PappMeister Leipzig

Made in Leipzig: PappMeister

Übung macht den (Papp)Meister

13.11.2018

Zwei Bauteile aus Wellpappe für das Verbinden und Verbauen übrig gebliebener Papprohre von Küchen- und Toilettenpapier – klingt erst mal echt simpel! Wie viel Zeit, Prototypen und Tests für dieses – und man kann es wirklich so nennen – Designprodukt für Kids und Bastelfreunde ins Land gingen, erfuhren wir von den PappMeistern höchstpersönlich und versuchten auch, unsere eigene Fantasie und Kreativität aus Kindertagen mal wieder herauszukitzeln. 

PappMeister Leipzig
Eva und Thomas Groeneveld begrüßen uns in ihrem Büro / Bastelstudio

„Herzlich Willkommen liebes urbanite-Team!“, begrüßt uns ein Papprohr-Affe vor den Räumen der JET Greenfield GbR. Gleich dahinter empfangen uns auch die Besitzer von Affe und der Idee, aus einem Alltags-Überbleibsel kreative und nützliche Bauwerke entstehen zu lassen.

Eva und Thomas Groeneveld gründeten im April 2017 ihre gemeinsame Firma und gingen vor einem Jahr mit PappMeister an den Start, wobei auch ihr heute 10-jähriger Sohn als Miterfinder und -designer nicht unerwähnt bleiben darf. Schon als er noch ganz klein war und der häusliche Küchenrollenverbrauch immens in die Höhe ging, wurde die Idee der Groenevelds geboren und hat sich über viele Jahre weiter manifestiert. Warum nicht aus einem stabilen, umweltfreundlichen, recyclebaren Material noch mehr herausholen und Pappe statt Plastik zur Kinderspieldevise machen? „Auch wenn es die Idee schon lange gab, hatten wir, ehrlich gesagt, auch erst mal genug anderes zu tun, also mit unserem Sohn und unseren Hauptjobs, aber irgendwann war es an der Zeit und wir wollten auch mal etwas eigenes entwickeln“, beschreibt Eva die Zündung der Vision PappMeister. Als selbstständige Unternehmensberater und Projektmanager verfügten die beiden schon mal über das theoretische und wirtschaftliche Know-how, aber auch die Praxis wurde ausgiebig erbastelt: „Im Herbst 2016 fingen wir an, mit befreundeten Familien zahlreiche Produkttests zu machen.“

PappMeister Leipzig
2 Bäume ergeben eine Kugel und einen Stift


Das Grundwerkzeug des Pappmeisters ist der sogenannte Baum, ein gestanztes und geschnittenes flaches Bauteil aus Wellpappe (das eben wie ein Baum aussieht). Aus zwei Bäumen werden dann unkompliziert wie genial eine sogenannte Kugel und ein Stift zusammengesteckt – der Stift für die Verlängerung der Rohre, die Kugel für das Weiterbauen und Verbinden in alle möglichen Richtungen.

 

Romantik und Realität

Für einen nicht-Unternehmensgründer nur zu erahnen, welcher Rattenschwanz an Aufgaben und Behördengängen in der realen Umsetzung nach der romantischen Idee einer eigenen Erfindung lauert. „Zum Glück wussten wir durch unsere beruflichen Hintergründe einigermaßen, was auf uns zukommt“, beschreibt Thomas, „aber es ist schon unglaublich viel zu erledigen. Wenn du ein Spielzeug auf den Markt bringen willst, unterliegt das natürlich strengen Sicherheitsnormen. Und dann musst du schon ganz genau wissen, wie dein Produkt aussehen und funktionieren soll.“ In der Prototypenphase testete die Familie verschiedene Pappenstärken, Größen und auch farbige Varianten. „Andere Eltern machten uns darauf aufmerksam, dass die Teile vielleicht bunt sein sollten, damit sie mehr zum Spielen einladen – den Kindern war das aber tatsächlich egal. Die haben einfach drauf losgebaut. Das unterstützt natürlich unseren puristischen Gedanken hinter dem Produkt – und den Umweltfaktor“, ergänzt Eva. Einfach kann so schön sein.

Haptik statt Hektik 

PappMeister Leipzig
Oh WOW ... diese Haptik!
Erstmals an die Öffentlichkeit gegangen sind die Groenevelds mit PappMeister letztes Jahr zur Designers‘ Open; zum Einen beim Newcomer Catwalk, zum Anderen in der Kids Corner. Die Resonanz auf der Messe war großartig. „Wir wussten vorher ja überhaupt nicht, wie es in der Masse ankommen würde. Dass dann durchgehend Leute bei uns waren und wir alle unsere mitgebrachten PappMeister-Sets verkaufen konnten, war eine immense Bestätigung und Erleichterung.“ Anfangs noch per Hand zurechtgeschnitten, werden die Bäume heute in einer Leipziger Kartonfabrik gestanzt. Auch Rollen kann man gleich mitbestellen, wenn man sofort lospappmeistern will. Das „Starter-Set“ mit je 50 Kugeln und Stiften sowie 38 Rohren kostet 29,95€, man kann aber auch nur die Verbindungsteile oder Rollen kaufen. 


Auch wir werden eingeladen, „einfach mal loszubauen“ und stellen fest, dass das stabile Zusammenstecken der Bauteile doch einige Fingerfertigkeit und Übung erfordert. Eine haptische Erfahrung, wie man sie als Sklave der stumpfen Tastatur doch nur selten erlebt. Toll! Deswegen sind neben der Zielgruppe von Kindern ab ca. sechs Jahren durchaus auch Einsatzbereiche in Therapie und Teambuilding, aber genauso in Theater (Kulissenbau) oder Architektur (Erproben des Raumgefühls) denkbar. Aber das ist derzeit noch Zukunftsmusik. Erst einmal sind die PappMeister froh, dass ihr Produkt so gut angelaufen ist. Neben Expertentipps und Hinweise für das Bauen mit Kindergruppen finden sich auf der Website sogar Ratschläge entgegen falscher Erwartungen. „Unser Spielzeug ist ein Verbrauchsmaterial. Je nach Umgang werden sich die Teile natürlich abnutzen, Pappe kann knicken, es ist Geduld und Übung beim Bauen gefragt, jüngere Kinder brauchen ggf. Hilfe beim Zusammenstecken und nicht alle Haushaltsrollen passen perfekt.“ Eine Ehrlichkeit, mit der man durchaus leben kann.

PappMeister Leipzig
Erwecke den Pappmeister in dir!

Web: www.pappmeister.de

 



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