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Interview Daniel Stefanik: Nervige Duckfaces, das IfZ & Rohstsofftrading

Interview mit Daniel Stefanik

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16.07.2015

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"Ich nehme ja auch keine Drogen und damit macht das noch weniger Sinn, zwischen den ganzen Peilos zu sitzen. Ich kann ja dann dort kaum noch eine vernünftige Diskussion führen. Da hab ich kein Bock drauf."
Das achte Mal erwartet uns das TH!NK? Festival am 26. Juli 2015 am Cospudener Nordstrand. Mit ihm der Sand zwischen den Zehen, die Sonne auf der Haut und bis zum Hals im Wasser – oder einfach abgetaucht in der Musik. Dürfte kein Problem sein bei Solomun, DJ Koze, Rødhåd, Robag Wruhme, Super Flu, Filburt, Chris Manura, Ranko, Andreas Eckhardt u.v.m. Auch Daniel Stefanik gibt uns mit Mathias Kaden wieder die Ehre. Wir sprachen mit Daniel über Rohstofftrading und den Wandel von der Dunkelheit zum Duckface.

Was bewegte dich dazu, nach Leipzig zu ziehen? War es der Ruf des „Neuen Detroits“?
Nee, gar nicht. Ich zog wegen meines Informatik-Studiums nach Leipzig und wohnte mit einem Kumpel in einer WG. Besagter Kumpel hatte schon Kontakte nach Leipzig und zeigte mir dann die Coco Bar – die war zu dem Zeitpunkt, glaub ich, ziemlich „in“ in Leipzig. Da haben irgendwie alle Leipziger DJs in der Woche und am Wochenende gespielt. Ja und so kam es, dass ich das erste Mal in Leipzig in der Coco Bar auflegte.

Das kann ich mir irgendwie schlecht vorstellen, schließlich ist mir die Coco Bar nur als Cocktail-Bar bekannt ...
Achso, ja – ich meine nicht die am Ring (Anm. d. Red.: die ja mittlerweile auch geschlossen hat), sondern damals noch am Brühl. Diese hatte mit dem Happy-Hour-Cocktail-Bar-Konzept wenig zu tun gehabt. Dort waren irgendwie alle DJs, die etwas mit Electro zu tun hatten: Andreas Eckardt (auch auf dem TH!NK? 2015), Christian Fischer, Matthias Tanzmann (HIER zum Interview) ... Damals war das in Leipzig einfach DIE Adresse. So wie es heute in der Tille oder im Conne Island ist.

Was hat sich zu „damals“ denn verändert?
Ich glaube, für uns „alte Generation“ ist es schwierig, mit den neuen Gegebenheiten zurecht zu kommen. Ich wuchs in einer Szene auf, in der Underground zwangsläufig auch noch Underground war. Die Clubs halt, wo Vierviertel-Marschrichtung und 130 bpm in kompletter Dunkelheit Gegebenheit war – da schaute man nicht zur Bühne, wenn man tanzte. Damals waren die DJ-Pults mega dunkel. Wie ich im Tresor in Berlin immer gegen die Wand gerannt bin ... (lacht). Weil es dort einfach extrem dunkel, neblig und in Strobolicht gehüllt war. Klar, wenn ein Jeff Mills gespielt hat oder Sven Väth – das waren auch die großen Pfeiler des Technos – da schaute man schon mal nach vorne. Aber prinzipiell war das so, dass man sich komplett mit der Musik beschäftigte. Heutzutage ist der Blick immer zum DJ gerichtet – der DJ selbst im Spotlight. Im Vordergrund steht dann leider oft, wie der Typ aussieht, was er an hat, was er für ‘nen Schnaps trinkt und mit wem er rumhängt. Schau dir doch die Fotos auf Facebook an, wo jeder sein Duckface ins Bild mit dem DJ hängt. Das finden die Leute irgendwie cool. Und das ist schwierig für mich. Ich bin mit sowas einfach nicht aufgewachsen.

