Dance-Pop ist zurzeit wieder „das“ aufkeimende Musikgenre. Lady GaGa, Ke$ha und David Guetta sind nur drei Beispiele jüngster Dance-Acts und es werden noch weitere Folgen. Was viele Musikfreunde, vor allem der jüngeren Generation, vergessen haben, ist, dass es in den 90ern schon einmal eine solche Phase gab. SNAP!, Culture Beat und Dr. Alban sind den Meisten heute nur noch sehr schwach in Erinnerung.

Für den Abend war neben einer DVD-Präsentation ein 40 Minuten langer Auftritt von Dj BoBo und seiner Band vorgesehen. Tatsächlich dehnte sich dieser aber auf knappe zwei Stunden aus. Das Besondere dabei war, dass René Baumann, so der bürgerliche Name des Dj, nicht nur danach Einzelinterviews gab, sondern sich zwischendurch den neugierigen Fragen des Publikums stellte und vor jedem gespielten Song etwas dazu erzählte. Dadurch bekam der Abend in der sowieso schon sehr gemütlichen Club Atmosphäre eine noch intimere Stimmung und die Zuschauer erlebten im Kontrast zwischen neuen Songs und älteren Geschichten eine kleine Zeitreise im Leben des Dj BoBo.

„Snap! war sehr wichtig für mich. Ich habe selber zwischen ´86 und ´92 als Dj aufgelegt und schon relativ schnell angefangen eigene Platten zu produzieren. 1991 kamen dann die ersten Songs von Snap! dazu. Die ersten Platten, die ich gemacht habe Ende der 80er und Anfang der 90er, haben noch nicht richtig funktioniert. Die Tanzfläche war danach immer leer. Ich wusste nicht genau woran das lag. Ich hatte diesen magischen Schlüssel noch nicht. Und dann kam 1993 „Rhythm is a Dancer“ von Snap!. Dieser Song hat einen unglaublichen Basslauf, der für mich heute noch immer unerreicht ist. An diesen Song habe ich dann probiert, mich zu orientieren. Und dann kam „Somebody Dance With Me“, mein erster großer Hit und wenn man genau hinguckt, sind die Bässe fast gleich.“

Natürlich kam man im weiteren Verlauf des Abends auch auf die immer währende Entwicklung der Musikszene zu sprechen. Die Krise der Plattenindustrie hat selbst bei BoBo nicht halt gemacht. So halbierten sich in den letzten Jahren seine Absätze und die Haupteinnahmequelle hat sich auf die großen Touren verlagert. Äußerst sympathisch fing Baumann aber nicht an zu jammern, sondern gab ganz offen zu, dass er trotzdem noch genug Geld hat. Außerdem spiele er noch immer in der „Champions League der Musik“ und darf große Hallen füllen. Doch auch er musste sich der stetig wandelnden Musikszene anpassen. Während er früher eher gerapt hat, fand man in den vergangenen Jahren immer mehr Gesang in seinen Songs.
„Als die Eurodance-Welle ´97/´98 rapide nach unten ging, haben wir gespürt, wenn wir so weitermachen wie bisher – und zwar: Mann rapt, Frau singt – haben wir keine Chance zu den Erwachsenen zu kommen. Wir mussten also irgendwie den Sprung von den Kids hin zu den Erwachsenen zu schaffen. Die Kids liefen ja der ganzen Musikszene in Scharen davon. Was gestern noch voll in war, ist heute auf einmal total out. Bei „It’s my life“ fing ich dann an, die Bridge selber zu singen und hab das bei den nächsten Songs immer weiter ausgebaut. So war der Wechsel von Rap, der nicht mehr zeitgemäß war, hin zum Gesang vollzogen. Dieser Wechsel hat sich über mehrere Jahre hingezogen und das war eine gute Entscheidung. Sonst hätte man keine Chance mehr in der Wahrnehmung der Menschen gehabt.“
Für die Zukunft prognostizierte Baumann, dass sich die aktuelle Dance-Pop Phase noch sechs bis acht Jahre hinziehen wird. Wir von urbanite haben uns dann noch besonders interessiert, ob er sich als alter Haudegen des „Dance“ vorstellen könnte, mit den jungen Acts einen Song zu aufzunehmen.
„Natürlich wäre es eine Idee für die Zukunft, dass man ein Duett mit einem neuen Dance-Künstler macht und ich denke in Zukunft kann da einiges kommen. Geplant ist noch nichts, aber möglich wäre es.“
Während des Abends spielte Baumann acht Songs seines neuen Albums „Fantasy“. Darauf enthalten ist der klassischen Dj BoBo- Sound und seine Melodien, die einem ewig im Ohr bleiben, aber auch musikalische Einflüsse aus dem Orient und Afrika. In den kommenden Monaten wird der Schweizer mit seiner neuen Platte auf große Fantasy-Tour gehen. Ein besonderes Highlight ist wieder einmal die Bühne. BoBos technischer Leiter Eddy Frühwirth hat sich dabei selbst übertroffen und alle bisher bekannten Dimensionen gesprengt. Ein 13,5m hoher, aus 375 Einzelteilen bestehender, 6-armiger Buddha bildet während der Tour die Bühne. Das verlangt nicht nur eine unheimlich große logistische Meisterleistung der Organisatoren, sondern auch höhenangstfreie Beteiligte der Show. Tänzer und Band spielen und agieren während des Auftrittes auf Plattformen in bis zu neun Metern Höhe. Zusätzlich unterstützt ein aufwändiges Lichtdesign das große Spektakel.
Dj BoBo ist trotz seines Superstar-Status immer noch ein ganz normaler, ausgeglichener und ruhiger Mensch geblieben, der seine Familie liebt, seine Freunde schätzt und auch die Nähe zu seinen Fans sucht. Die Besucher und Fans seiner kommenden Tour können sich nicht nur auf richtiges Highlight einstellen, sondern auch auf einen sympathischen und gut gelaunten Künstler freuen.