Doppelt Spitze Unterwegs im Leipziger Umland #22: Oschatz

Die kleine Stadt Oschatz östlich von Leipzig hat wirklich einiges zu bieten. Was genau es zu entdecken gibt, verraten wir euch im neuesten Teil unserer Umlandreihe.

© Cindy Hiller

Mit dem Regionalexpress seid ihr in etwa einer halben Stunde in Oschatz. Mit der S-Bahn oder dem Auto dauert es fast eine ganze Stunde. Der Bahnhof liegt nördlich der historischen Altstadt und ist fußläufig zu erreichen. Ihr könnt diesen Weg allerdings auch verkürzen und mit der Döllnitzbahn fahren. Die Schmalspurbahn führt nicht nur durch die Stadt, sondern verbindet auch die umliegenden Gemeinden miteinander. Achtet aber unbedingt auf die Betriebszeiten.

Ausgewogene Aussicht

Im Stadtzentrum am Neumarkt angekommen findet ihr die Touristinformation direkt neben dem Renaissance Rathaus. Hier und am benachbarten Altmarkt liegen einige Restaurants und Bäckereien mit Cafés, wie beispielsweise das Backhaus Wentzlaff oder das Eis­café Florenz. Sehr prägend für die Stadtsilhouette sind besonders die beiden 75 Meter hohen Türme der Kirche St. Aegidien. Die Ursprünge des Gebäudes gehen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Jedoch wurde die Kirche bei zwei großen Bränden so stark zerstört, dass zwischen 1846 bis 1849 ein neues Gebäude aus einem Stilmix von Neo­gotik und Klassizismus errichtet wurde. Auch die Innen­ausstattung, wie das gläserne Altarbild und die Jehm­lich-Orgel, stammen aus dieser Zeit. Doch das wahre Highlight der Kirche führt hoch hinaus.

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Von 1899 bis 1968 befand sich in einem der beiden Türme die Wohnung der Türmerfamilie Quietzsch. Sie ist heute noch zu besichtigen und vermittelt einen guten Eindruck von diesem sehr ungewöhnlichen Lebensraum. Auf 45 und 55 Metern Höhe befinden sich außerdem zwei umlaufende Balkone, von wo aus ihr einen wunderbaren Blick über Oschatz und die Umgebung genießen könnt.

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Wieder unten angekommen solltet ihr den Weg gleich bis zum naheliegenden Stadt- und Waagenmuseum fortsetzen. Das Museum liegt direkt an der alten Stadtmauer mit dem Zwingergarten. Die historischen Gebäude der Ratsfronfeste und der Amtsfronfeste mit dem Wachturm zeugen noch von der Bebauung im 14. und 15. Jahrhundert. Der Amtsfron, welcher hier mit seiner Familie lebte, war unter anderem für die Ankündigung von Gerichtsverfahren sowie die Vollstreckung von Urteilen zuständig. Der Wachturm ist ebenfalls begehbar und bietet auf 25 Metern Höhe einen schönen Ausblick auf die Kirche St. Aegidien. Zum Museumskomplex gehört noch das Waagenmuseum, welches nach einer Neugestaltung im vergangenen Jahr wiedereröffnet wurde. Hier könnt ihr allerlei Wissenswertes über unterschiedliche Maße und Gewichte und die Konstruktion von Waagen lernen. An manche Exemplare dürft ihr sogar selbst Hand anlegen und zum Beispiel ausprobieren, wie schwer eine Unze oder ein Quäntchen sind.

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Flora und Fauna

Wenn ihr nach der ganzen Historie etwas Erholung für den Kopf braucht, empfehlen wir euch einen Besuch im O-Schatz-Park. Er liegt nicht weit entfernt vom Altstadtkern und ist in ein paar Minuten zu Fuß zu erreichen. Die Parkanlage entstand für die vierte Landesgartenschau im Jahr 2006 und bietet nicht nur viel idyllisches Grün für eine Pause, sondern auch einen Tierpark, in dem zum Beispiel Alpakas, Kängurus und Rhesusaffen ihr Zuhause haben. Zum Gelände gehören außerdem noch eine Minigolfanlage, ein Campingplatz und die Mehrzweckhalle „das O“, in welcher die größte Kaffeekannensammlung der Welt zu bestaunen ist. Der Park ist bei den Oschatzer:innen sehr beliebt. Der Besuch kostet keinen Eintritt.

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Schloss und Ruine

Auch um Oschatz herum gibt es einiges zu entdecken. Entlang der etwa 20 Kilometer langen Wanderroute „Oschatz­er Rundweg“ kommt ihr beispielsweise an der Ruine des Wüsten Schlosses Osterlant vorbei. Das einst vierflügelige Schloss soll um 1210 errichtet worden sein, verfiel aber angeblich schon 100 Jahre danach wieder. Über die genaue Nutzung und die ehemaligen Bewohner:innen gibt es kaum Informationen. Ein besser erhaltenes Schloss findet ihr im Ortsteil Leuben: Das barocke Gebäude wurde in den letzten Jahren umfassend saniert und befindet sich in Privatbesitz. Es finden jedoch zu speziellen Terminen Konzerte und öffentliche Führungen statt.

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