Was sind denn deine Leipziger Lieblingsclubs?
Die Tille gehört nach ganz vorne. Nicht nur, weil ich da spiele, sondern weil es auch Heimat für mich ist. Das Conne Island mag ich auch unheimlich. Auch weil es so breit gefächert ist. Zu meiner Stundenzeit war ich oft da – auch mal zu einem Hardcore-Konzert im Island. Ich bin da musikalisch sehr offen, aber Radiomusik geht zum Beispiel gar nicht. Musik muss schon interessant sein.

Warst du denn schonmal im IfZ?
Nein. Ich bekam jeweils positives wie auch negatives Feedback. Ich habe Bedenken, dass es eine Kopie vom Berghain ist, kann das jedoch nicht fest behaupten. Wäre es jedoch der Fall, ist dies einfach nur schwach. Denn man muss keinen Blick nach Berlin werfen. Das hätte Leipzig auf keinen Fall nötig. Wie auch immer ... `ne Wette habe ich nämlich auch noch laufen, ich muss als Gast da endlich mal hin (lacht). Musikalisch mach ich mir beim IfZ hingegen gar keine Sorgen, mit Sachen wie Subkutan. Das ist genau mein Sound.  Damit bin ich auch groß geworden – mit dunklem Industrial Techno. Daher denke ich, ich könnte mich im IfZ schon wohlfühlen.

Kontrast: Open Air. Was ist das besondere an Freiluftveranstaltungen wie dem TH!NK?
Auf einem Festival spielt man irgendwie schneller, auch wenn das gar nicht so richtig auffällt. Und dann ist es einfach fett unter freiem Himmel zu spielen, erst Recht bei der Szenerie des TH!NK?s zum Beispiel. Fantastisch, wenn tausende Menschen vor dir stehen und deine Musik komplett feiern und fühlen.

Feiert deine kleine Tochter deine Musik auch?
Ja. Oft höre ich im Auto gegen, was ich im Studio gemacht habe. Wenn es mich groovt, bewege ich mich dazu und das macht sie nach. Da wackelt der ganze Kopf und Oberkörper (lacht). Aber ich werde ihr auf jeden Fall sagen, dass sie mit Musik kein Geld verdienen soll. Furchtbares Business (lacht). Ich hatte es nie darauf angelegt, mein Geld ausschließlich damit zu verdienen.

Sondern?
Seit drei Jahren beschäftige ich mich mit dem Finanzwesen, Aktien und Rohstofftrading. Investment wäre etwas, das ich in Zukunft machen möchte. Ich möchte nicht mit 50 oder 60 auf der Bühne stehen. Ich glaube, dann habe ich nicht mehr das Gespür für die Leute. Ich lege ja jetzt nun schon über 20 Jahre auf und bin halt auch kein Sven Väth. Der ist Wahnsinn! Wie der einfach auch immer wieder gut klingt. Der ist Vollblut-DJ.

Ist es denn schwieriger, mit deiner Tochter das DJ-Leben so zu praktizieren wie bisher?
Nee, irgendwie ist das ein Irrglaube, den die Leute haben. Natürlich ändert sich etwas. Aber das geschieht erstens teils unbewusst und zweitens nach deinen Vorstellungen. Und bei mir war es schon immer so, dass ich zwar in Clubs ging, aber nicht jede Afterhour mitnehmen musste. Ich nehme ja auch keine Drogen und damit macht das noch weniger Sinn, zwischen den ganzen Peilos zu sitzen. Ich kann ja dann dort kaum noch eine vernünftige Diskussion führen. Da hab ich kein Bock drauf. Wenn, dann lege ich mal auf `ner Afterhour auf – das macht mir Spaß. Da kann ich nämlich auch schön verbimmelten Kram spielen – das funktioniert dort super (lacht). Ja, und das einzige, das mehr beachtet werden muss, ist da Zeitmanagment. Man muss strukturierter durch den Tag mit Kind. Das Schöne ist ja aber, dass ich verheiratet bin und zwei an einem Strang ziehen.

Wo ist dein Zuhause – gefühlt?
Leipzig! Ganz klar. Ich liebe diese Stadt einfach!



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