Art.“ Natürlich verdienen derartige Diebe keinen Respekt. Genau so wenig wie Künstler, die über das Bild von anderen sprühen, also Street Art „crossen“, wie der Experte sagt. Dann gibt es oft Rache in Form absichtlicher Zerstörung der Kunst des Crossers. Manchmal endet ein solch erbitterter Streit im Faustkampf. 

Etwa die Hälfte der Sprayer sind Frauen 

Mural
ROA's Wandgemälde: aufgehängte Tiere
Als Rob selbst ein Street-Art-Festival veranstaltete, fragte er nicht nur einen Kreuzberger Hausbesitzer, ob er dessen Wand bemalen lassen darf. Sondern er machte aus Respekt vor der Kunst auch jeden einzelnen Graffiti-Sprayer ausfindig, der seinen Tag, eine Art schnell-Signatur, auf der besagten Wand verewigt hatte. Heute thront an prominenter Stelle beim Görlitzer Bahnhof ein riesiges Mural, Szene-Wort für Wandgemälde, von aufgehängten Tieren. ROA heißt der Künstler. Wie man so ein riesiges Wandbild erschafft, welche Mittel und Techniken man braucht, das erklärt Rob alles mit extrem witzigen Unterton samt historischem Hintergrund von Street Art.


Auch, was ein Throw-Up ist (ein schnelles Werk) und warum es möglichst zügig auf den Untergrund gebracht werden sollte: weil die Polizei eben nur ein paar Meter entfernt stehen kann. Wer wissen will, wie man ihr entkommt, wie man an nicht zugängliche Orte kommt und wie viele Buchstaben ein Tag haben sollte – Rob hat Rat parat. So hilft zum Beispiel Unauffälligkeit. Ein blumiges Mädchen wird nicht oft als Sprayer auf der Straße wahrgenommen. Die Sprayerin Po wurde damit zur „Queen of Berlin“, sie hat in der ganzen Stadt comichafte Hinterteile gesprayt. Und sie schaffte in kurzer Zeit „die meisten Kunstwerke und damit den größten Schaden“, sagt Rob. Und sowieso seien Sprayer nicht nur Typen, sondern etwa die Hälfte sind Frauen, weiß Rob. 

„Wir erkennen den Wert von Kultur nicht“ 

Streetart
Jedes Mural bedeutet Kultur
Die Tour kommt am gewaltigen Astronauten nahe dem Kottbusser Tor vorbei, passiert Feuerlöscher-Kunst von Just sowie die haushohen Graffitis der Berlin Kidz, die sich dafür vom Dach abseilen. „Street Art ist die Stimme des Ghettos“, erklärt Rob. „Das wertet die Gegend gleichzeitig auf und steht in Wechselwirkung mit Gentrifizierung.“ So können aus Elendsvierteln Kunsträume entstehen. Graffiti habe seinen Ursprung bei Kleinverdienern und im kriminellen Milieu. Es gehe um die Kontrolle über die Umgebung und Selbstbewusstsein, Respekt kriegen. „Wir erkennen den Wert von Kultur nicht, während sie geschieht“, erinnert uns unser Guide. „Erst wenn wir in der Retrospektive draufschauen. Indianer machen das seit zehntausenden Jahren in den Höhlen. Warum ist Street Art heute weniger wertvoll?“


Um ein Gefühl für das Sprayen zu bekommen, lädt Rob nach zweieinhalbstündiger Tour in eine große, wegen seiner überragenden Wandbilder faszinierende Halle in Lichtenberg ein. Dort kann sich jeder Teilnehmer ein Motiv auf Papier aussuchen oder selbst eines kreieren. Aus dem Blatt wird sorgfältig eine Schablone getrennt, mit deren Hilfe Motive entstehen. Nach filigraner Fingerarbeit und Lektionen über diverse Spray-Techniken erschafft jeder in zwei Stunden sein eigenes Stück Erinnerung. Mit der selbst designten Kunst und einem reichhaltigen Verständnis für die Szene dürfen dann alle stolz nach Hause wandern.  

 

Infos: www.alternativeberlin.com



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