Eine Perle im Muldental Unterwegs im Leipziger Umland #5: Grimma

Südlich von Leipzig liegt diese Kleinstadt ganz idyllisch im Muldental. Ob mit dem Rad oder zu Fuß – in Grimma gibt es einiges zu entdecken.Was genau? Das erfahrt ihr im fünften Teil unserer Umland-Reihe.

Von Leipzig aus erreicht man den Ort per Bahn in etwa dreißig Minuten. Ganz Entspannte können auch in einer knappen Stunde per Bus anreisen. Die Altstadt von Grimma ist durch seine geradlinigen Straßenverläufe perfekt für einen Stadtbummel geeignet und zeichnet sich durch seine vielen schönen historischen Gebäude aus.

© Cindy Hiller

Entdeckungstour längs der Mulde

Wir starten mit unserem Rundgang an der Hängebrücke, die mit ihren achtzig Metern Länge die Mulde überspannt. Oberhalb der Brücke steht die Gattersburg. Sie wurde im 19. Jahrhundert als private Villa errichtet und beherbergt heute ein Hotel. Unterhalb der Villa liegt noch ein kleiner Park mit einer künstlichen Ruine der Bärenburg. Wir folgen dem Weg bis zur ehemaligenGroßmühle. Hier führt ein kleiner Durchgang direkt auf den Weg, der sich zwischen Mulde und Resten der altenStadtmauer entlang schlängelt. Das Besondere an der Mauer sind die kleinen Gartenlauben, welche darauf gebaut wurden. Sie gehören zu den Grundstücken, die dahinter liegen und sind nicht der Öffentlichkeit zu­gänglich. An der Front eines der Häuschen steht der Name„Stolle“. Er bezieht sich auf Ferdinand Stolle (1806–1872). Der Schriftsteller lebte von 1834 bis 1855 in Grimma und widmete der Stadt auch ein kleines Gedicht.

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Weiter entlang des Weges liegt die Klosterkirche. Sie wurde 1435 errichtet und gehörte zum benachbarten Kloster, auf dessen Gelände sich heute das Gymnasium St. Augustin befindet. In der Kirche predigte schon Martin Luther, der sie aufgrund ihrer schwierigen Akustik als „Brustbrecher“ bezeichnete. Neben der Kirche führt ein kleiner Durchgang zu der Straße, in welcher sich das Kreismuseum befindet. Hier erfährt man in einer Dauerausstellung alles zur Stadtgeschichte, die von den Anfängen im 13. Jahrhundert bis zur Entwicklung wichtiger Industriezweige im 19. und frühen 20. Jahrhundert reicht. Daneben gibt es auch immer wechselnde Sonderausstellungen. Wir laufen den kleinen Durchgang zurück und setzen den Weg entlang des Flusses fort bis zur Pöppelmannbrücke. Sie wurde während des Hochwassers 2002 so stark beschädigt, dass sie gesprengt werden musste. Seit 2012 ist sie wieder benutzbar, allerdings nur für den Fußgängerverkehr.

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Durch die Altstadt

Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf den gegenüberliegenden Stadtwald, die Mulde und auch das Schloss. Es wurde von 1389 bis 1402 errichtet und diente den Wettinern einige Zeit als Nebenresidenz. Seit 1880 ist dort das Amtsgericht untergebracht. Am Schloss vorbei biegen wir in die Brückenstraße ein und laufen bis zum Marktplatz. Geprägt wird dieser Platz besonders vom Rathausgebäude mit seinem schönen Renaissancegiebel. In einem Anbau befindet sich die Rathausgalerie, die Werke lokaler Künstler:innen ausstellt. Zum Abschluss unseres Rundganges folgen wir der Langen Straße noch bis zur gotischen Frauenkirche. Die 42 Meter hohen Türme des Gebäudes sieht man schon aus der Ferne.

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In Grimma gibt es auch kulinarische Highlights. Wir empfehlen das Restaurant Raffinesse. Es liegt ganz malerisch neben der Anlegestelle der Mulden­schifffahrt und bietet gehobene lokale Küche an. Der Ratskeller am Markt setzt ebenfalls auf moderne sächsische Küche und frische saisonale Zutaten. Wenn ihr während der Altstadttour eine kleine Verschnaufpause braucht, besucht doch das Café Nostal­gie. Hier gibts nicht nur Kaffee, sondern auch leckere Kuchen und Torten.

Um Grimma herum

Die Stadt liegt am Mulderadweg und lässt sich wunderbar einbinden in einen Ausflug durch die Region um die Kleinstadt herum. Denn auch an den Rändern des Ortes gibt es Sehenswertes. Südlich von Grimma liegt die Ruine des Klosters Nimbschen. Im Jahr 1523 ist die damalige Nonne Katharina von Bora (1499–1552) angeblich in einem Heringsfass von hier geflohen. Aus Leipzig „floh“ dafür jemand nach Grimma, genauer in den heutigen Stadtteil Hohnstädt. Der Verleger Georg Joachim Göschen (1752–1828) verlegte erst seinen Wohnsitz hierher und später auch den Sitz seiner Druckerei. In seinem Haus waren viele Schriftsteller zu Gast, u. a. Friedrich Schiller. Das Museum Göschenhaus ist nur mit einer Führung zu besichtigen, die sich aber sehr lohnt.

Mehr über Grimma erfahrt ihr unter www.grimma.de und www.mulderadweg.de

© Cindy Hiller