
Causa: Fanausschreitungen bei Borussia Dortmund
In den letzten Tagen ist rund um RB Leipzig viel passiert. Seit dem vergangenen Spiel in Dortmund gegen den BVB (1:0) ist kein Tag vergangen, an dem es nicht um die Gewaltausbrüche gegenüber Leipziger Fans ging.
Vielfach wurde die Frage in den Raum geworfen, ob BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eine Mitschuld trägt, in dem er seit Jahren gegen RB Leipzig wettert und nicht verhehlt, dass ihm die 1. Bundesliga ohne den „Dosen performenden Club“ besser gefiele. Das, was am vergangenen Samstag geschah, war sicherlich nicht die Absicht des 57-Jährigen. Doch er muss sich ernsthaft fragen, inwiefern bestimmte „BVB-Fans“ eine Legitimation von Gewalt in seine teils populistischen Aussagen interpretieren.
Dass RB Leipzig auswärts nicht mit offenen Armen empfangen wird, ist nicht neu. Doch was da geschah, hatte neue Dimensionen. Auch bezüglich der widerlichen Banneraktionen, in denen immer wieder die Burn-out-Erkrankung von Sportdirektor Ralf Rangnick Thema ist, ist nicht erst seit dieser Partie grenzüberschreitend. Doch ihn aufzufordern, sich zu erhängen, ist der Gipfel an Geschmacklosigkeit.
Strafanzeigen, Antrag auf Sperrung der Südtribüne und 100.000 Euro
Eine schnelle Aufklärung ist nun gefragt. Und alle Beteiligten befürworten dies. Gestern wurde bekannt, dass erste Konsequenzen folgen: Es wurden 32 Strafverfahren gegen Gewalttäter eingeleitet. Zudem hat der DFB-Kontrollausschuss am heutigen Freitag
die Sperrung der Südtribüne für eine Partie und eine Geldstrafe von 100.000 Euro für den BVB beantragt. Die Begründung: „Eine derartige Verunglimpfung und Diffamierung von einzelnen Personen und Vereinen durch Transparente und Schmähgesänge ist nicht hinnehmbar und muss konsequent sanktioniert werden. Dasselbe gilt auch für den Einsatz von Pyrotechnik. In beiden Punkten gab es gravierendes Fehlverhalten von Teilen der Dortmunder Zuschauer, das ein massiveres Eingreifen der DFB-Organe erfordert.“
Neben den Bannern wurden in der Partie gefüllte Bierbecher Richtung Innenraum geworfen und Leipziger Spieler mit einem Laserpointer irritiert. Nicht berücksichtigt bei der Strafe sind die Übergriffe auf Leipziger Fans vor dem Stadion. Darauf habe der DFB keinen Zugriff, hieß es. Bis Montagmittag, den 13. Februar 2017 hat Borussia Dortmund Gelegenheit, um sich zum Strafantrag zu äußern. Sollte der Verein nicht zustimmen, dann muss das DFB-Sportgericht entscheiden.
Friedensgipfel BVB und RB Leipzig

Rangnick sagt, dass „in einem harmonischen Rahmen die Ereignisse gemeinsam besprochen wurden“. Auch die jeweiligen Wahrnehmungen sollen aufgearbeitet worden sein. Man besprach, was auch von der Führungsseite getan werden könne, dass so etwas nicht noch einmal passiert, so Rangnick und ergänzt, dass sich der BVB und RBL zukünftig vor jedem Spiel zusammensetze – auch ein sonst obligatorisches und bei den letzten beiden Begegnungen nicht gewünschtes, Abendessen sei möglich. Wichtig sei vor allem, dass die Vereinsführungen alles dafür tun werden, deeskalierend zu agieren.
Hasenhüttl fordert Zivilcourage
RBL-Coach Ralph Hasenhüttl wollte sich zu den Vorfällen in Dortmund nicht mehr groß äußern, außer: „Ich will, dass so was nie wieder passiert.“ Und verweist darauf, dass das, was geschehen ist, viele Menschen zum Nachdenken anregen werde. Er fordert zudem, dass die Fans, die sich davon distanzieren, nicht nur wegschauen, sondern auch bereit sein sollten, Zivilcourage zu zeigen. „Und dass dieses hohe Gut, was wir mit dem Fußball in Deutschland haben, auch als das zu schätzen, was ist: Verbindender Sport.“

