Slackline Leipzig

Schritt für Schritt – Ausprobiert: Slackline

Die innere Mitte finden – Gut dosierte Erfolgserlebnisse beim Slacklinen

22.05.2018

Slackliner gehören zu den Leipziger Parks wie das Sterni zum Cornern. Aber was machen die Seiltänzer da eigentlich? Wir haben den Trend unter die Lupe genommen und dabei (fast) unser inneres Gleichgewicht gefunden.

Schritt für Schritt zum Erfolg - Ausprobiert: Slackline
urbi-Autorin Anna ist von den meditativen Aspekten des Slackline noch nicht ganz überzeugt ...

 

„Mama guck mal, was machen die denn da?“ Ein kleiner Junge zeigt mit seinem pummeligen Finger auf eine Baumgruppe im Clara-Zetkin-Park, zwischen der Seile in verschiedener Höhe gespannt sind. Ein junger Mann klettert auf eines der Seile, richtet sich auf und balanciert gekonnt darauf. Hier bin ich genau richtig! Das, was „die da“ machen, nennt sich Slacklinen im Verein „Slacknetz e.V.“ und ich werde mir das heute ganz genau ansehen.

Slacker Simon begrüßt mich auf seiner Picknickdecke, die er neben der Slackline ausgebreitet hat. „Slackline wurde von den Kletterern im Yosemite Nationalpark in den frühen 90ern erfunden“, klärt er erstmal die Fakten, „wenn schlechtes Wetter war, begannen die Kletterer einfach ein Seil zwischen den Bäumen zu spannen und darauf Kunststücke zu probieren.“ Heute ist Slacklinen, also das Balancieren auf einem Seil zwischen zwei Befestigungspunkten, eine Trendsportart – wie man sehr gut in den Leipziger Parks erkennen kann. Und dann bin auch schon ich dran!

 

Simon rät mir zu einem der tiefer gespannten Seile. Als erstes soll ich das Aufsteigen üben. Blick nach vorne, Arme hoch und den ganzen Körper anspannen – ich richte mich auf, das Seil wackelt zur Seite und ich stürze wie ein Pinguin beim Flugversuch zu Boden. Frustration? „Die sollte es beim Slacken nicht geben“, erklärt Simon, „am Anfang brauchst du sehr viel Geduld, aber schnell kriegst du gut dosiert deine Erfolgserlebnisse.“ Mit seiner Hand im Rücken beim Aufsteigen probiere ich es wieder und wieder. Und wieder! 

 

 

Die Highline als Highlight

 

Slackline Leipzig
Für Profis geht's auch hoch hinaus: Zwischen den Häusern ist eine Highline gespannt.
Die Atmosphäre im Park ist gemütlich. Andere Slacker mit Freunden und Familie haben ihre Decken auf der Wiese ausgebreitet, picknicken oder spielen Karten. Die Sonne scheint. So könnte man Tage, nein Wochen auf und um der Slackline verbringen! Ich mache Pause und gucke den anderen Slackern zu. Vereinsmitglied Roland ist gerade auf der „Trickline“ beschäftigt und zeigt einige Kunststücke. Beim „Buttbounce“ springt er wie auf einem Trampolin in die Höhe, landet auf dem Hintern und katapultiert sich wieder nach oben. Beim „Chestbounce“ genau das Gleiche, nur mit der Brust. Ich erfahre, dass es viele Variationen und Disziplinen auf der Slackline gibt. Die Waterline ist ein Seil, dass über Wasser gespannt ist. Die Highline wird in luftiger Höhe beispielsweise zwischen zwei Häuser oder eine Schlucht gehängt! 

 

 

Nicht ohne meinen (Baum-)Schutz

 

Slackline Leipzig
Simon unten, Roland oben: Die Trickline ist nochmal härter gespannt.
Fürs Slacken braucht man tatsächlich nicht viel: Die Line und einen Baumschutz. „Der Baumschutz ist wichtig, weil der Baum nicht zu Schaden kommen soll“, berichtet Simon. Sonst könnte es nämlich auch schon mal leicht Ärger mit der Stadt geben. Und was ist mit dem Menschenschutz? „Den brauchst du nicht“, lacht der Slacker, „man fällt nicht gefährlich und mit ein paar blauen Flecken muss man eben am Anfang rechnen!“ Eine dünnere Line ist zu Beginn empfehlenswert, weil das Sprunggelenk am Anfang noch viel kippelt. Einsteigerhilfe wie für jedes Hobby: YouTube! Viele Tutorials zeigen einem die ersten Tricks. Am wichtigsten ist es aber, sich an andere Slacker zu wenden. „Eigentlich ist es ja ein Einzelsport, jeder steht auf der Slackline alleine”, überlegt Simon, „trotzdem ist die Community sehr groß und man kann nur durch einander lernen!“ 

 

Der Slacknetz e.V. ist locker organisiert. Gegründet im Jahr 2014 sind es mittlerweile 28 Seiltänzer und es werden immer mehr. Im Winter fanden regelmäßig Treffen in einer Halle in der Hohen Straße statt. Im Sommer lohnt es sich vor allem, einen Blick auf die Facebook-Gruppe „Slackline Leipzig“ zu werfen. „Da postet eigentlich fast jeden Tag jemand was rein“, weiß Simon, „wir treffen uns im Clara-Park neben der Sachsenbrücke oder in anderen Parks in Leipzig. Jeder ist willkommen!“ Das Equipment bringt jeder selbst mit, gerne können auch zu Beginn die Seile der anderen Mitglieder genutzt werden. 

 

Slackline Leipzig
Sogar Babys hören beim gemütlichen Schaukeln auf der Slackline mit dem Weinen auf!
Nach einigem Üben und immer wieder Runterfallen merke ich, was Simon mit den „gut dosierten Erfolgserlebnissen“ meint. Erst schaffe ich einen Schritt, dann zwei. Ich falle, steige wieder auf. Der Ehrgeiz packt mich. Vielleicht schaffe ich noch einen weiteren Schritt? Vier mal setze ich am Ende den Fuß auf, bevor ich wild mit den Armen rudere und abspringen muss. Aber noch ist kein Slackmeister vom Seil gefallen. Der Erfolg kommt, wie Simon selber sagt, Schritt für Schritt.



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