Versuch einer Kategorisierung des Open-Air-Publikums Das Who is Who der Freiluft-Tänzer


Beim ausgelassenen Tanz unter freiem Himmel hüpfen eine Menge verrückter Leute herum. Auch wenn es gefährlich ist, ein Geschehen stereotypisch zu betrachten, so bietet uns das bunte Umhergezappel eines Open-Airs oder einer Afterhour die tollsten Kategorisierungen.
 
(Jaja, grundsätzlich stehen wir auch nicht auf diese Etikettierungen und Schubladen-Verriegelung, aber manchmal macht es Spaß - erst recht, wenn man selber im hohen Bogen in der Schublade landet. Also easy!)

Feenstaub – aka Glitzermensch


Angefangen beim Feenstaub – aka Glitzermensch. Jene setzen sich unglaublich inszeniert „natürlich“ und mit viel Glitzer auf Dekolleté und Wangen in Szene. Blumenkinder sind es. Ausgelassen tanzend und nicht selten ein Schild in der Hand: “Endlich normale Menschen“. Solche Artgenossen sind keineswegs gefährlich, es sei denn man hat Angst, mit einem schnellen “Wisch“ durchs verschwitzte Gesicht verglitzert zu werden. P.S.: Seifenblasen und die obligatorische Blume im Haar sind selbstverständlich Pflicht.

 

© Carolin Schreier
Atzen

Lässt man seinen Blick weiter schweifen, könnte man auf eine weitaus bedrohlichere Gruppe stoßen. Die „Atzen“. Sei die Draußenveranstaltung auch noch so ungezwungen, gelassen und insbesondere inkognito- immer wieder verirrt sich diese (nicht seltene) Gattung auf Wald und Wiese. Der obligatorische und wohl fixierte Undercut ist hierbei ein MUSS. Oft wird die Lässigkeit mit Lederjacke und Tribal-Tattoos unterstützt. Wohlgebräunte Gesichter wagen sich dann mit ihren Pumparmen auf die Tanzfläche und benutzen einen ihrer Arme zum Taktgeben. Der andere ist stets für jegliche Handyinteraktion reserviert.

YOLO-er

Ähnlich den Atzen, gibt es noch die YOLO-er (You only live once). Zu Hause einen MC Fitti-Gral und unterwegs nur am “whatsappen“. Jegliche, auch noch so hirnrissige, primitive oder dämliche Aktion wird mit einem “YOLO“ besungen und versucht eben jene Tat zu legitimieren.

 

© Carolin Schreier
Anti-Mainstreamer


Gerade ziemlich im Hauptstrom geschwommen, gibt es an der anderen Ecke auch noch die „Anti-Mainstreamer“. Kommerz ist kacke! Sowieso. Und alles von der breiten Masse gefeierte und geliebte ist noch viel bekloppter. Vor allem aber hassen sie den Hypezig-Trend. Werden Draußenveranstaltungen zu sehr überflutet, ist alles uncool und man chillt sich lieber mit einem Club-Mate-Substitut (Vorsicht: Club-Mate ist zu Mainstream) an die Sachsenbrücke und echauffiert sich auch über deren Mainstreamigkeit. klamottentechnisch ist es wichtig, dass alles Vintage ist. Secondhand, Omas Kette oder Kleiderkreisel. „Hauptsache individuell“, schreien sie alle.

 

© Carolin Schreier
Survivor

Verlassen wir die Sachsenbrücke wieder und kehren zum Ort des Geschehens zurück, stoßen wir nun auf die „Survivor“. Die Survivor sind, wie könnte es anders sein, echte Lebenskünstler. Kaum angekommen, glüht die Grillkohle schon. Taschenmesser beseitigen störende Gräser und die All-Wetter-Jacke (wahlweise von The North Face oder Jack Wolfskin) garantieren allzeit bestmögliche Körpertemperatur. An und für sich sind die Survivor ein sehr pflegeleichtes Völkchen und eher selten auf der Tanzfläche zu sehen. Es sei denn jemand schreit wegen Wassernot. Dann eilen sie zu Hilfe.

© Carolin Schreier
Nörgler

Da es ungemein Spaß macht, die Leute in Schubladen zu stecken, ziehen wir eine weitere raus. Und tata: Die Nörgler! Ein bisschen wie die Anti-Mainstreamer sind sie, nur noch ein wenig negativer. Musik ist zu laut. Wenn nicht zu laut, dann zu leise. Zu wenig Leute sind auch da. Oder zu viele. Es ist zu heiß. Oder zu kalt. Der DJ ist kacke und legt noch nicht mal echtes Vinyl auf. Zu viele Atzen sind da. Zu viele YOLO-er. Zu viel Feenstaub und Seifenblasen. Der Grill stinkt. Fleischesser sind Mörder. Oftmals bewegen sie sich selber in einer Art Pseudo-DJ-Welt. Sie können es nämlich besser. Besser auflegen und besser feiern. Ist es ihnen zu bunt oder zu grau, verlassen die Nörgler schnell das Open-Air.

© Carolin Schreier
„Wie geil ist das denn“s

Schublade zu und wieder auf. Aber eine neue. Herausziehen wir die „Wie geil ist das denn“s. Die „Wie geil ist das denn“s lieben die Musik. Ja, sie LEBEN die Musik. Sie leben den Tanz und die Leute. Gröhlend und mit erhobenen Händen zieren sie den Tanzbereich. Sie kennen den DJ und wissen, dass es in Minute 46:56 richtig abgeht. Sie preisen die Plattenteller und huldigen jeden Electro-Beat. Meist sind sie die Letzten, die gehen. Denn wenn alle gehen, genau dann – genau danach, geht es ja erst richtig los!

© Carolin Schreier
 

Da wir hier nur von IKEA-Schubladen sprechen, beenden wir die Stereotypisierung schnell, bevor alles auseinander fällt. Mit einem zwinkernden Auge wünschen wir euch einen allzeit guten Rave.