Hasenhüttl dazu: „Unsere Fans machen mich immer wieder stolz. Deswegen macht es auch soviel Spaß, sich für diese Menschen den Hintern aufzureißen und ihnen ein schönes Wochenende zu bereiten.“ Er habe von den Leipziger Anhängern auch nichts anderes erwartet.
U23-Betrieb wird eingestellt
Ein anderes Thema wurde auch heiß diskutiert: die Einstellung des Spielbetriebs der U23 am Ende der Saison 2016/2017. Laut Hasenhüttl sei der Gedanke dahinter, noch mehr auf junge Toptalente zu spähen und sie noch früher zu den Profis in die erste Mannschaft zu holen. Eine U23-Mannschaft sei dann für ein eben solches Talent eher eine Bremser.
Aufwand und Ertrag in keinem vernünftigen Verhältnis
Laut Rangnick wurde sich mit diesem Thema in den letzten Monaten beschäftigt. Grund für die Spielbetriebseinstellung der U23 sei, dass Aufwand und Ertrag in keinem vernünftigen Verhältnis mehr stünden – „dabei meine ich nicht unbedingt finanziell, sondern personell, logistisch, energetisch.“ Besonders mit dem einmal ausgerufenen Ziel Aufstieg in die 3. Liga wären Probleme dazugekommen wie Stadion, Rasenpflege und unterschiedliche Terminierung der Spiele aus der 1. und 3. Liga – was wiederum Schwierigkeiten bereitet hätte, potenziellen Nachwuchs in die Profimannschaft zu integrieren. Der Zeitpunkt für diese Entscheidung sei jetzt richtig, da man davon ausgehen könne, dass die Mannschaft in der Regionalliga weder auf- noch absteige. Zudem hätte nun RB Leipzig als auch die betroffenen Spieler genügend Zeit, andere Vereine zu finden. Dabei kämen auch „kreative Lösungen“ zum Zug, so Rangnick. Sorgen darüber macht sich der 58-Jährige nicht: Allein gestern hätten sich zahlreiche Clubs gemeldet, die Interesse an Spielern bzw. Kooperationen bekundeten.
RBL möchte noch mehr aus dem „Segment der Hochbegabten“ schöpfen. Bedeutet: Toptalente sollen gerne auch schon mit 15, 16 Jahren entdeckt und gefördert werden, um diese dann so schnell und so jung wie möglich in die 1. Mannschaft geholt werden können.
Stab droht kein Jobverlust, Spieler vermitteln
Bisheriger U19-Trainer Achim Beierlorzer wird Sportlicher Leiter des Nachwuchszentrums (U16-19). Frieder Schrof leitet nach wie vor die Nachwuchsakademie. U19-Trainer wird Gerhard Struber, bisher U16-Coach in Salzburg. Und aktueller U23-Trainer Robert Klauß übernimmt die U17 und soll seine Fußball-Lehrer-Lizenz machen.
Rangnick betont, dass vom Stab niemandem ein Jobverlust drohe. Und den Spieler werde, falls sie nicht bei RB Leipzig bleiben, bei der Suche nach neuen und höchstmöglich spielenden Vereinen geholfen. „Je länger ich auch jetzt noch darüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass es zwar eine schwere, aber richtige Entscheidung war“, so Rangnick abschließend.
Ausblick auf Gegner Hamburger SV

Aufwind durch neuen Trainer
Der kommende Gegner Hamburger SV sei durch den Sieg gegen Leverkusen (1:0) und das gewonnene Pokal-Achtelfinale gegen den 1. FC Köln (2:0) im Aufwind, so Hasenhüttl. Durch den neuen Trainer Markus Gisdol, ehemals Hoffenheim-Coach sowie Co-Trainer von Rangnick, werde eine andere Philosophie verfolgt. „Die Hamburger schalten schnell um und arbeiten mit viel Speed und Qualität nach vorn. Einige Abläufe sind unserem Spiel sehr ähnlich und es wird darauf ankommen, die schnellen Konter zu unterbinden.“
Ein weiterer Bekannter wird zugegen sein: Kyriakos Papadopoulos, der in der Winterpause seinen Weg von Leipzig nach Hamburg antrat. Hasenhüttl meint: „Er wird von Anfang an spielen und klarerweise wird er brennen.“ Die Wege zwischen RB Leipzig und Papa seien im Guten auseinandergegangen. Es sei einfach Pech gewesen, dass wenn er gebraucht wurde, leider verletzt war.
Spiel(er)infos:

Ausfälle:
Marvin Compper (Gelb-Sperre)
Lukas Klostermann (Aufbautraining)
Gelbsperre droht:
Willi Orban (4 Gelbe Karten)
Yussuf Poulsen (4 Gelbe Karten)
Was: 20. Spieltag, 1. Bundesliga – RB Leipzig (2.) gegen Hamburger SV (16.)
Wann: Samstag, 11. Februar 2017, 15:30 Uhr
Wo: Red Bull Arena
Die Partie ist ausverkauft